Grass-Anrainer wehren sich weiter

Anrainer protestieren gegen positiven Bescheid zum Grass-Neubau in Hohenems.

Hohenems. (VN-mip) „Zusammengefasst wird festgestellt, dass die eingereichten Projektunterlagen dem Baugesetz entsprechen.“ Und: „Die Einwendungen der Nachbarn waren (…) abzuweisen und im Übrigen als unzulässig zurückzuweisen.“ Diese Worte am Ende des Baubescheids der Stadt Hohenems sind es, die bei den zukünftigen Nachbarn der neuen Grass-Niederlassung in Hohenems für Ärger sorgen. Ihre Einwände würden nicht gehört, Stellungnahmen blieben ohne Konsequenzen. Der Bescheid werde bekämpft. Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ) kann die Beschwerden nicht nachvollziehen. Als die Stadt das Projekt vorstellte, hätten sich die Anwohner nicht gemeldet.

Die Situation: Die Stadt Hohenems plant an der Autobahnausfahrt ein Betriebsgebiet. Die Entscheidung ist längst gefallen, die Widmungen sind durch, Pläne zur Straßenführung liegen bereits in der Schublade. Als ersten Betrieb, das sich ansiedeln möchte, konnten die Verantwortlichen das Höchster Unternehmen Grass, Teil der Würth-Gruppe, nach Hohenems lotsen. Ein Bürogebäude und ein Hochregallager sollen entstehen. Laut Egger entstehen dadurch bis zu 300 Arbeitsplätze.

Die Kritik: Für die zukünftigen Grass-Nachbarn Anita Symeonidis und Gilbert Storck ist das eine schlechte Nachricht. Sie haben über 200 Unterschriften gegen den Bau gesammelt.

Das Hochregal soll 35 Meter hoch werden, das Bürogebäude zehn Meter niedriger – nur 15 Meter von den Nachbarhäusern entfernt. Der Sachverständige der Landesregierung bezeichnet die Höhe als nicht tolerierbar und fordert stattdessen, mehr in die Breite zu gehen. Gilbert Storck ärgert sich: „Die Bedenken von Nachbarn als Laien kann man wegwischen. Aber die eines Experten des Landes? Dass bei so etwas ein Sachverständiger des Landes und die Umweltanwältin dabei sind, ist wohl nur Alibi.“ Der autogeplagten Hohenemser Stadteinfahrt prophezeit Storck den endgültigen Verkehrsinfarkt: „Alleine dieser Bau verursacht 4000 zusätzliche Autofahrten pro Woche.“ Gutachten zum Schall hätten zudem auf das Echo von der Lagerwand vergessen.

Die Antwort: „Ich bin über die Reaktion einiger Anrainer etwas verwundert“, sagt Dieter Egger. „Wir haben im September 2016 das Projekt den Anrainern vorgestellt und präsentiert. Auch die Höhe. Die Anrainer waren die Ersten, die von uns persönlich informiert wurden. Es gab keinerlei Bedenken.“ Die Nachbarrechte seien im Baugesetz geregelt und im Bescheid berücksichtigt. Bedenken des Sachverständigen zum Natur- und Landschaftsbild seien vor allem für das Verfahren der Bezirkshauptmannschaft (BH) relevant.

Die Zukunft: Aus der BH heißt es auf VN-Anfrage: „Derzeit ist die Sache noch nicht entscheidungsreif. Wir warten nach wie vor auf eine Rückmeldung der Grass GmbH.“ Die Anrainer werden zumindest einmal den Baubescheid der Stadt beeinspruchen. Des Weiteren fordern sie einen Bebauungsplan für den Bereich. Ein solcher existiert noch nicht.

Und die Stadt? „Wir haben das Ziel, dass in diesem Gebiet insgesamt rund 800 Arbeitsplätze entstehen. Beim Projekt Grass dürfte sich das positiver als erwartet entwickeln“, berichtet Egger. Hohenems sei schon mit weiteren Unternehmen im Gespräch.

Ich bin über die Reaktion einiger Anrainer etwas verwundert.

Bürgermeister Dieter Egger

IV-Chef fordert mehr Investitionssicherheit

Bregenz. Während Grass für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, meldete sich Martin Ohneberg, Chef der Industriellenvereinigung, zur Causa zu Wort. Er appelliert an die Landesregierung: „Es braucht endlich Entscheidungen, wo jetzt gebaut werden darf und wo nicht. Die Betriebe im Land brauchen Rechts- und Investitionssicherheit.“ Ein Hochregallager müsse nun einmal in die Höhe gebaut werden. Ohne Klarheit werde es viele Einzelfälle mit Nachbarn geben: „Und dann haben wir öffentliche Diskussionen, die wie die Ölz-Geschichte enden könnten.“

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