Ein blinder Alleskönner

von Klaus Hämmerle
Bruno Kühne hat sein Schuhgeschäft im Griff – auch wenn er blind ist.
Bruno Kühne hat sein Schuhgeschäft im Griff – auch wenn er blind ist.

Fürs Beraten und Verkaufen braucht Bruno Kühne kein Augenlicht – aber ein Spezialgerät.

Feldkirch. Auf der Suche nach dem kleinen Schuhgeschäft in der Feldkircher Gymnasiumsgasse kann man in der Eile schon einmal vorbeilaufen. Doch einmal drinnen, befindet man sich dort in einer eigenen Welt. Das hat zum einen mit dem Angebot zu tun. Die feilgebotenen „Barfußschuhe“ sind eine eigene Kategorie von Fußbekleidung – so viel Schuh’ wie nötig, so viel barfuß wie möglich, heißt der Slogan.

Das Außergewöhnliche des Schuhgeschäfts ist aber vor allem dessen Inhaber: Bruno Kühne, 49 Jahre alt. Kühne ist blind. „Hab‘ ich überhaupt nicht gewusst“, staunt der junge Kunde, für den Kühne soeben die Feinheiten seiner Ware erklärt hat und zwischenzeitlich im Lager verschwunden ist.

Teure Anschaffung

Dort streifen seine Finger über die mit Blindenschrift gekennzeichneten Regale, mittels Barcode-Scanner holt sich Kühne die Detailinformationen der Schuhe, führt diese dem Computer zu, der das Sprechprogramm aktiviert und dem blinden Mann alles klar und deutlich vorspricht. Auch an der Kassa im Verkaufsraum geht alles via Spezialgerät blitzschnell. Kühne weiß sofort über Produkt und Preise Bescheid.  Leider ist eines der zwei für ihn lebenswichtigen Geräte kaputt gegangen. Jetzt braucht er ein neues. Dieses kostet rund 15.000 Euro. Die öffentliche Hand zahlt ihm nur einen Teil, den Rest muss Kühne selber finanzieren. „Ma hilft“ wird ihn unterstützen.

„Bei einem wie Bruno Kühne macht es besondere Freude, helfen zu können. Er braucht dieses Gerät, wir werden einen Teil davon finanzieren“, sagt Marlies Müller, Patin von „Ma hilft“.

Bruno Kühne, der als EDV-Spezialist anderen blinden Mitbürgern im Land hilft und auch noch teilzeit beim Zoll arbeitet, ist von Geburt an ohne Augenlicht. Er hatte es nicht leicht. Nach glücklichen ersten Jahren, in denen vor allem sein Vater alles für ihn tat, musste er als Sechsjähriger nach Wien in die Schule. „Das war eine harte Zeit. Aber eines Tages setzte ich mich hin und sagte mir: Entweder du ergehst in Selbstmitleid oder du stellst dich mutig deinem Schicksal.“

Bruno Kühne entschied sich für Letzteres. Im Schuhgeschäft unterstützen ihn seine Frau und Verkäuferin Tina. Doch auch wenn er einmal ganz alleine ist, kommt er zurecht.

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