Vorarlberger, über die man spricht. Annette Nigsch (37)

Allein und im Orchester

von Klaus Hämmerle
Dr. Annette Nigsch soll dazu beitragen, das Schreckgespenst Rinder- und Wild-TBC zu verscheuchen.
Dr. Annette Nigsch soll dazu beitragen, das Schreckgespenst Rinder- und Wild-TBC zu verscheuchen.

Vom Bauernmädchen zur hochangesehenen Veterinärin: die Geschichte der Annette Nigsch.

Dornbirn. (VN-hk) Sie komme von dort, wo sich Himmel und Erde berühren, sagt Annette Nigsch und lächelt dezent. Der Ort, der sich wie das Paradies ausnimmt, heißt St. Gerold. Die kleine Gemeinde im Großen Walsertal hat allen Grund, auf ihre Tochter stolz zu sein. Nigsch ist heute eine anerkannte Tierseuchenexpertin und bewegt sich als solche kompetent quer durch den Kontinent. In der TBC-Bekämpfung im Land spielt sie eine Schlüsselrolle. Sie soll mit ihrem wissenschaftlichen Zugang zum Problem dazu beitragen, den Albtraum Rinder- und Wild-TBC zu beenden.

Musikalisches Talent

Annette Nigsch wollte eigentlich nicht hoch hinaus, nicht als sie ein kleines Mädchen war. „Ich wollte Bäuerin werden“, spricht aus ihren Worten noch heute Respekt und Bewunderung für jene Profession, die sie in ihrer Jugend umgab. Auf dem elterlichen Hof aufgewachsen, entwickelte sie früh eine enge Beziehung zu Natur und Tieren, eine Beziehung, die nie verloren ging. 

Die Großwalsertalerin hatte aber weit mehr drauf. Sie ging ins Musikgymnasium in Feldkirch. Sie spielte wunderbar Bratsche und studierte dieses Instrument nach der Matura in Wien. Gleichzeitig begann Annette Nigsch das Studium der Veterinärmedizin. Ihr Dissertationsthema: „Was wäre die Folge einer großen Tierseuche?“ Nigsch kam zurück nach Vorarberg, arbeitete beim Land in der Veterinärabteilung, ehe sie die Chance für eine internationale Ausbildung erhielt und diese ergriff. Sie arbeitete in Brüssel, drei Jahre in London, kam in die Schweiz. Heute ist sie stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Früherkennung im Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Wo immer sie ist, ist auch ihre Bratsche. „Die Musik ist für mich die perfekte Entspannung zur Alltagsarbeit“, sagt die Großwalsertalerin und deutet die Streichbewegung an. „An jedem Ort, an dem ich arbeite, suche ich ein Orchester, bei dem ich spielen kann. Das tut mir gut und gibt mir auch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit.“

Die Gelassene

Das öffentliche Gesundheitswesen, die Beziehung von Mensch, Tier und Umwelt hat Annette Nigsch schon längst als ihre Welt entdeckt. „Ich habe diese Interessen nach dem Studium schon bald entwickelt und wollte daher auch nicht Tierärztin werden.“

Und Bäuerin? „Das bin ich auch noch“, schmunzelt die Großwalsertalerin. Sie ist offizielle Mitbesitzerin der väterlichen Landwirtschaft im heimatlichen St. Gerold. „Und wenn es Zeit zum Heuen wird, dann ruft mich die Mama rechtzeitig an. Ich versuche dann immer, mich für jene Tage freizuspielen, wenn man die Heuernte einbringen muss. Wenn es irgendwie geht, fahre ich nach Hause und helfe mit.“

Musik, heimatlicher Bauernhof, Job: Die Welten, in denen sich Annette Nigsch bewegt, machen sie zufrieden. Ruhe und Gelassenheit sind für sie gerade in der jetzigen Situation wichtig. Von den überschwappenden Emotionen in der TBC-Sache lässt sie sich nicht von ihrem Kurs abbringen. „Ich denke, ich verfüge über eine gewisse Gelassenheit, ja. Mein Motto ist: Mache lieber einmal einen Schritt zurück und betrachte ein Problem von außen. Mit dieser Strategie bin ich bisher gut gefahren.“

Wenn es ihr einmal zu viel wird, hat sie ja stets ihre Bratsche bei sich. Musik mag sie in jedwelcher Form. „Hauptsache, sie ist gut. Dann kann es jede Stilrichtung sein“, erzählt sie. Bei Qualität kennt Annette Nigsch sich schließlich aus.

Musik bedeutet für mich die perfekte Entspannung.

Annette Nigsch

Zur Person

Dr. Annette Nigsch

Geboren: 19. Jänner 1979

Beruf: Veterinärmedizinerin

Wohnort: Bern, stammt aus
St. Gerold

Familienstand: ledig

Hobbys: Musik, Berge

Lieblingsspeise: Käsebrot

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