Aus der Geschichte. Der legendäre Vorwahlkampf-Triumph von Dietmar Alge und Albert Hofer 2004

Lustenauer ÖVP-Revolte im Bezirk Dornbirn

von Klaus Hämmerle
Dietmar Alge und Albert Hofer sorgten vor zehn Jahren für viel Wirbel.
Dietmar Alge und Albert Hofer sorgten vor zehn Jahren für viel Wirbel.

Vorwahl-Votum für Alge und Hofer zwang Landes-ÖVP zur Korrektur der Wahlliste.

Lustenau. (VN-hk) Es ist friedlich und harmonisch geworden bei der ÖVP im Bezirk Dornbirn. Die wählbaren Kandidaten wurden praktisch einstimmig nominiert. Der Dornbirner Thomas Winsauer (35) vor dem Lustenauer Albert Hofer (57) und dem Hohenemser Arno Gächter (54), dahinter der Dornbirner Josef Moosbrugger (48).
Heile Welt heute, Pulverfassatmosphäre vor zehn Jahren. Auch damals rüstete die ÖVP  für die Landtagswahl. Im Bezirk Dornbirn flogen die Fetzen. Weil die Bezirksparteileitung mit Dornbirner Übergewicht die Lustenauer Kandidaten Dietmar Alge (54) und Albert Hofer bei der Erstellung der Wahlliste nicht eben bevorzugt behandelte, ergriffen diese selbst die Initative. In einem emotionalen und polarisierenden Vorwahlkampf sammelten die damaligen Landtagsabgeordneten Tausende Stimmen und erzwangen dadurch eine völlige Umgestaltung der Wahlliste. Alge und Hofer schafften locker den Wiedereinzug in den Landtag. Um den Bezirk nicht völlig den Lustenauern zu überlassen, musste die Landesparteileitung eingreifen.

Lustenauer Seele beleidigt

Die Landespartei hatte alle Hände voll zu tun, um die Lage nicht völlig eskalieren zu lassen. Die Ortsgruppen aus Dornbirn und Lustenau standen einander spinnefeind gegenüber. Vor allem zwischen Martin Ruepp und Albert Hofer war das Porzellan zerschlagen. „Die Zeit war damals reif für eine solche Kampagne, und man hat gesehen, wie professionell wir dieses damals noch zulässige Modell umsetzen konnten“, erinnert sich Dietmar Alge, mittlerweile aus der Politik ausgeschieden. Alge spricht heute von „einer geilen Zeit. Man hat gesehen, was passieren kann, wenn man die Lustenauer Seele beleidigt. Und das ist damals passiert.“ Ob das zwischenzeitlich abgeschaffte Instrument Vorwahlkampf noch heute gut wäre, möchte Alge nicht beurteilen. „Dazu bin ich zu weit weg von der Politik.“ Unvergessen bleiben dem Unternehmer jedenfalls die Mobilisierungskünste seines Parteifreundes Albert Hofer.
Tatsächlich war es den beiden damals gelungen, weit über die Parteigrenzen hinaus Lustenauer zu solidarisieren und gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Behandlung durch die Dornbirner zu mobilisieren. Dietmar Alge ließ es sich nicht nehmen, nach erfolgreich geschlagener Wahlschlacht auch beim ÖVP-Landesparteitag die dramatischen Ereignisse noch einmal zu dokumentieren und zu rechtfertigen. „Ich würde das aus heutiger Sicht wieder tun“, so Alge zu den VN. „Schließlich hatte ich bei der Partei nichts zu verlieren. Zu verdanken hatte ich mein Mandat den Leuten, die mich im Vorwahlkampf unterstützten.“

„Nichts mehr übrig“

Albert Hofer, immer noch Landtagsabgeordneter und in der ÖVP Vorarlberg fest verankert, sieht die damaligen Ereignisse heute distanziert. „Es gab fünf Jahre später sicher noch gewisse Ressentiments. Aber wenn ich an die Einigkeit denke, mit der vor der heurigen Wahl die Kandidaten des Bezirks nominiert wurden, dann kann ich sagen: Da ist nichts mehr übrig geblieben.“

„Es war eine brenzlige Situation, damals“, erinnert sich das Dornbirner ÖVP-Urgestein Manfred Rein. „Die Lustenauer waren egoistisch. Aber sie haben eindrucksvoll gezeigt, wie man Unterstützer mobilisiert.“

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