Erinnerung mit Lücken

Prozess gegen KH Dornbirn nach vermutetem Ärztefehler.

Feldkirch Bei vermuteten Behandlungsfehlern im Spital ist mit der Stadt Dornbirn bekanntermaßen nicht gut Kirschen essen. Diese Erfahrung muss derzeit auch eine Frau aus Wolfurt machen. Seit vier Jahren kämpft sie um Schadenersatz, weil ihr nach einer Operation am rechten Unterarm immer noch Schmerzen das Leben verleiden. Weder ein Gutachten, das auf einer Ferneinschätzung beruhte, noch vier Ärzte, die bei der letzten Verhandlung von der Beklagten als Zeugen aufgeboten wurden, brachten die Sache einer Klärung näher, denn keiner der Mediziner konnte sich an den Fall erinnern. Die Gegenseite hat daraufhin ein Ergänzungsgutachten beantragt. Diesmal soll die Begutachtung in Anwesenheit der Klägerin erfolgen.

Der Unfall, an dem die 62-Jährige immer noch laboriert und der sie auch um ihren Beruf als Zahnärztin brachte, ereignete sich im Herbst 2013. Die Frau war gestürzt und mit einem Unterarmbruch ins Krankenhaus Dornbirn eingeliefert worden. Nach Abklingen der Schwellung wurde der Bruch an der Hand von einem Unfallchirurgen operiert, der Knochen mittels Platte und Schraube fixiert und mit einem Gipsverband versehen. Laut Aussage der Klägerin erwies sich der Gips jedoch ständig als zu eng. Sie sprach von Gefühlsstörungen in der Hand sowie deutlichen Schwellungen. Gipswechsel brachten keine Erleichterung. Dann kamen auch noch stechende Schmerzen dazu. Das würde sich geben, sei ihr von Ärzten gesagt worden.

Schraube im Gelenksspalt

Doch nichts gab sich. Schließlich holte die Frau im Landeskrankenhaus Feldkirch eine Zweitmeinung ein. Dort wurde nach einem Röntgen und einer Computertomografie festgestellt, dass die Schraube im Gelenksspalt fixiert war. Bei einem zweiten Eingriff im LKH Feldkirch wurde das Material entfernt. Vom Richter nach den möglichen Ursachen für die Beschwerden befragt, gab sich die Klägerin überzeugt, dass diese auf die falsche Positionierung der Schraube und die zu engen Gipsverbände zurückzuführen sind. Sie räumte ein, die erste Operation sei erforderlich gewesen, weil eine konservative Behandlung solcher Brüche sehr viel schlechtere Prognosen hat. Der zweite Eingriff wäre ihrer Ansicht nach jedoch vermeidbar gewesen. Vor der OP sei nie die Rede davon gewesen, dass das Implantat nachsinken könnte. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mich von einem Handchirurgen behandeln lassen“, sagte sie.

Einer der in den Zeugenstand gerufenen Unfallchirurgen meinte hingegen, es habe sich um keinen Fall für einen Spezialisten gehandelt. Knöcherne Verletzungen könnten unfallchirurgisch versorgt werden. Gemeinsam war allen vier Ärzten, dass sie keine Erinnerung an die Behandlung hatten, aber davon ausgingen, dass sie den gängigen Standards entsprechend erfolgte. Die Klägerin hingegen bezweifelte die Kompetenz der Akteure. Der Operateur arbeitete zu dieser Zeit als Assistenzarzt, eine weitere, laut Ambulanzblatt involvierte Ärztin war gerade drei Wochen im Turnus.

Der Gutachter kam auf Basis des Operationsberichtes wiederum zum Schluss, es liege keine medizinische Sorgfaltsverletzung vor. Jetzt gilt es, das Ergänzungsgutachten abzuwarten. VN-MM

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