Geplatzte Hoffnung

Bilder wie dieses prägten lange die Diskussionen rund um die onkologische Versorgung von Kindern im Stadtspital Dornbirn. VN/hartinger

Bilder wie dieses prägten lange die Diskussionen rund um die onkologische Versorgung von Kindern im Stadtspital Dornbirn. VN/hartinger

Österreichische Ärztekammer versagt Dornbirner Kinderonkologin die Zulassung.

Dornbirn Das kommt wohl einem Super-GAU gleich: Die einzige Kinderonkologin am Krankenhaus Dornbirn erhielt von der Österreichischen Ärztekammer keine Zulassung für dieses Additivfach. Begründet wurde der negative Bescheid mit zu wenig anrechenbaren Dienstzeiten während der Ausbildung. Als Folge davon gibt es seit Anfang dieser Woche keine chemotherapeutischen Behandlungen mehr. Auch solche, die bislang in Abstimmung mit der Unikinderklinik Innsbruck erfolgten, sind eingestellt worden.

Für jede Spritze fahren

Die Enttäuschung ist groß, sowohl bei den Eltern krebskranker Kinder wie auch bei Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. „Das wirft alle unsere Bemühungen zurück“, spricht er von einer geplatzten Hoffnung. Tatsächlich hatten sich Vertreter der Uniklinik und des Gesundheitsministeriums bei einer Informationsveranstaltung im März bezüglich der Anerkennung für die Ärztin weit aus dem Fenster gelehnt und diese sogar in Aussicht gestellt. „Wir haben alle Möglichkeiten geprüft, auch, ob noch Zeiten lukriert werden können, aber letztlich ohne Erfolg“, bedauert der Vizepräsident der Vorarlberger Ärztekammer, Burkhard Walla. Zwar kann der Bescheid angefochten werden, die Chancen, dass etwas Besseres dabei herauskommt, bezeichnet Walla jedoch als „gleich null“.

Die Hiobsbotschaft wurde den Eltern am Montag mitgeteilt. „Jetzt müssen wir mit unserem kranken Kind wegen jeder Spritze nach Innsbruck fahren“, erzählt ein Ehepaar, dessen Kind eben die letzte chemotherapeutische Behandlung auf der Kinderstation erhalten hat. Die Eltern fühlen sich von der Landespolitik und den Verantwortlichen der Stadt Dornbirn schmählich im Stich gelassen. Sie können auch kein Fortkommen bei der Umsetzung des Vier-Punkte-Plans erkennen. Wie berichtet soll es organisatorische und finanzielle Unterstützung geben, außerdem soll die Suche nach einem Kinderonkologen intensiviert, und es sollen zwei Ausbildungsstellen geschaffen werden. „Entweder gibt es da eine geballte Landung an Inkompetenz oder ein geballtes Nichtwollen“, merkt ein Vater an. Der Unmut kommt nicht von ungefähr. Eine Mutter hat bei Recherchen herausgefunden, dass die Stellenausschreibung für einen Kinderonkologen beispielsweise auf der Webseite der Stadt Dornbirn mit 12. April 2018 befristet war. Seit sie in dieser Sache nachgehakt hat, ist die Anzeige wieder online.

Mit dem Hinweis, das würde Unruhe ins Team bringen, sei auch der Vorschlag, einen Onkologen aus einer anderen Klinik vorübergehend in Dornbirn zu beschäftigten, rundweg abgelehnt worden, nachdem der ehemalige Leiter der Kinderonkologie nicht mehr zur Verfügung stand. Dieser hätte laut übereinstimmenden Aussagen von Eltern aber noch für eine bestimmte Zeit weitergemacht, wäre er gefragt worden. „Die vom FPÖ-Landtagsabgeordneten Christoph Waibel im Landtag getätigte diesbezügliche Aussage stimmt schon“, will eine Mutter aus der Initiative „Pro Kinderonkologie“ rückblickend klargestellt haben. „Es fehlt schlicht ein Zukunftskonzept“, monieren die Eltern. Das bisherige Geschehen werten sie als Indiz dafür, dass der kinderonkologische Schwerpunkt nicht weiterbestehen soll.

300.000 Euro Zuschuss

Gesundheitslandesrat Christian Bernhard versteht die Ängste, versichert aber gleichzeitig, dass „alle intensiv am Thema dran sind“. Jetzt müsse die Suche nach einem Kinderonkologen eben noch stärker betrieben werden. Es soll auch keine finanziellen Kürzungen für den kinderonkologischen Schwerpunkt im Krankenhaus Dornbirn geben. Derzeit fließen 300.000 Euro jährlich zweckgebunden in das Spitalsbudget, ohne dass dafür Leistungszahlen abzurechnen sind. „Ich will im Land eine Anlaufstelle für diese Kinder haben. Die Expertise ist ja vorhanden“, betont Bernhard. Dieses Wissen, das sich auf der Station in den vielen Jahren angesammelt hat, möchten auch die Eltern für ihre und andere kranke Kinder bewahren. Doch die Zweifel, ob das gelingt, wachsen. VN-MM

„Wir haben alle Möglichkeiten geprüft, auch, ob noch Zeiten lukriert werden können.“

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