Vorarlberger sind Familienmenschen

von Johannes Huber
Seit 2014 wurden die jährlichen Investitionen in die Kinderbetreuung verdoppelt.   APA

Seit 2014 wurden die jährlichen Investitionen in die Kinderbetreuung verdoppelt.   APA

Traditionelle Formen des Zusammenlebens werden hierzulande gelebt wie in keinem anderen Bundesland.

Bregenz. (joh) Allmählich werden die statistischen Daten so zahlreich, dass sich der Obmann des Vorarlberger Familienverbandes, Andreas Prenn, getraut, festzustellen, dass es wieder einen Trend zum traditionellen Familientyp gibt, der aus einem Ehepaar und Kindern besteht: „Nachdem sich die 68er-Generation von dort wegentfernt hatte, geht es in unsicheren Zeiten wie unseren dorthin zurück. Das ist eine Sehnsucht nach Dingen, auf die man sich verlassen kann.“

Im Vergleich ganz vorne

Es gibt wirklich mehr Eheschließungen und Geburten und die erwähnte Verheiratetes-Paar-mit-Kindern-Familie ist beinahe die Regel. Ganz besonders in Vorarlberg, wie die Daten zeigen, die die Statistik Austria für das vergangene Jahr führt, und die man zur Abwechslung auch einmal aus der Sicht der Kinder lesen kann: 76,6 Prozent der Buben und Mädchen leben hierzulande in einer solchen Familie. Das ist der höchste Wert im bundesweiten Vergleich. Vom Boden- bis zum Neusiedlersee sind es insgesamt nur 71,1 Prozent. Bei gut einem Zehntel der Kinder bilden die (meist) Erziehungsberechtigten wiederum eine Lebensgemeinschaft.

Und dann gibt es da noch einen Wert, der vor allem gegenüber dem der Bundeshauptstadt ins Auge sticht: 14,3 Prozent der Vorarlberger Kinder befinden sich in einer Familie mit nur einem Elternteil, meist also einer alleinerziehenden Mutter (Männer sind in dieser Rolle nach wie vor die Ausnahme). Das entspricht ziemlich genau jedem siebten Buben bzw. jedem siebten Mädchen. Das sind viele, nämlich rund 16.500. Im Vergleich aber doch auch wieder relativ wenige: In Wien sind es sage und schreibe 25,6 Prozent. Das ist jedes vierte Kind.

Dass es im äußersten Westen etwas anders ist, hat laut Andreas Prenn möglicherweise mit den ländlichen Strukturen zu tun und damit, dass man hier eher klassischen Rollenbildern folgt. Jedenfalls aber passe es zu den Ergebnissen der Wertestudie, die die Pädagogische Hochschule Feldkirch erst vor wenigen Monaten veröffentlicht hat. Ein außerordentliches Anliegen war den über 2000 Befragten im Alter von 14 bis 16 Jahren demnach eine gute Beziehung zu den Menschen, die ihnen wichtig sind, und ein Berufsleben, bei dem Familie und Kinder nicht zu kurz kommen.

Michael Thaler, der Leiter der Familienberatung beim Institut für Sozialdienste (IfS), interpretiert die Zahlen vorsichtiger: Zwar komme in der Statistik eine alemannische Werthaltung zum Ausdruck, derzufolge Mann und Frau heiraten, ein Haus bauen und eine Familie gründen, aber eine Renaissance orte er im Rahmen seiner Arbeit nicht. Im Gegenteil: „Wir erleben auch das Umgekehrte, nämlich dass die Anzahl von Scheidungsbegleitungen und stark konflikthaften Familiensituationen zunimmt“, bekräftigt Thaler. 

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.