WAS WURDE AUS . . . ? Prof. Dr. Helmut Kramer (75), Wirtschaftsforscher

„Es geht um junge Generation“

Helmut Kramer: „Es braucht große Korrekturen im Pensionssystem.“
Helmut Kramer: „Es braucht große Korrekturen im Pensionssystem.“

Auf der Suche nach Lösungen für die Altersversorgung der heutigen Jugend.

Wien. (ee) „Im Jahr 2005 bin ich als Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) in Wien in Pension gegangen. Ich war seit 1963 im Institut tätig, 1981 wurde ich zu seinem Leiter berufen. Praktisch am ersten Tag der Pension begann ich meine Tätigkeit als Rektor der Donau-Universität in Krems.“ So im VN-Gespräch der gebürtige Bregenzer Wirtschaftsforscher Helmut Kramer (75), der u. a. durch seine Konjunkturprognosen große Popularität erlangte. Kramer war seit dem Ende der Siebzigerjahre wirtschaftspolitischer Berater aller österreichischen Bundes- und Landesregierungen sowie der Oesterreichischen Nationalbank.

„Ich war zu aufmüpfig.“

Die Funktion des Rektors der Donau-Universität übte Kramer allerdings nur knapp drei Jahre aus. „Ich habe um vorzeitige Auflösung des Vertrages gebeten, der vier Jahre gelaufen wäre. Der Grund war, dass ich die Interventionen der niederösterreichischen Landesregierung, die mit der Unabhängigkeit der Universität nicht zu vereinbaren waren, nicht länger ertragen konnte. Die Vizerektorin, Prof. Ada Pellert, und ich waren zu aufmüpfig. Das darf man in Niederösterreich nicht sein. Frau Prof. Pellert ist mittlerweile Präsidentin der Deutschen Universität für Weiterbildung in Berlin“, resümiert Kramer.

Zum Generationenvertrag

Der frühere Wifo-Chef fand aber ein neues Aufgabengebiet. Er widmet sich verstärkt der Erforschung von Fragen im Zusammenhang mit dem Altern und hier wieder besonders den Auswirkungen auf die nachwachsende Generation. „Es geht mir um Lösungsansätze für die Generation unserer Kinder und Kindeskinder. Der Generationenvertrag funktioniert ja schon jetzt nicht mehr“, meint Kramer, der darauf verweist, dass es mit den Pensionen, auf die die jungen Menschen von heute hoffen könnten, traurig aussehen werde.

Schuld daran sei der schwierige Arbeitsmarkt, aber auch die Tatsache, dass frühere reale Wachstumsraten der Wirtschaft von zwei bis drei Prozent pro Jahr nicht mehr erreichbar sind. Das Gegenargument, dass automatisch die Jugendarbeitslosigkeit steige, wenn Ältere länger beschäftigt bleiben, hatte Kramer schon früher mit dem Hinweis widerlegt, dass es haufenweise empirische Untersuchungen gibt, wonach dieser Zusammenhang so nicht stimmt.

Neues Forschungsprojekt

Kramer ist noch kurze Zeit Vorsitzender des Vorstands der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Altertumsforschung (ÖPIA), der sich mittlerweile durch einschlägige Gutachten, Projekte usw. selbst finanziert. Sein Nachfolger wird Prof. Alfred Kruse von der Universität Heidelberg. „Ein großes Forschungsprojekt, das sich den Zusammenhängen zwischen alternden Gesellschaften und der Altersversorgung widmet, wird mich ab Jänner voll beschäftigen“, kündigt Kramer weiter an.

Pensionsalter anheben

Denn: „Beim Pensionssystem sind große Korrekturen nötig, weil die Menschen immer länger leben und zwar pro Jahrzehnt um rund zweieinhalb Jahre. Die Leistungsfähigkeit ist heute im Schnitt bis zum Alter von 80 Jahren oder sogar darüber gegeben. Damit ist praktisch ein dritter Lebensabschnitt entstanden“, betont Kramer. Der Ausbau eines Bonus-Malus-Systems, mit dem eine längere Beschäftigung älterer Arbeitnehmer gefördert werden soll, werde bisher fehlende Anreize bringen, hofft Kramer. Doch könne aus seiner Sicht sogar „eine Art Automatismus“ einer Anhebung des Pensionsalters überlegt werden, da die Menschen ja immer älter werden. Da müssten auch Lebensentwürfe geändert werden.

Sein Nachfolger als Wifo-Leiter, Prof. Karl Aiginger, weist darauf hin, dass Kramer das Institut für Wirtschaftsforschung aus der Position eines nationalen Instituts zu einer internationalen Forschungskapazität umgewandelt hat. Kramer hielt zahlreiche Gastvorlesungen an renommierten Universitäten. 1994 wurde er zum Honorarprofessor für österreichische Wirtschaftspolitik an der Universität Wien ernannt.

Helmut Kramer: „Es braucht große Korrekturen im Pensionssystem.“
Helmut Kramer: „Es braucht große Korrekturen im Pensionssystem.“

Zur Person

Prof. Dr. Helmut Kramer

Wirtschaftsforscher

Geboren: 1939 in Bregenz

Ausbildung: Matura am Gymnasium Bregenz-Gallusstraße, Studium der Rechtswissenschaften in Wien

Beruflicher Werdegang: 1963 Eintritt ins Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in Wien, 1981 bis 2005 Leiter; Rektor an der Donau-Universität Krems, Alternsforscher

Familie: verheiratet, drei Töchter

Hobbys: Natur, Wandern, Bergsteigen, Skifahren

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