600 Tonnen Müll landen pro Jahr im Abwasser

von melanie fetz

Unnötige Abfälle in den Kanälen belasten das Budget der kommunalen Klärwerke.

Dornbirn. Rein in den Abfluss oder die Toilette, Wasser nach und fertig. Während für den Benutzer das Thema an diesem Punkt beendet ist, fängt für Josef Küng und das neunköpfige Team der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Dornbirn die Arbeit erst an.

„Ich habe in meinem Leben schon sehr viel Wasser gesehen“, sagt der 63-jährige Betriebsleiter, während er über das endlos zu sein scheinende Gelände mit den großen Becken und Pumpwerken schreitet. 8,5 Hektar groß ist die Anlage im Rohrbach und damit in bautechnischer Hinsicht die größte des Landes. Jährlich werden in der Kläranlage rund elf Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Dazu zählt auch Regenwasser, welches über bebaute Flächen in das Kanalsystem gelangt.

Zunächst werden bei den Rechenanlagen Dinge aus dem trüben Wasser gefischt, die dort eigentlich überhaupt nicht hingehören. Beispielsweise Hygiene- und Kosmetikartikel. Aber auch Kuriositäten wie Holzbalken, Zahnprothesen, Handys oder Fahrradreifen haben Mitarbeitern von Vorarlberger Kläranlagen schon geborgen.

„Der Müll wird in einem Container gesammelt, getrocknet und regelmäßig entsorgt, erklärt Küng und deutet in Richtung einer Sammelstelle. Jede Menge Feuchttücher sammeln sich regelmäßig in den Rechen und stapeln sich später im grauen Container, der in einer überdachten Ecke des Geländes steht. Auch Plastikflaschen sind zu sehen.

Vermeidbare Kosten

600 Tonnen Müll landen pro Jahr in den 34 kommunalen Klärwerken des Landes. 160 Tonnen pro Jahr fallen allein in der Dornbirner Abwasserreinigungsanlage jährlich an. Etwa 40.000 Euro kostet die Entsorgung des Abfalls in Dornbirn. Rund die Hälfte dieser Kosten wäre sicher vermeidbar, meint Küng.

Nach Angaben von Thomas Blank, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes, stellt die Situation in Vorarlberg zwar kein wirklich akutes Problem dar. Dennoch sei es wichtig, auch weiterhin Bewusstseinsbildung zu betreiben. „Speisen, Fett, Öl oder Medikamente gehören einfach nicht in den Kanal“, betont er. Wird der Müll durch die Toilette entsorgt, können in den Kanalrohren und bei den Pumpwerken Ablagerungen und schließlich teure Schäden entstehen.

In den vergangenen 50 Jahren wurden im Land 1,3 Milliarden Euro in die Kanal- und Kläranlagen investiert. Wie sauber im wahrsten Sinne des Wortes gearbeitet wird, zeige sich in der Gewässerqualität der Badeseen, sagt Blank.

Großes Thema sind inzwischen sogenannte Mikroschadstoffe. „Es ist nicht möglich, diese herauszufiltern“, berichtet ARA-Dornbirn-Betriebsleiter Küng. Mikroplastik besteht aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Viele dieser winzigen Partikel stammen aus Zahnpasta, Duschgel und Peeling-Produkten oder entstehen durch Abrieb und Zersetzung. Mikroplastik gilt als ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangen kann. Am Bodensee versuchen Wissenschaftler der Fischereiforschungsstelle Langenargen derzeit im Rahmen eines Projekts herauszufinden, was mit den Plastikteilchen im Körper der Fische passiert. Blank sieht wegen Mikroplastik noch keinen Handlungsbedarf. Österreichweit laufen diesbezüglich erste Untersuchungen. 

Rund die Hälfte dieser Kosten wäre sicher vermeidbar.

Josef Küng
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