In Pflegeheimen droht ein Personalnotstand

von Marlies Mohr
In Vorarlberg mangelt es an Pflegeheimplätzen und Personal. dpa

In Vorarlberg mangelt es an Pflegeheimplätzen und Personal. dpa

Aktueller Erhebung zufolge werden in den kommenden Jahren fast 1200 Fachkräfte benötigt.

Dornbirn. (VN-mm) Die Überraschung hielt sich in Grenzen. Die Heim- und Pflegeleitungen wissen schon lange um die drohende Personalmisere. Eine aktuelle Umfrage zum Bedarf an Fachkräften in der stationären Altenpflege dokumentiert sie nun auch noch schwarz auf weiß: Bis 2025 benötigen die 50 Pflegeheime im Land rund 1200 Mitarbeiter. Denn in fünf bis zehn Jahren überrollt eine Pensionierungswelle die Langzeitpflege. Schon heute sind im gehobenen Dienst 53 Stellen unbesetzt.

Viele Leasingkräfte

Um den Betrieb am Laufen zu halten, greifen bereits 20 Heime auf Leasingkräfte zurück. Sie erbringen jährlich fast 30.000 Arbeitsstunden. „Das darf aber nicht die Zukunft sein“, kommentierte der Obmann der Heim- und Pflegeleitungen, Daniel Siegl, das Ergebnis der von Prof. Frederic Fredersdorf (FH Vorarlberg) durchgeführten Erhebung. Er sieht bei der Ausbildung von Pflegefachkräften in erster Linie das Land in der Pflicht. Eine Kollegin monierte in diesem Zusammenhang die starke Anbindung der Krankenpflegeschulen an die Landeskrankenhäuser. Diese würden einen Großteil der Absolventen schon frühzeitig absaugen.

Mehrleistungen im Team

Derzeit sind in der Langzeitpflege 1839 Personen beschäftigt, die meisten von ihnen in der Pflegeassistenz bzw. Pflegehilfe (771). 400 diplomierte Pflegefachkräfte stehen zur Verfügung. Fast 77 Prozent werden im Land ausgebildet. Doch selbst alle zusammengerechnet reicht es hinten und vorne nicht. Laut Umfrage wird der Mangel an Personal durch Mehrleistungen im Team und eben durch Leasingkräfte kompensiert. Alles in allem kommt Fredersdorf in seiner Analyse zum Schluss, dass ab 2018 pro Jahr rund 180 Fachkräfte zusätzlich notwendig sein werden, um die Qualität der Pflege in den Heimen zu gewährleisten. Für das Jahr 2021 liegt der prognostizierte Bedarf sogar bei über 190 benötigten Mitarbeitern. Einhelliger Tenor der Heim- und Pflegeleiter: „Ein Mindesterfordernis, mehr nicht.“

Die Rekrutierungsmöglichkeiten sind indes beschränkt, zumindest was deren Erfolgsaussichten betrifft. Am ehesten funktionieren offenbar die „Implacementstiftung“ der connexia, persönliche Netzwerke sowie Stelleninserate auf Onlineplattformen. Weniger gute Beurteilungen erhalten Kooperationen mit dem AMS, Stelleninserate in Printmedien und die Ausbildung via Bürodienstleistungslehre hin zur Pflegehilfe. Die jährlich rund 300 Absolventen der Gesundheits- und Krankenpflegeschulen schluckt zudem überwiegend die Akutpflege. Kritisiert wurde unter anderem der hohe Aufwand mit den Praktika, denen letztlich kein personeller Erfolg entspringe.

Auch die zuletzt geführten Debatten um die Pflegequalität wirken nach. Vorarlberg sei dabei zwar gut weggekommen, dennoch sieht es Daniel Siegl für angebracht, die Strukturen in den Heimen zu hinterfragen. Und: „Wir müssen als Arbeitgeber attraktiver werden.“ In erster Linie sieht Siegl jedoch die Politik gefordert. Die lässt bekanntlich ebenfalls eine Personalbedarfserhebung für den Pflegebereich durchführen. Bei der Präsentation der Umfrage gestern Dienstag an der FH Vorarlberg glänzten die Verantwortlichen allerdings durch Abwesenheit.

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