Mozart und Beethoven gegen ungebetene Gäste

von Josef Hagen
Aus den Lautsprechern am Dornbirner Bahnhof ertönt klassische Musik.  Foto: Hagen

Aus den Lautsprechern am Dornbirner Bahnhof ertönt klassische Musik. Foto: Hagen

Klassische Musik am Dornbirner Bahnhof soll unliebsame Klientel auf dem Gelände vertreiben.

Dornbirn. (ha) Aus den Lautsprechern am Bahnsteig des Dornbirner Bahnhofs ertönt klassische Musik, deutlich hörbar. Wer glaubt, die ÖBB wollen ihre Fahrgäste mit anspruchsvoller musikalischer Unterhaltung erfreuen, liegt nur teilweise richtig. Speziell geht es darum, mit Mozart, Beethoven & Co. einer gewissen Klientel den Aufenthalt auf und neben den Bahnsteigen zu vermiesen.

Security-Mitarbeiter oder auch Exekutivbeamte sind längst auf allen größeren Bahnhöfen im Einsatz, um Randale zu verhindern oder Personen, die Bahnhöfe als Aufenthaltsorte für ihre speziellen Bedürfnisse missbrauchen, mehr oder weniger nachdrücklich aufzufordern, das Feld zu räumen.

Seit einiger Zeit versuchen die ÖBB nun unliebsame Gäste auf sanftere Art loszuwerden: Vor allem zu Stoßzeiten erschallen aus den Lautsprechern zwischen den üblichen Ansagen Ouvertüren oder Sinfonien großer Meister. Unüberhörbar vor allem in den eher abgelegenen Bereichen, wo sich gerne gewisse Personengruppen zur feuchtfröhlichen täglichen Party einfinden. Selbst auf der Dornbirner Bahnhoftoilette läuft die Musik, was offenbar dazu führt, dass so manche kulturell weniger interessierten Benützer die Aufenthaltsdauer stark reduzieren.

Die Aktion der Bahn, die vorerst als Pilotprojekt in Dornbirn und Innsbruck läuft, bleibt auch jenen Menschen nicht verborgen, die am Bahnhof Geschäfte betreiben. „Manchen gefällt die Musik“, weiß Doris Kanzian, langjährige Pächterin des Dornbirner Bahnhofskiosks und Kennerin der Szene, „andere haben gar keine Freude damit.“

Nach ihren Beobachtungen ist es inzwischen rund um ihren Laden deutlich ruhiger geworden. Offenbar haben gewisse Bahnhofsgäste tatsächlich mit klassischen Melodien wenig am Hut und suchen lieber das Weite.

Rückzug findet statt

Das bestätigt auch ÖBB-Pressesprecherin Juliane Pamme: „Ja, die ungebetenen Gäste ziehen sich tatsächlich zurück. Studien beweisen, dass klassische Musik bei bestimmten Gruppen am Bahnhof nicht gut ankommt und sie sich daher nicht dauerhaft dort aufhalten.“

Das ist aber nicht der einzige Grund, Werke großer Komponisten zu Gehör zu bringen, wie aus der ÖBB-Chefetage zu erfahren ist: „Klassische Musik wirkt beruhigend und steigert somit das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste.“

Klassische Musik ertönt auch am Innsbrucker Hauptbahnhof. „In Innsbruck haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht. Nach Auswertung der Ergebnisse wird über die weitere Vorgehensweise entschieden“, schließt Pamme eine Ausdehnung auf andere Bahnhöfe nicht aus. Als Brennpunkt für Kriminalität sieht Dornbirns Bürgermeisterin Andrea Kaufmann den Bahnhof nicht: „Aktuelle Zahlen belegen, dass beim Bahnhof mit täglich rund 10.000 Fahrgästen der öffentlichen Verkehrsmittel und wahrscheinlich derselben Menge von Passanten kein besonderes Sicherheitsproblem besteht. Die Zahl der Straftaten ist sowohl absolut als auch in Relation zu der doch erheblichen Zahl der anwesenden Personen eher gering.“

Um die Szene im Griff zu behalten, setzt die Stadt auf laufende Kontrollen durch die Sicherheitskräfte und begleitende Sozialarbeit. Unterstützung gibt es von einem gemeinsamen Sicherheitsdienst von ÖBB und Stadt- und Landbus. Und seit Neuestem eben auch durch klassische Musik aus Dutzenden Lautsprechern.

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