Kommentar

Jürgen Weiss

200 Jahre Österreich

Dass Salzburg derzeit den Vorsitz in der Landeshauptmännerkonferenz führt, ist ein Zufall des Alphabets und keine Würdigung dafür, dass es heuer 200 Jahre Zugehörigkeit zu Österreich feiert. Damals war Vorarlberg schon lange österreichisch, wenngleich die umfassende Zugehörigkeit erst 1830 mit dem Verzicht des Hohenemser Grafen auf die niedere Gerichtsbarkeit in Hohenems und Lustenau an Österreich abgeschlossen wurde. Das Land Salzburg war seit 1328 als Fürsterzbistum ein weitgehend selbstständiger Staat innerhalb des Hl. Römischen Reiches deutscher Nation, mit einem Erzbischof als Staatsoberhaupt. Gold- und Salzvorkommen sorgten, jedenfalls bei der Oberschicht, für einen erheblichen Wohlstand, der vor allem im Stadtbild von Salzburg noch deutlich sichtbar ist. Das Gesicht der Innenstadt prägten damals übrigens zwei Vorarlberger, die Fürsterzbischöfe Wolf Dietrich von Raitenau aus Lochau und sein Neffe Markus Sittikus aus Hohenems.

1803 wurden in Salzburg wie in vielen anderen kirchlichen Fürstentümern Kirche und Staat getrennt, und das Land fiel an die Toskana-Linie der Habsburger. Das dauerte aber nicht lange, bald wurde Salzburg zu Bayern geschlagen und kam erst am 1. Mai 1816 nach dem Wiener Kongress zu Österreich, allerdings um die Hälfte verkleinert. Der wohlhabende Rupertiwinkel mit Berchtesgaden blieb bei Bayern, das Zillertal kam zu Tirol. Auch in Vorarlberg behielten die Bayern damals den nördlichen Landesteil mit dem Gericht Weiler im Allgäu, um sich einen Zugang zum Bodensee zu sichern. Die Zugehörigkeit zu Österreich dürften sich die Salzburger damals wohl anders vorgestellt haben. Sie wurden als fünftes Viertel Oberösterreich zugeschlagen und bekämpften diese Degradierung vehement. 1861 bekamen sie dann einen eigenen Landtag und eine eigene kaiserliche Statthalterei. Während ein Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz nach der wirkungslosen Volksabstimmung von 1919 bereits Geschichte war, wurde an der Salzach noch 1921 in einer Volksabstimmung mit
99 Prozent ein Anschluss an Deutschland gefordert.

Salzburg ist aber nicht das jüngste der neun Bundesländer. In der Bundesverfassung von 1920 sind lediglich sieben Länder angeführt, Wien und das Burgenland fehlen. Niederösterreich und Wien wurden erst 1922 getrennt und eigene Bundesländer. Das zu Ungarn gehörende Burgenland wurde 1919 im Friedensvertrag von St. Germain zwar Österreich zugesprochen, konnte wegen des Widerstands ungarischer Freischärler erst 1921 übernommen werden. Die in Aussicht genommene Landeshauptstadt Ödenburg/Sopron blieb allerdings nach einer zweifelhaften Volksabstimmung bei Ungarn, sodass sich die Burgenländer auf die Suche nach einer neuen Landeshauptstadt machen mussten.

juergen.weiss@vorarlbergernachrichten.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.

Das Gesicht der Salzburger Innen­stadt prägten zwei Vorarlberger.

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