„Und dann passiert so was: Krebs“

von Heidi Rinke-Jarosch
Adin Husic weiß: Nichts ist schwerer, als gegen den Tod zu kämpfen. Um den Krebs besiegen zu können, muss man stark sein.“  VN/HRJ

Adin Husic weiß: Nichts ist schwerer, als gegen den Tod zu kämpfen. Um den Krebs besiegen zu können, muss man stark sein.“  VN/HRJ

Adin Husic setzt sich für den Erhalt der Dornbirner Onkologiestation ein.

bürs „Hallo, alle zusammen, ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text schreiben soll oder nicht, weil ich nicht gerne über meine Krankheit rede. Aber es muss jetzt sein! Ich habe eine lange Zeit in diesem Krankenhaus in Dornbirn verbracht, um genau zu sein auf der Kinderonkologiestation. Ich habe ein paar Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien hinter mir. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens, aber die Ärzte und Krankenschwestern haben mir Hoffnung und Stärke gegeben, sie haben mich immer wieder zum Lachen gebracht und das hat sonst niemand in dieser schweren Zeit geschafft! Diese ganze Onkologiestation samt Ärzten, Kindern und Krankenschwestern ist ein Teil meiner Familie. (…) deswegen werde und kann ich nicht zulassen, dass man die Kinderonkologie in Dornbirn schließt.“

Dieser Auszug aus einem Social-Media-Eintrag vom 4. März stammt von Adin Husic. Der 17-jährige Bludenzer mit bosnischen Wurzeln setzt sich vehement für den Erhalt der Kinderonkologie am Stadtkrankenhaus Dornbirn ein.

Bösartiger Tumor

Treffpunkt ist ein Restaurant in Bürs. Adin Husic trinkt Sodawasser. Zu Beginn des Gesprächs stellt er klar: „Bosnien ist die Heimat meiner Eltern, meine ist Vorarlberg.“ Dann beginnt er zu erzählen, von der schweren Erkrankung, von elend langen Spitalsaufenthalten in Dornbirn und Innsbruck, von seiner Familie, die ihm Halt gegeben hat. Adin war 13 und in der dritten Klasse Mittelschule, als der bösartige Tumor diagnostiziert wurde. Die erste Chemotherapie bekam er im Klinikum Innsbruck verabreicht. „Weiterbehandelt wurde ich auf der Kinderkrebsstation in Dornbirn.“ Insgesamt war er mehr als ein Jahr in Behandlung. „Meistens ging es mir sehr schlecht“, erzählt der Jugendliche. „Ohne meine Familie hätte ich es nie geschafft.“ Seine Mutter sei jeden Morgen, bevor sie zur Arbeit ging, zu ihm ins Spital gekommen, und habe ihm zu essen gebracht. Sein Vater schlief bei ihm im Zimmer. „Trotzdem wissen meine Eltern nicht, was ich durchgemacht habe. Die Schmerzen, physische und psychische, niemand kann das nachempfinden.“

Leidenszeit

Dazu kam noch, „dass 13 Jahre das schlimmste Alter ist“. Jedenfalls habe er das so empfunden. „Mit 13 versteht man alles. Man ist reif genug, um alles bewusst zu erleben. Man hat neue Freunde. Man lernt das Leben kennen. Und dann passiert so was: Krebs. Da fragte ich mich: Ist das jetzt das Leben? Oder sterbe ich lieber?“ Nach einer kleinen Pause fügt Adin hinzu: „Nichts ist schwerer, als gegen den Tod zu kämpfen. Um den Krebs besiegen zu können, muss man stark sein.“

Als er erfuhr, dass es die Kinderonkologie in Dornbirn nicht mehr geben soll, fing er an, Inhalte in den sozialen Netzwerken zu posten und auf eine Petition hinzuweisen. „Diese Station muss erhalten bleiben“, stellt er mit Nachdruck klar. „Vor allem deshalb, weil krebskranke Kinder ihre Familien in der Nähe brauchen. Mit meiner Geschichte will ich anderen Kindern helfen, damit sie nicht nach Innsbruck zur Behandlung müssen.“ Er selbst musste mehrmals in die Tiroler Uni-Klinik. „Das war für mich schrecklich, die Hölle.“ Sein Vater sei zwar bei ihm gewesen, aber die Mutter und die Schwestern nicht. „Und nachts war ich immer allein, weil dort die Angehörigen nicht bei ihren Kindern übernachten dürfen. Ich konnte nicht einschlafen. Das hat mich kaputt gemacht.“

In Dornbirn sei Adin immer von den gleichen Ärzten behandelt worden. „In Innsbruck hingegen waren es jedes Mal andere. Das war mühsam.“ Außerdem habe er dort des Öfteren miterlebt, wie krebskranke Kinder gestorben sind. „Einer von ihnen war mein Kollege. Er war 16. Sein Tod war ganz schlimm für mich.“ Es gibt auch Schönes im Leben des 17-Jährigen: „Das war, als mein Neffe Adian geboren wurde.“ Den etwa zweijährigen Buben liebt Adin über alles.

„Ja, ich kämpfe weiter“

„Mittlerweile bin ich geheilt und sehr stark. Ich gehe ins Fitnessstudio. Ich spiele mit Freunden Fußball und im Herbst beginne ich eine Lehre als Anlagen- und Betriebselektriker.“ Ja, für den Erhalt der Kinderkrebsstation in Dornbirn kämpfe er weiter: „So lange, bis die Politiker verstehen, dass es bei den Kindern nicht um Geld, sondern um Leben und Tod geht.“

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