Gastkommentar

Marianne Mathis

Vorarlberg im Reise-Chaos

Wenn einer eine Reise aus Vorarlberg hinaus oder ins Land herein tut, dann erlebt er seine blauen Wunder. Sei es auf Straße, Schiene oder über den Wolken. Permanente Baustellen nerven, so etwa auf der Bahn zwischen Bludenz und Innsbruck oder Wien. Die Zulaufstrecke auf Vorarlberger Seite muss ständig erhalten werden, Ersatzverkehre mit Bussen kosten Zeit.

Susanne Z. muss einmal wöchentlich, wie Hunderte ebenfalls Betroffene, zur ambulanten Behandlung in die Uniklinik Innsbruck. Die Bahnfahrt war zuletzt eine Tortur. Die in der Tiroler Landeshauptstadt Studierenden aus dem Ländle haben zusätzlich das Verbundkarten-Problem, die VN berichteten.

Blick zurück in großem Unmut: Der heute 81-jährige Kommerzialrat Winfried Waibel aus Hohen­ems war mehr als zehn Jahre lang der einzige Vorarlberger, der in Wien bei Planungsprozessen des Schienenausbaus in der Alpenrepublik und in Europa aktiv mitarbeitete. An der Seite des früheren LH Dr. Herbert Sausgruber sei lange der zweigleisige Ausbau der Arlbergbahnstrecke inklusive Tunnel festgeschrieben gewesen – bis das Projekt 2004 nachträglich gestrichen wurde. Der Tunnel selbst ist für die „Rollende Landstraße“ mit enormen Kosten tiefer gelegt, aber nie wirklich angenommen worden. „Stimmt nur teilweise“, sagt ÖBB-Sprecher René Zumtobel. Mit dieser Maßnahme sei nur die Sicherheit verbessert worden. Und ein Drittel der Bahnstrecke inklusive Tunnel sei ohnehin schon zweigleisig. Wien-Reisende sind seit gestern wegen Bahnbauarbeiten der Deutschen Bahn (DB) in Bayern erneut mit Einschränkungen im Zugsverkehr auf der Korridorstrecke „Deutsches Eck“ zwischen Kufstein und Salzburg geknebelt. Fernzüge der Weststrecke werden über Zell am See umgeleitet. Dadurch verlängern sich die Fahrzeiten um bis zu 80 Minuten.

Wie auch immer, es kommt noch schlimmer: Die Asfinag wird den Arlbergstraßentunnel zwischen Vorarlberg und Tirol im Sommer 2015 und 2017 für sechs bis sieben Monate komplett sperren. Der Pkw-Verkehr kann über den Arlbergpass ausweichen, der Schwerverkehr muss großräumig umgeleitet werden. Wer gezwungenermaßen auf den Blechliebling allein oder im „Autoteilen“ über München Richtung Ostösterreich und zurück ausweicht, muss ebenso mit stundenlangen Staus aufgrund von Baustellen rechnen. Also bleibt für Betuchte noch die klimafeindliche Fliegerei mit dem Monopol der „Peoples Viennaline“ in Altenrhein. Aber hoppla: Jetzt ist die Rheinbrücke nur einspurig befahrbar, was zu erheblichen Staus führt. Flüge ab Friedrichshafen in deutsche Städte werden permanent durch Streiks blockiert. Ausfälle durch Personalproteste betreffen auch die Reisenden mit der Deutschen Bahn.

Was bleibt? Mit dem Fahrrad oder zu Fuß nach Innsbruck, Wien, Hamburg, Berlin und zurück. Bei jedem Wetter. Oder einfach im Ländle bleiben . . .

marianne.mathis@vorarlbergernachrichten.at
Marianne Mathis ist freie Journalistin.
Die VN geben Gastkommentatoren Raum, ihre persönliche Meinung zu äußern.
Sie muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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