Im Wald soll die Lebensfreude wieder wachsen wie ein Bäumchen

von Marlies Mohr
Kinder trauern anders als Erwachsene. Ihren besonderen Ansprüchen wollen die Trauertreffs gerecht werden.
Kinder trauern anders als Erwachsene. Ihren besonderen Ansprüchen wollen die Trauertreffs gerecht werden.

Trauertreff für Kinder in Bregenz in Kooperation­ mit der Waldschule Bodensee.

Bregenz. (VN-mm) „Wenn es mir nicht gut geht, dann gehe ich in die Natur hinaus.“ Wie oft hat Annelies Bleil diesen Satz schon von Erwachsenen gehört. Aber auch das Zitat von Paul Claudel, der für sich empfand: „Wenn man in einen Wald eintritt, so ist es, als trete man in das Innere einer Seele“, berührte sie tief. „Warum also nicht die heilende Kraft des Waldes und der Natur für die Trauerarbeit mit Kindern nutzen?“, fragte sich die Leiterin der Kinderhospiz (HOKI) und setzte den Gedanken in die Tat um. Am Freitag startet in Bregenz ein Trauertreff für Kinder im Grundschulalter. Partner dabei ist die Waldschule Bodensee. Damit auch zwischen Wald und Kindern eine Freundschaft entsteht, darf sich jedes Kind zu Beginn einen Baum aussuchen. „Dieser Baum gehört dem Kind, so lange es den Trauertreff besucht“, erklärt Bleil, die auch weiß, wie wichtig Rituale bei der Verarbeitung von belastenden Situationen sind.

Zeit und Räume

Vor einem Jahr wurde in Frastanz der erste Trauertreff für Kinder gegründet. Die Erfahrungen damit sind laut Annelies Bleil äußerst positiv. Zwei Stunden dauert das Zusammensein. „Die meisten Kinder würden am liebsten länger bleiben“, erzählt die HOKI-Leiterin, was sie als gutes Zeichen wertet, dass sich die Mädchen und Buben wohlfühlen. Doch Kinder drücken ihre Gefühle nicht unbedingt in Worten aus, sondern oft lieber im Spielen, Toben und Malen. Dafür brauchen sie Zeit und Räume. Beides gewährt ihnen der Trauertreff. Bleil: „Es geht darum, den Kindern einfache Instrumente zur Selbsthilfe an die Hand zu geben.“ Dazu soll auch die Natur verstärkt als Partner beitragen. „Die Natur ist etwas ganz Spezielles, weil sie kreative und körperliche Ausdrucksweisen ermöglicht“, gibt sich Annelies Bleil von diesem Konzept überzeugt. Im Wald soll die Lebensfreude wieder wachsen wie ein Bäumchen.

Vorgespräch empfohlen

Am Trauertreff können Kinder teilnehmen, in deren Familie es aktuell einen Trauerfall gegeben hat, wo ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder ein Großelternteil gestorben ist, aber auch Kinder, bei denen ein solches Ereignis schon länger zurückliegt. „Wesentlich ist das, was sich beim Kind jetzt abspielt“, erklärt Bleil. Denn häufig würden Fragen zum Tod und zum Sterben bei Kindern viel später auftauchen.

Beim ersten Mal ist auch eine Begleitung durch die Eltern möglich, danach nicht mehr. „Kinder agieren viel freier, wenn sie sich nicht von Angehörigen beobachtet wissen“, erklärt Annelies Bleil den schlichten Grund. Allerdings wird ein kurzes Vorgespräch empfohlen. Die Treffen selbst werden von erfahrenen HOKI-Mitarbeitern geführt. Der Start des Trauertreffs in Bregenz ist gesichert. Annelies Bleil weiß: „Er wird wachsen müssen.“ Ebenso wie ein Bäumchen im Wald.

Kinder trauern anders als Erwachsene. Ihren besonderen Ansprüchen wollen die Trauertreffs gerecht werden.
Kinder trauern anders als Erwachsene. Ihren besonderen Ansprüchen wollen die Trauertreffs gerecht werden.

Die Kinder agieren viel freier, wenn sie sich nicht von Angehörigen beobachtet wissen.

Annelies Bleil

Trauertreff für Kinder

» Start: Freitag, 12. Februar, 16 bis 18 Uhr, Waldschule Bodensee in Bregenz

» Weitere Termine: 4. März, 1. April, 6. Mai, 3. Juni, 8. Juli, 7. Oktober, 4. November und 2. Dezember

» Infos und Anmeldungen: HOKI – Hospizbegleitung für Kinder, Tel: 05522/200-3020 oder 0664/8240020, E-Mail: hospiz.kinder@caritas.at und www.hospiz-vorarlberg.at

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