„Es gibt keine Fische frei von Quecksilber“

von Marlies Mohr
Bodenseefische sind laut Experten unbedenklich.  Foto: VN
Bodenseefische sind laut Experten unbedenklich. Foto: VN

Global 2000 prangert Grenzwertüberschreitungen auch beim Bodenseefelchen an.

bregenz. (VN-mm) „Das Bodensee-Felchen ist ein hochwertiges Nahrungsmittel und sein Konsum unbedenklich.“ Mit dieser eindeutigen Aussage reagierte Dr. Dieter Buhmann, Leiter des Umwelt­instituts, auf eine gestern von Global 2000 veröffentlichte Untersuchung. Derzufolge liegen die Quecksilberbelastungen bei heimischen Fischen weit über dem mit 20 Mikrogramm pro Kilo Frischfisch festgelegten Grenzwert. Bei den Felchen soll gar mehr als das Vierfache der Norm gefunden worden sein. „Es gibt keine Fische ohne Quecksilber“, stellt der Leiter des Umweltinstituts zum einen klar. Denn Quecksilber kommt auch natürlich vor. Zum anderen sei die Problematik seit Langem bekannt.

Aber im Gegensatz zu den Meeren, wo es zu Quecksilber-Emissionen direkt ins Wasser kommt, ist der Bodensee davon nicht mehr betroffen. Das lässt sich laut Buhmann im Sediment nachweisen. Was jetzt noch in den See sickert, kommt aus der Luft. „Vorzugsweise von Kohlekraftwerken“, erklärt der Experte. Deshalb sei der Ausstieg aus diesem Energieträger die einzige Schraube, an der bei diesem Thema gedreht werden könne.

Regelmäßige Messungen

2006 legte die EU für bestimmte Schadstoffe im Wasser eigene Grenzwerte fest. Sie sind in der Wasserrahmenrichtlinie verankert. Im vergangenen Jahr kam es zu einer Ausweitung auf sogenannte Biota, also Fische. Die dafür geschaffene Umweltqualitätsnorm sieht maximal 20 Mikrogramm Quecksilber pro Kilo Frischfisch vor. „Schon damals war klar, dass wir uns im Fall des Bodensees sehr nahe am natürlichen Wert von 10 bis 15 Mikrogramm bewegen“, so Dieter Buhmann. An diesem habe sich kaum etwas geändert. Regelmäßige Messungen bei Fischen zeigen Werte sowohl über als auch unter dem Grenzwert. Allerdings hat die Umweltqualitätsnorm nichts mit Lebensmittelsicherheit zu tun. Die lässt bei Süßwasserfischen eine Quecksilberbelastung von 500, bei Meeresfischen von 1000 Mikrogramm zu.

Es geht letztlich nur über den Ausstieg aus der Kohlekraft.

Dieter Buhmann
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