„A Buddele fürs 102erle“

von Marlies Mohr
Ramona und ihre Freundinnen warfen sich als „Hiatamadln“ in Schale. Fotos: VN/Steurer
Ramona und ihre Freundinnen warfen sich als „Hiatamadln“ in Schale. Fotos: VN/Steurer

Schafscheid setzt bunten Schlusspunkt unter Alpabtriebe im Montafon.

Gaschurn. (VN-mm) Erst zwei Tage alt und schon mittendrin im Rummel: Dass „Lilly“ da noch etwas unsicher in diese Welt blickt, verwundert nicht. Das süße Lämmchen war das jüngste von rund 900 Schafen, für die am Wochenende der Alpsommer im Garneratal zu Ende ging. Bei der Schafscheid am Samstag wurden die Tiere, eines nach dem anderen, wieder an ihre Besitzer zurückgegeben. Die Schafscheid in Gaschurn bildet traditionsgemäß den Abschluss der Alpabtriebe im Montafon.

Penibel genaue Kontrollen

Es ist ein herrlicher Tag. „Der schönste Tag überhaupt in diesem durchwachsenen Sommer“, meinen einige. Schon frühmorgens haben sich die Schafe und Lämmer in Bewegung gesetzt, um rechtzeitig im Tal zu sein. Von Juni bis Ende September waren die auf rund 2500 Metern Seehöhe gelegenen sattgrünen Wiesen im Garneratal ihr Zuhause. Die Alpe Garnera ist die zweitgrößte Schafalpe im Land. Auch die Tiere kommen aus allen Teilen Vorarlbergs.

Auf dem Weg zum sogenannten „Bargaplatz“ reiht sich ein Tiertransporter an den anderen. Die einen sind schon beladen, viele noch leer. Es ist trotz Nummer am Ohr aber gar nicht so einfach, in dieser riesigen Herde die Tiere zu finden. Es blökt und bäht in Wildwestmanier. Außerdem kommt niemand an den Kontrolleuren vorbei. Damit jeder auch wirklich sein Schaf hat, müssen die Registriernummern penibel genau abgeglichen werden. Fürs Reden bleibt da wenig Zeit. War es ein gutes Alpjahr für die Schäfer? „Ja, doch. Vom Wolf haben wir jedenfalls nichts gespürt“, lautet die mit einem Schmunzeln übermittelte Antwort.

Fläschchen für die Kleinen

Die Lämmer haben ihr eigenes Refugium. Unter den vielen Großen würden die Kleinen wohl unter die Hufe geraten, vor allem Frischlinge wie „Lilly“. Die hat es gut, denn sie wird von Melanie umsorgt. Die junge Frau trägt „Lilly“ buchstäblich auf Händen. „Am liebsten würde ich sie mitnehmen“, bekennt die junge Frau lachend. Aber auch die übrigen Lämmer genießen Zuwendung, werden die hungrigen Mäuler doch liebevoll mit Milchfläschchen gestopft.

„A Buddele fürs 102erle“, ruft eine umtriebige Schäferin. Und: „Hot´s 76erle scho eppas kriagt?“ Das 76erle ist „Lilly“. Ja, das Babylamm ist zumindest vorerst satt. Später darf es dann wieder bei seiner Mutter den Hunger stillen.

Keine Lust auf Stall

Die Sommerfrische scheint den Schafen noch in den Knochen zu sitzen. Unbedrängt konnten sie auf den saftigen Hochwiesen wochenlang umherstreunen. Jetzt geht es wieder in engere Gemächer, doch die Lust darauf ist bei vielen offenbar gering. Die Schafe bocken, und selbst gestandene Männer haben Mühe, sich dem Freiheitsdrang ihrer wolligen Vierbeiner entgegenzustemmen. Doch zu guter Letzt kommt alles in beste Ordnung. Immerhin ließ der Winter schon leise grüßen. Da ist es im heimischen Stall allemal gemütlicher als auf steilen Bergeshöhen.

Schafe so weit das Auge reicht. Die Schafscheid war auch für die Zuschauer eine attraktive Angelegenheit.
Schafe so weit das Auge reicht. Die Schafscheid war auch für die Zuschauer eine attraktive Angelegenheit.
Elene hatte ihre helle Freude an dem hübschen Schäfchen.
Elene hatte ihre helle Freude an dem hübschen Schäfchen.
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.