Mindestpensionen gehen zurück

von Johannes Huber
Von 100 Steuereuro fließen insgesamt rund 23 Euro in die Pensionen. Dahinter folgen der Bildungsbereich im engeren Sinn und der Arbeitsmarkt. APA

Von 100 Steuereuro fließen insgesamt rund 23 Euro in die Pensionen. Dahinter folgen der Bildungsbereich im engeren Sinn und der Arbeitsmarkt. APA

Vorarlberg: Zahl der Ausgleichszulagen­bezieher sank im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent.

Wien. (joh) Die freiheitliche Nationalratsabgeordnete Carmen Schimanek erhielt auf ihre Anfrage zum Thema Altersarmut von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) eine überraschende Antwort. Anhand der Ausgleichszulagenbezieher hatte sie mehr darüber erfahren wollen. Doch Stöger teilte nun mit, dass die Zahl zurückgehe. Bundesweit und auch in Vorarlberg, und zwar um immerhin 2,8 Prozent allein im vergangenen Jahr. „Das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen“, wie der Chef der hiesigen Servicestelle des Sozialministeriums, Martin Staudinger, im Gespräch mit den VN bestätigt: Die Pensionsansprüche, die Frauen und Männer selbst erwerben, steigen, sodass letztlich weniger staatliche Zuschüsse nötig sind.

Die Entwicklung überrascht umso mehr, als der Ausgleichszulagenrichtsatz, der umgangssprachlich auch als Mindestpension bezeichnet wird, jedes Jahr inflationsbereinigt wird. Für Alleinstehende betrug er 2008 beispielsweise 747 Euro im Monat und 2016 bereits 883 Euro.

Seit 2008 sinkt bundesweit jedoch die Zahl der Bezieher, und zwar um 13 Prozent von 243.246 auf 211.237 (2016). In Vorarlberg war der Rückgang ziemlich genauso stark, nämlich von 7470 auf 6535, wobei er allein im vergangenen Jahr 2,8 Prozent ausmachte. „Das ist ein genereller Trend“, sagt Martin Staudinger vom Sozialministeriumsservice im Land: „Das ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr Leute eine höhere Eigenpension haben.“ Sprich: Besonders Frauen sind zunehmend erwerbstätig und wie die Männer sind sie es noch dazu länger. Damit leisten beide mehr Beiträge, womit sie höhere Ansprüche gewinnen und letzten Endes auch mehr ausbezahlt bekommen.

Wer Eigenpensionsansprüche hat, die unterhalb des Ausgleichszulagenrichtsatzes liegen, bekommt einen Zuschuss aus Steuermitteln bis zu dieser Höhe. Bei den 6535 Personen, bei denen dies im vergangenen Jahr hierzulande notwendig war, handelte es sich um 2155 Frauen und 4380 Männer.

Gegen Altersarmut

„Das Instrument der Ausgleichszulage schützt Personen vor Altersarmut“, stellt Sozialminister Stöger in seiner Anfragebeantwortung fest: So gesehen könnte man meinen, dass mit der sinkenden Zahl der Bezieher auch die Armut zurückgeht. Staudinger ist diesbezüglich jedoch vorsichtig, zumal sich die gängige Definition dafür an allen Einkommen orientiert.

Demnach ist noch immer jeder Achte der über 65-Jährigen armutsgefährdet. Abgesehen davon wartet laut Staudinger schon ein neues Problem: „Reformen seit 2003 führen dazu, dass kommende Generationen geringere Pensionen bekommen.“

Immer mehr Menschen haben höhere Eigenpensionen.

Martin Staudinger
Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.