Ein Ringen um Kompetenzen

von Klaus Hämmerle

Ungewissheit über Sekundarlehrer-Ausbildung. Was bleibt in Vorarlberg, was nicht?

Feldkirch. Der neue Rektor der Pädagogischen Hochschule, Gernot Brauchle (49), ist noch kaum im Amt, schon stellt sich für ihn die Frage: Wird er zum kompetenzlosen Filialleiter in Sachen Entwicklung der (ehemaligen?) Vorarlberger Lehrerschmiede, oder hat er vielleicht doch etwas zu sagen. Hintergrund: In Pädagogenkreisen geht die Angst um, dass die Sekundarlehrerausbildung zur Gänze nach Innsbruck an die dortige Universität wandert. Was bedeuten würde: Vorarlberger Lehramtsstudenten, die Sekundarstufenlehrer werden wollen, könnten ihre Ausbildung nicht mehr in Vorarlberg machen. Sie müssten dafür über den Arlberg. Nur noch in der Volksschullehrerausbildung würde die PH Vorarlberg als Ausbildungsstätte eine Art Alleinstellungsmerkmal behalten.

Fakt ist: Wer im kommenden Studienjahr 2015/2016 bereits nach dem neuen Ausbildungsmuster sein Lehramtsstudium als Sekundarstufenpädagoge machen will, kann das ganz sicher nicht in Feldkirch. Das Studium muss in Innsbruck begonnen werden.

Ob die traditionelle Ausbildung im kommenden Studienjahr noch in Feldkirch begonnen werden kann, „steht in den Sternen“, sagt Peter Fischer (61), Mitglied der Studienkommission und Lehrender für Deutsch und Medienkunde an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg. Es stellt sich überhaupt die Frage: Was wird künftig noch in Feldkirch angeboten und was nicht mehr? Auch in der Ausbildung der Grundschullehrer sind laut Fischer bestimmte Ausbildungsbereiche in Vorarlberg nicht gesichert. „Wo die Musikausbildung stattfindet, ist noch alles andere als klar.“

Noch keine Strategie

Neo-Rektor Brauchle konnte sich in seiner kurzen Amtszeit noch keine Strategie für den Weg der Zukunft an der Vorarlberger Lehrerausbildungsstätte zurechtlegen. Er verweist auf Gespräche mit den Entscheidungsträgern des sogenannten „Entwicklungsverbund West“, zu dem neben der Universität Innsbruck auch die PH Tirol, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Edith Stein und die PH Vorarlberg gehören. Dieses Gespräch findet am 7. Jänner im neuen Jahr statt. Ein eingehendes fachliches Interview mit den VN über die anstehenden Herausforderungen lehnte Brauchle am Montag ab.

Für Verunsicherung an der PH Vorarlberg sorgte ein Schreiben von Tilman Märk, Rektor der Universität Innsbruck, an die Rektoren
des Entwicklungsverbundes West. Darin lässt er die Zukunft der Zusammenarbeit offen. Sogar der scheidende Rektor Ivo Brunner (63) habe darob laut Information von Vizerektorin Ruth Allgäuer „sein Befremden“ ausgedrückt und weitere Gespräche in Richtung Zusammenarbeit angeregt.

Viel Skepsis

Für Peter Fischer stellt sich die Situation sehr ernst dar. „Es gibt mehrere Interessenten für ein Studium an der PH Vorarlberg, die in Zweifel darüber sind, ob sie tatsächlich ein Lehramtsstudium angehen sollen. „Sie müssen ja eines wissen: Das Studium dauert länger als jenes nach der alten Studienordnung. Und es kommt teurer, wenn man nicht zu Hause bleiben kann.“ In diesem Zusammenhang verweist Fischer auf die sich zuspitzende Situation am heimischen Lehrermarkt. „Der Lehrermangel wird zunehmen. Auch muss man damit rechnen, dass viele Studenten, die nach Innsbruck oder sonstwo zum Studium ziehen, nicht mehr nach Hause zurückkehren.“

Für Fischer wird wahr, was er schon immer befürchtete: „Die Uni Innsbruck gibt ab jetzt den Takt vor.“

Es stellt sich die Frage: Was wird künftig in Feldkirch angeboten?

Peter Fischer
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