Ein Beruf mit vielen Seiten

Buchbinder Manfred Keckeisen (59) verleiht in Kennelbach verschiedensten Werken starken Halt.

Kennelbach. (VN-mef) Konzentriert begutachtet Manfred Keckeisen die losen Seiten auf dem Tisch. Neben ihm türmen sich Papier und Bücher zu hohen Stapeln. Im Raum verteilt stehen große Maschinen und andere Geräte. Einige davon sind schon mehrere Jahrzehnte alt. An manchen hat Keckeisen stundenlang herumgetüffelt, um sie flott zu kriegen.

Mit einem schnellen Handgriff platziert der 59-Jährige einen roten Einband vor sich auf der Werkbank, auf dessen Vorderseite in goldenen Lettern der Titel einer Bachelor-Arbeit prangt. Keckeisen legt die Seiten vorsichtig hinein. Dann bestreicht er das Innere des Einbands mit Heißleim und steckt das Werk in eine Presse.

Trotz Copy-Shops schätzen viele Studenten nach wie vor den Service des Buchbinders. Pro Jahr bindet er in der Werkstatt mehrere Hundert Arbeiten. Aus jahrelanger Erfahrung weiß der Chef, dass oft bis zum letzten Tag geschrieben wird und es dann plötzlich ganz schnell gehen muss. Deshalb bietet er auch einen Express-Dienst an. „Das kostet zwar mehr, aber trotzdem nehmen diesen Dienst immer mehr junge Leute in Anspruch“, erzählt der 59-Jährige.

Dritte Generation

Keckeisen führt die Buchbinderei in Kennelbach in dritter Generation. „Ich habe schon in jungen Jahren mit der Arbeit begonnen“, berichtet er. Die Lehre hat er bei seinem Vater absolviert und seither unzähligen Werken Halt verliehen. Darunter etwa Zeitschriften oder Sammelbände für Bibliotheken. Im Jahr 1992 hat er schließlich den Betrieb übernommen und mittlerweile selbst drei Lehrlinge ausgebildet.

Ursprünglich war die 1928 eröffnete Buchbinderei Keckeisen in Bregenz situiert. Erst in der Landstraße, später in der Stadtmitte. Manfred Keckeisen kann sich noch gut daran erinnern, dass es damals allein in der Landeshauptstadt sechs Buchbinder gab. „Inzwischen sind es landesweit nur noch zwei Betriebe“, sagt er und seufzt.

Seit neun Jahren arbeiten der Buchbinder und seine Mitarbeiter in der Werkstatt in Kennelbach. Über viele Jahre war das Binden von Fachzeitschriften das Hauptstandbein des 59-Jährigen. Doch diese Zeiten sind inzwischen vorbei. Es gehe wieder in Richtung kleinere Auflagen. Zwei Maschinen hat Keckeisen inzwischen gar nicht mehr in Betrieb.

Auf einem Tisch hat der Chef zahlreiche kleine Büchlein gestapelt. Auf dem Einband reihen sich gezeichnete Berggipfel aneinander. Darunter die Mohnenfluh, der Zitterklapfen oder Piz Buin. „Das sind Tourenbücher“, erklärt Keckeisen. Gezeichnet hat er die Umrisse der Vorarlberger Berge selbst.

Neue Strategie

Neben den Tourenbüchern finden sich Rezeptbücher oder auch schwarze, mit Faden geheftete Notizbücher. Die blaue Linie auf dem Einband lässt erahnen, dass es sich dabei um ein Juppendesign handelt. Auch Schmuckschatullen im Stil der Bregenzerwälder Tracht finden sich in der Werkstatt. „Die Tendenz geht in Richtung Handwerk mit regionalem Bezug“, sagt der Buchbinder.

Unlängst war er mit seinen Produkten erstmals auf einem Markt vertreten. „Es ist ganz gut gelaufen“, sagt der 59-Jährige und lächelt. Derzeit sind seine Touren- und Notizbücher ansonsten nur in der Buchbinder-Werkstatt in Kennelbach erhältlich. Doch der Chef hat bereits eine weitere Neuerung ins Auge gefasst: Eventuell wird es bald auch einen Shop im Internet geben, verrät er.

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Buchbinder Manfred Keckeisen setzt inzwischen auf Einzel- und Sonderarbeiten mit regionalem Bezug.

Die Tendenz geht in Richtung Handwerk mit regionalem Bezug.

Manfred Keckeisen

Buchbinderei

Die industrielle Revolution führte im 19. Jahrhundert zu einer Spaltung des Buchbindegewerbes. Zum einen gibt es Manufakturbetriebe und industrielle Serienfertigung. Zum anderen die handwerkliche Buchbinderei für Einzel- und Sonderanfertigungen und Kleinauflagen.  Fotos: VN/Philipp Steurer

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