Vorarlberger, über die man spricht. Johannes Reiter (26)

Zu Hause in Riohacha

Johannes Reiter und Katiuska Rueda Solano.  Foto: Reiter

Johannes Reiter und Katiuska Rueda Solano. Foto: Reiter

Beruf und Liebe – für den Vorarlberger Johannes Reiter liegt beides in Kolumbien.

riohacha. (VN-hoj) „Die Welt ist zu groß und zu schön, um das ganze Leben an nur einem Ort zu verbringen.“ Ein Satz, der gut als Motto taugt – um ihn wirklich zu leben, braucht es Mut und Tatendrang. Der gebürtige Lustenauer Johannes Reiter verfügt über beides. In der kolumbianischen Stadt Riohacha hat er 2016 mit seiner Freundin Katiuska ein Hostel eröffnet, eine Unterkunft für Rucksacktouristen. „Katis Studium lieferte die theoretische Grundlage“, erzählt Reiter. Die Kolumbianerin hatte Hotelmanagement in Spanien und England studiert; in Bournemouth hatten sich die beiden 2011 während eines Sprachschulaufenthalts kennengelernt.

Anstrengender Start

Katiuskas Eltern hatten im Zentrum von Riohacha ein Haus mit Büroräumen vermietet. Von der Idee, das Gebäude ins Bona Vida Hostel umzuwandeln, waren sie begeistert. Trotzdem war die Startphase anstrengend. „Von morgens um sechs bis abends um zwölf standen wir an der Rezeption, machten Frühstück, putzten, wechselten Bettwäsche. Daneben bauten wir einen Raum aus und betrieben Marketing“, erinnert sich Reiter. In den drei Monaten zuvor hatten sie Dekoration und den Großteil der Möbel für das Hostel angefertigt.

Inzwischen hat das Paar drei Angestellte und wird von Volunteers unterstützt. Dabei handelt es sich um Reisende, die für Kost und Logis einige Wochen mitarbeiten. Aber auch mit Helfern warten jeden Tag verschiedenste Aufgaben auf den 26-Jährigen: Da werden Stühle hergestellt, Gäste betreut und „man findet mich immer noch mehrmals täglich mit einem Wischmopp in der Hand“. Es ist diese Vielfalt, die ihm liegt. Doch er brauchte Zeit, um das zu merken. 2009 maturierte Reiter am BG Lustenau, nach einem Wirtschaftsstudium an der FH Kufstein folgten Praktika in England, Kolumbien, Spanien und Deutschland. 2015, nach einem Bewerbungsgespräch bei Audi, kam er schließlich zu einer Erkenntnis: „Mir wurde klar, dass ich etwas Breitgefächertes suchte. Meine Praktika hatten mich nie ganz überzeugt. Ich dachte, ich wüsste nicht, was ich will. Was ich brauchte, war einfach Abwechslung.“

Die kam mit der Entscheidung, das Hostel zu eröffnen. Für Kolumbien sprach nicht nur Katiuskas Herkunft. Reiter hatte das Land schon während eines Auslandsstudienjahrs kennengelernt. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse.“ Vor allem das Image Kolumbiens sei überholt – mittlerweile sei es „lange nicht mehr so gefährlich, wie man in Österreich denkt“.

Sehnsuchtsmomente

Heimweh komme manchmal auf, gibt Reiter zu: nach den Bergen und den unterschiedlichen Jahreszeiten etwa. Und natürlich nach Freunden und Familie. Johannes Reiters Eltern Hans und Ilse haben ihn von Beginn an unterstützt, auch wenn es ihnen „wohl lieber gewesen wäre, ich hätte einen Beruf in Vorarlberg ergriffen“. Immerhin wohnt ihre Tochter Miriam (30) schon seit sechseinhalb Jahren in Panama, wo sie im Importgeschäft tätig ist. Nur Reiters Bruder Immanuel (28), ein Steuerungstechniker bei Blum, ist noch in der Nähe.

Momentan könnte sich Reiter nicht vorstellen, eine neue Aufgabe zu suchen. Das Hostel läuft gut, in Zukunft kommt vielleicht noch ein kleines Café dazu. Sein ganzes Leben will er trotzdem nicht in Kolumbien verbringen, den Lebensabend stellt er sich eher in Österreich vor. Klar ist aber: „Davor möchte ich noch eine Zeitlang in Südostasien und den USA leben.“

Zur Person

Johannes Reiter

ist nach Kolumbien ausgewandert, um das Bona Vida Hostel zu eröffnen.

Geboren: 29. 9. 1990 in Lustenau

Wohnort: Riohacha

Ausbildung: Wirtschaftsstudium an der FH Kufstein

Hobbys: Reisen, Fotografie, Sprachen

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