VN-Interview. Rheinbauleiter Mathias Speckle (44) über den Grenzfluss und Hochwassersicherheit

„Rhein hat eine brisante Mischung“

von Klaus Hämmerle
Mathias Speckle ist seit einigen Monaten Rheinbauleiter und steht vor großen Herausforderungen. Foto: VN/Hartinger

Mathias Speckle ist seit einigen Monaten Rheinbauleiter und steht vor großen Herausforderungen. Foto: VN/Hartinger

Erst seit einem Jahr ist Speckle Rheinbauleiter. Jetzt möchte er planerische Akzente setzen.

Lustenau. Die Hochwasserschutztage auf beiden Seiten des Rheins bringen dieser Tage Fachleute und Bevölkerung an den mächtigen Grenzfluss. Die Wasserwehren zeigen dabei ihre Leistungskraft, die Experten diskutieren über künftige Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser. Rheinbauleiter Mathias Speckle nimmt zur aktuellen Situation und den ambitionierten Zukunftsplänen am Rhein Stellung.

Was bringen solche Veranstaltungen wie das Hochwasserforum und der trinationale Wasserwehrtag?

Speckle: Das Hochwasserforum dient der Information und dem Austausch unter Fachleuten und Entscheidungsträgern, während der Wasserwehrtag, der in Triesen, Widnau und Lustenau zeitgleich stattfindet, für die breite Bevölkerung gedacht ist. Dabei soll das Bewusstsein für Hochwasser gesteigert werden.

Wie sicher beziehungsweise unsicher ist der Rhein derzeit?

Speckle: Der Rhein ist in der internationalen Strecke für eine Ausbauwassermenge von 3100 m3/s ausgebaut. Mit Umsetzung der Sofortmaßnahmen wie dem Einbau einer Dichtwand sowie der Errichtung von Interventionspisten wird dieses Schutzziel laufend abgestützt, aber nicht erweitert. Dies ist erst mit der Umsetzung des Hochwasserschutzprojekts Rhesi möglich.

Wie sieht Ihre Bilanz nach gut einem Jahr als Rheinbauleiter aus?

Speckle: Ich musste mich natürlich erst einarbeiten, auch wenn ich aus meiner vorigen Tätigkeit bei Rhesi schon umfangreiche Vorkenntnisse über den Rhein mitgebracht hatte. Mein Fokus lag dabei vor allem beim Hochwassereinsatz und bei den Vorbereitungen für die heurige Hochwassersaison. Nun möchte ich vermehrt planerische Akzente setzen, einerseits in Zusammenhang mit Rhesi, andererseits auch für den laufenden Betrieb.

Was sind die dringlichsten Vorhaben der Rheinbauleitung in nächster Zeit?

Speckle: Die Zugänglichkeit zu den Dämmen für die Wartung und im Hochwasserfall über Interventionspisten muss abschnittsweise dringend verbessert werden. Hier wird vor allem Lustenau im Fokus sein. Dort ist dieses Ziel aufgrund der teilweise vorhandenen Bebauungen bis direkt an den Damm am schwierigsten zu erreichen.

Welche Erkenntnisse hat die Hochwassersituation 2016 gebracht?

Speckle: Wir konnten den Hochwassereinsatz optimieren. Für alle Beteiligten war es zudem eine Möglichkeit, unter Ernstfallbedingungen zu trainieren. Ein Fakt ist, dass sich Hochwässer am Rhein sehr kurzfristig entwickeln und sich trotz Prognosemodell nur schwer vorhersagen lassen. Die Zeitspannen für die Umsetzung von Maßnahmen jeder Art sind entsprechend kurz. Umso wichtiger ist es, dass die technischen Einsatzleitungen im Hochwasserfall gut eingespielt sind und dass die Kommunikation untereinander gut klappt

Welche Position nehmen Sie als Rheinbauleiter beim Hochwasserschutzprojekt Rhesi ein?

Speckle: Als Rheinbauleiter bin ich in diverse Arbeitsgruppen wie zum Beispiel Geotechnik oder Hydraulik miteinbezogen, weiters unterstütze ich den Projektleiter bei der Vertretung des Projekts nach außen und bei den fachlichen Abklärungen auf österreichischer Seite.

Lässt sich der Rhein und sein Gefahrenpotenzial mit einem anderen Fluss vergleichen?

Speckle: Nimmt man Vorarlberg als Horizont, so ist das Gefahrenpotenzial sicher in einer eigenen Liga. Einerseits aufgrund der wildbachartigen Abflusscharakteristik mit extrem kurzfristigen Hochwasserspitzen. Andererseits aufgrund der langen Dammstrecken. Im Falle von Ausuferungen findet das Wasser nicht mehr in das Gerinne zurück, sondern fließt durch den Siedlungsraum Richtung Bodensee ab. Das Schadenspotenzial im Rheintal ist gewaltig. Das ist schon eine brisante Mischung, die nach einer zeitgemäßen Lösung wie dem Projekt Rhesi verlangt.

Was ist das Schöne am Rhein?

Speckle: Aus heutiger Sicht sind der untere Teil des Fußacher Durchstichs sowie die ökologisch wertvollen Nischen entlang der Vorstreckung als Juwele hervorzuheben. Ich freue mich aber schon darauf, dass der Rhein mit der Umsetzung von Rhesi künftig nicht nur einen verbesserten Hochwasserschutz bekommt, sondern auch ökologisch davon profitiert. Das Potenzial ist vorhanden!

Am kommenden Samstag präsentieren sich von 11 bis 17 Uhr in Lustenau, Widnau und Triesen die Wasserwehren und Einsatzkräfte entlang des Alpenrheins der Bevölkerung. Es gibt ein buntes Programm. In Lustenau lädt zudem auch das Rheinbähnle zu Vergnügungsfahrten ein.

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