Streiflicht

Thomas Matt

Bescheidene Wünsche

Die schönsten Augenblicke ereignen sich unverhofft. Und die Zahl der Schreiberlinge, die sich an diesem kleinen, vollkommenen Glück abgearbeitet haben, ist Legion. Man wird ihm nicht gerecht. Je mehr Wortungetüme sich darüberlegen, desto undeutlicher und kleiner wird der Moment, an dem die Welt den Atem anhielt.

 

Zu hoch gegriffen? Es war ja nur einmal still im Garten sitzen oder mit dem Motorrad übers Land und plötzlich den Duft von frisch gemähtem Gras in der Nase, nichts weiter. Und doch … Diese kleinen Augenblicke vollständigen Glücks sind das wahre Regulativ des Alltags. Sie sind bei keinem Ausverkauf zu haben. Sie lassen sich nicht planen. Und herbeischwindeln schon gar nicht. Sie geschehen einfach. Als wären sie geschenkt.

 

Deshalb mischt sich in all die frühlingshafte Erwartung der Gedanke ans nahende Pfingstfest. Da soll ja der Heilige Geist die Menschen erleuchtet haben. Und tut es noch, sagen die Bischöfe. Weil wir nicht unbescheiden wünschen wollen, reduzieren wir heuer kurzerhand sein Einsatzgebiet, und das geht so: Bitte lass das mit dem politischen Bewusstsein und dem Zurechtrücken der mitmenschlichen Seelenecke. Vergebene Liebesmüh’. Aber ein paar kleine Glücksmomente mehr wären in den nächsten Jahren hilfreich, damit das andere leichter zu ertragen ist.

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