Vorarlberger, über die man spricht. Sepp Gröfler (56)

Um Stellung zu beziehen

von Christa Dietrich
Sepp Gröfler spielt die Titelrolle in „Jägerstätter“ von Felix Mitterer bei der Basilia Rankweil. Premiere ist am 18. August. Foto: Sams

Sepp Gröfler spielt die Titelrolle in „Jägerstätter“ von Felix Mitterer bei der Basilia Rankweil. Premiere ist am 18. August. Foto: Sams

Sepp Gröfler, Leiter der Telefonseelsorge, steht in einem besonderen Stück über einen Nein-Sager auf der Bühne.

Rankweil. (VN-cd) Er hat das NS-Dokumentationszentrum in Nürnberg besucht und sich mit den Mechanismen auseinandergesetzt, die Menschen zu Mitläufern machen. Aber nicht nur das macht ihm zu schaffen, Sepp Gröfler, der sich selbst als Erzieher ausbilden ließ, bei der Telefonseelsorge in Vorarlberg leitend tätig ist und als Komödiant auf der Bühne steht bzw. Menschen gerne ein Lachen ins Gesicht zaubert, zieht auch Parallelen zur heutigen Situation. Rundherum schüre man wieder Angst, und es gäbe da die starken Männer, denen das Gefühl der Unsicherheit nur recht ist. Sepp Gröfler spielt die Titelrolle im Stück „Jägerstätter“ von Felix Mitterer, das ab dem morgigen Freitag auf dem Vorplatz der Basilika in Rankweil aufgeführt wird. Es thematisiert das Schicksal von Franz Jägerstätter (1907–1943) aus Oberösterreich, der als gläubiger Katholik den Kriegsdienst in der Wehrmacht aus Gewissensgründen verweigerte, verurteilt und enthauptet wurde, und es zeigt auch das Verhalten der Mit- und Nachwelt. Gröfler sieht Jägerstätter als einen Menschen, der die Kraft hatte, eine Entscheidung zu treffen, Nein zu sagen, er sieht ihn aufgrund seines Verhaltens gegenüber seiner Familie durchaus auch als  zwiespältige Person. Jägerstätters Ehefrau ist zu ihrem Mann gestanden, aber wie man weiß, hatte sie ein grauenhaftes Schicksal zu ertragen, wurde geächtet. Obwohl er Erfahrung mit anspruchsvollen Amateurtheaterproduktionen hat und in der Schweiz beispielsweise in einem Anne-Frank-Stück mitwirkte, hatte sich Gröfler die Rolle nicht gleich zugetraut, doch Regisseurin Brigitta Soraperra sah das anders. Der Schauspieler dazu: „Wenn mir das jemand zutraut und mich entsprechend führt, dann traue ich mich das auch.“

Während der gesamten Probenzeit setzte er sich dabei immer wieder mit der Frage auseinander, wie er gehandelt hätte. „Ich wäre wohl nicht der Mensch, der diesen Weg gehen könnte, aber es wohnt jedem Menschen auch die Anlage inne, dass man diese Kraft aufbringen könnte, deshalb sind solche Vorbilder wichtig. Die Außenseiter sind es oft, die viel für die Mitte schaffen.“ Sich der Thematik zu stellen, Stellung zu beziehen, sei ungemein wichtig, „wir müssen uns dem stellen, damit nicht jene die Macht bekommen, die uns die Gewissenlosigkeit aufprägen.“

Zuhören

Sepp Gröfler ist in Uttendorf im Pinzgau aufgewachsen, in der Erzieherschule in Tirol hatte er seine Frau kennengelernt, eine Lingenauerin, zu der er nach Vorarlberg zog. Er arbeitet nach wie vor auch mit Kindern und erzählt, dass unter den 14.000 Anrufern pro Jahr bei der Telefonseelsorge rund 600 bis 800 Kinder sind. 84 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Hilfesuchenden, manchmal sind sie mit Suizidgefahr konfrontiert, sehr oft geht es um das so wichtige Zuhören.

Die Außenseiter sind es oft, die viel für die Mitte schaffen.

Sepp Gröfler

Zur Person

Sepp Gröfler

Geboren: 1961 in Zell am See, seit 1985 in Vorarlberg

Tätigkeit: Leiter der Telefonseelsorge, Pädagoge, Schauspieler

Wohnort: Dornbirn

Familie: verheiratet, drei Kinder

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