Häuser für viele zu teuer

Einfamilienhäuser sind eine begehrte Ware. Deshalb sind die Preise im Zehnjahresvergleich um 111,5 Prozent gestiegen.  Ledwinka

Einfamilienhäuser sind eine begehrte Ware. Deshalb sind die Preise im Zehnjahresvergleich um 111,5 Prozent gestiegen.  Ledwinka

Vorarlberger weichen auf Miet- und Eigentumswohnungen aus.

SCHWARZACH „Schaffa, schaffa, Hüsle boua“, ist seit Generationen so etwas wie eine alemannische Philosophie. Zumindest dem Klischee nach. In der Praxis schaut die Sache zunehmend anders aus: Zumal mit den rasant steigenden Immobilienpreisen das eigene Haus mit Garten vielen Vorarlbergern zu teuer geworden ist, ist Mieten oder allenfalls eine Eigentumswohnung angesagt. Die Summe derer, die sich freiwillig oder unfreiwillig damit begnügen, nimmt stark zu. „Das ist ein Kennzeichen für eine Urbanisierung des Landes“, meint Wolfgang Amann (53), Chef des privaten Forschungsinstituts für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) in Wien.

Die Daten zur Geschichte liefert Statistik Austria. Sie gehen zurück bis ins Jahr 1974 und beziehen sich auf die Rechtsverhältnisse, die allen Hauptwohnsitzen zugrunde liegen. Zu Beginn der Aufzeichnungen gab es demnach allein in Vorarlberg rund 45.000 Hauseigentümer und gerade einmal halb so viele Mieter, nämlich 23.900. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse angenähert: 2016 gab es 72.400 Hauseigentümer und zwei Drittel so viele Mieter, 52.000 Mieter. Daneben existiert noch die Kategorie „Wohnungseigentümer“. Diese Zahl hat sich vervielfacht – von 5700 auf zuletzt 23.400. Gerundet sind die Werte übrigens, weil es sich um Hochrechnungen handelt, die die Statistik Austria durchführt, und zwar auf Basis regelmäßiger Großerhebungen mit 20.000 Teilnehmern österreichweit.

Wohnforscher Amann zeigt sich über diese Entwicklungen nicht verwundert. Im Gegenteil: „Sie sind sehr einfach zu erklären“, so der gebürtige Koblacher: „In Vorarlberg sind immer weniger Menschen in der Lage, sich den Traum und auch das gesellschaftliche Leitbild des eigenen Hauses zu erfüllen. Das ist am ehesten noch denen möglich, die ein Grundstück erben.“

Immobilienpreise im Steigflug

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Bevölkerung wächst stark, die Bauleistung ist mehr oder weniger begrenzt, der Boden wird immer knapper. „Also steigen die Immobilienpreise“, wie Amann bestätigt. Dazu kommt der Faktor „Mobilität“: Vor allem Jüngere wollen demnach zunächst einmal flexibel sein, irgendwo anders arbeiten oder studieren oder einfach nur die Welt bereisen. Eigentum muss daher warten; es bedeutet zu sehr Bindung.

Auf der anderen Seite kann es sich langfristig aber auch lohnen, so Amann im Gespräch mit den „VN“. Kommen Junge zu Eigentum, profitieren sie davon, sobald die Schulden getilgt sind. Ganz besonders in der Pension, wenn meist weniger Einkommen zur Verfügung steht: „Es zeigt sich immer wieder, dass Eigentümerhaushalte im Alter viel besser gestellt sind als Mieterhaushalte.“ JOH

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