Wieder mehr Krankenstände

von Marlies Mohr
Ärztinnen und Ärzte, die Job-Sharing betreiben, berichten von guten Erfahrungen, die allen Beteiligten zum Wohl gereichen.  apa

Ärztinnen und Ärzte, die Job-Sharing betreiben, berichten von guten Erfahrungen, die allen Beteiligten zum Wohl gereichen.  apa

VGKK-Obmann Manfred Brunner sieht auch für die Zukunft einen Trend nach oben.

Dornbirn. Die Steigerung ist nicht eklatant, aber sie fällt auf. „Sie gibt einen Trend an, der wieder nach oben zeigt“, kommentiert der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner, die aktuelle Entwicklung der Krankenstandstage. Das vergangene Jahr weist 1.555.935 Krankenstandstage aus. Das sind um 164 mehr als 2015. Entsprechend gestiegen sind auch die Aufwendungen für das Krankengeld. 2016 wurden 27,6 Millionen Euro ausbezahlt. Im Jahr davor waren 26,7 Millionen Euro und 2014 lag der Betrag bei 25,5 Millionen Euro. Für Brunner bildet sich hier nicht nur die demografische Situation ab, sondern ebenso deutlich auch die alternde Arbeitswelt. So gehen etwa schon fast 76.000 Krankenstandstage auf das Konto der 60- bis 64-Jährigen. „Das Bemühen um altersgerechte Arbeitsplätze muss weiter verstärkt werden“, lautet deshalb eine Forderung des VGKK-Obmanns.

Hoffen auf Entlastung

Männer gehen nach wie vor häufiger in Krankenstand als Frauen. 2016 entfielen auf die Männer 900.230 Krankenstandstage, bei den Frauen weist die Statistik 655.705 Krankenstandstage aus. Die Krankenstandsdauer liegt zwischen vier und sieben Tagen (249.579), gefolgt von acht bis 14 Tagen (170.236). Aber auch die Langzeitkrankenstände haben enorme Ausmaße angenommen. Sie summierten sich auf fast 290.000 Krankenstandstage, wobei es um Zeiträume zwischen 183 und 550 Tagen geht. Bei diesen Daten fallen vor allem psychische Beschwerden ins Gewicht. Auf sie entfielen fast 170.000 Krankenstandstage. „Die Problematik ist seit Langem bekannt und hat auch gesellschaftliche Ursachen“, erklärt Manfred Brunner. Er hofft, dass der Teilkrankenstand, der ab Juli möglich ist, seine Wirkung tut und eine Entlastung für die Arbeitnehmer bringt. Allerdings hält er die von der Bundesregierung beschlossene Regelung für zu kompliziert, als dass sie die notwendige Breite erreichen könnte. „Zu wenig praktikabel“, lautet seine Einschätzung. Dabei wäre der Bedarf groß. Nach wie vor die meisten Krankenstandstage, nämlich fast 337.000, verursachen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und da in erster Linie die Rückenbeschwerden. Was diese betrifft, appelliert Manfred Brunner an die Eigenverantwortung. „Viele Rückenleiden entstehen durch Bewegungsmangel“, sagt er. Allerdings müssten die körperlichen Aktivitäten der jeweiligen Konstitution angepasst sein.

Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Das Gros der Krankenstandstage entfällt auf die Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen. Im vergangenen Jahr machten sie gesamt rund 630.000 aus. Bei den 25- bis 43-Jährigen waren es gut 285.000 Krankenstandstage, bei den 40- bis 44-Jährgen über 164.000. „Die Unternehmen haben früh erkannt, dass sie in Fachkräfte investieren müssen“, merkt der VGKK-Obmann an. Nun ist es seiner Ansicht nach dringend an der Zeit, sich zusätzlich um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu kümmern. Aus diesem Blickwinkel werde die Arbeitswelt noch zu wenig betrachtet, moniert Brunner. Er verweist in diesem Zusammenhang auf öffentliche Aktionen wie den „salvus“, der Unternehmen verliehen wird, die sich besonders um das gesundheitliche Wohl ihrer Beschäftigten sorgen, sowie den Gesundheitsförderungsfonds, aus dem Initiativen finanziert werden.

Auf die Berufe bezogen, liegt die Herstellung von Waren mit mehr als 525.000 Krankenstandstagen klar an der Spitze. Dahinter folgen der Handel (248.000), das Baugewerbe (142.500) sowie das Gesundheits- und Sozialwesen mit fast 133.000 Krankenstandstagen.

Viele Rückenleiden entstehen durch Bewegungsmangel.

Manfred Brunner

Gebietskrankenkasse mit einer schwarzen Null

Dornbirn. (VN-mm) Einen ausgeglichenen Abschluss kann die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) für das vergangene Jahr vorlegen. Eine endgültige Bilanz liegt zwar erst am 31. Mai vor. Dennoch ist es dem Sozialversicherungsträger gelungen, aus den anfangs prognostizierten roten Zahlen zumindest eine schwarze Null zu machen, und das trotz gestiegener Ausgaben. Damit setzt sich ein seit sieben Jahren anhaltender Trend fort. „Wir wollen aber nicht Sparkasse spielen, sondern unsere Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft sichern“, kommentiert VGKK-Obmann Manfred Brunner das Ergebnis.

Die Aufwendungen betrugen 2016 rund 597 Millionen Euro, was einer Erhöhung um 4,5 Prozent gegenüber 2015 entspricht. Die größten Posten waren Zahlungen für die Anstaltspflege in öffentlichen Spitälern (rd. 164,5 Millionen Euro). Die Zahlungen an niedergelassene Ärzte und für gleichgestellte Leistungen betrugen 153,4 Millionen Euro. Medikamente schlugen mit 112,5 Millionen Euro und Zahnbehandlungen sowie Zahnersätze mit 34,5 Millionen Euro zu Buche.

Defizit auf Sinkkurs

Alle Krankenkassen zusammen erzielten 2016 einen Überschuss von 113 Millionen Euro. Lediglich die Versicherungsanstalt der öffentlich Bediensteten rutschte mit 26 Millionen Euro ins Minus. Heuer soll das Plus aber nur noch vier Millionen Euro betragen und die VGKK fast sechs Prozent einbüßen. Dennoch gibt sich Brunner vorsichtig optimistisch, die schwarze Null halten zu können. Schon jetzt habe das Defizit von 6,7 auf 5,4 Millionen Euro gesenkt werden können. Eine ausgeglichene Bilanz ist für ihn deshalb auch heuer in Reichweite. Seine Zuversicht begründet er mit der guten Wirtschaftslage, den geringeren Steigerungen bei Medikamenten sowie der in Aussicht stehenden Begleichung von millionenschweren Auslandsrechnungen. „Ziel muss es weiterhin sein, ausgeglichen abzuschließen“, ist für Manfred Brunner die Direktive klar.

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