Vorarlberger, über die man spricht. Tatjana Tschabrunn (32)

Schutz junger Obdachloser

von Birgit Entner
Tatjana Tschabrunn: Für die Jugendlichen stehen in der Caritas-Notschlafstelle „a_way“ frisch bezogene Stockbetten bereit. Foto: ENTNER
Tatjana Tschabrunn: Für die Jugendlichen stehen in der Caritas-Notschlafstelle „a_way“ frisch bezogene Stockbetten bereit. Foto: ENTNER

Tatjana Tschabrunn leitet in Wien eine Notschlafstelle für 14- bis 18-jährige Jugendliche.

Wien. (VN-ebi) In Österreich sollten keine Jugendlichen auf der Straße leben müssen. Das sei eigentlich die Idee unseres Systems, erklärt die Sozialarbeiterin Tatjana Tschabrunn. Dennoch ist dies nicht immer die Realität. Oft würden sich die 14- bis 18-Jährigen einfach nicht an gewisse Grundregeln halten, die etwa in betreuten Wohngemeinschaften gelten. Und so entscheiden sich viele für ein Leben auf der Straße, ziehen bei Freunden oder Verwandten ein oder verkaufen sogar ihren Körper, nur um sich eine Schlafstelle außerhalb des regulären Systems zu sichern, weiß die Bürserin. Es seien zahlreiche, sehr tragische Geschichten, mit denen sie und ihr Team tagtäglich in der Caritas-Notschlafstelle „a_way“ konfrontiert werden.

538 Jugendliche in einem Jahr

Die Vorarlbergerin leitet die am Wiener Westbahnhof gelegene Einrichtung. Zehn bis maximal 13 Betten stehen pro Nacht für die 14- bis 18-jährigen Schutzsuchenden zur Verfügung. „Sie kommen meist aus einer zerbrochenen Familie. Viele wurden von schweren Schicksalsschlägen getroffen“, so Tschabrunn. Vergangenes Jahr haben insgesamt 538 Jugendliche das Angebot der Notschlafstelle genutzt.

Die 32-Jährige ist sozusagen das organisatorische Herz von „a_way“. Nach ihrem ­Studium, das sie an der Innsbrucker Sozialakademie 2003 beendete, arbeitete sie sowohl als Jugendstreetworkerin als auch in einer niederschwelligen Drogeneinrichtung. Bei „a_way“ ist sie nun seit zwei Jahren angestellt. Die Weitervermittlung von Jugendlichen „in eine fixe, stabile Wohnsituation“, sei für sie immer ein Erfolg, so Tschabrunn. „Wir nehmen die Jugendlichen an der Hand. Sie müssen aber auch lernen, sich selbst zu organisieren.“ Fünf Nächte können sie pro Monat in der Notschlafstelle verbringen. Diese Zeit nutze man, um Vertrauen zu ihnen aufzubauen, Alternativen aufzuzeigen und einen Wohnungsplatz für sie zu suchen. „Dass die Jugendlichen alleine eine Unterkunft finden und diese halten, ist in ihrer Situation nämlich undenkbar“, so die 32-Jährige.

Ausgleich notwendig

Auch dass die Tätigkeit als Sozialarbeiterin natürlich viel von ihr abverlangt, steht außer Frage. Trotzdem ist es augenscheinlich, dass es sich für Tschabrunn dabei nicht nur um einen Beruf handelt, sondern auch um eine Herzensangelegenheit. Einen Ausgleich brauche sie dennoch: „Zum Glück gibt’s den Wienerwald“, betont sie. Da würde sie sich oft aufhalten, um einfach abzuschalten. Mit der Natur und den Bergen in Vorarlberg könne dieser aber dennoch nicht mithalten.

Zur Person

Tatjana Tschabrunn
Leiterin der Caritas-Notschlafstelle „a_way“ und des Projekts „reStart“ zur Heranführung von Jugendlichen an den Arbeitsmarkt

Geboren: 16. Juli 1981 in Bludenz
Schule: Gymnasium Bludenz

Ausbildung: Sozialakademie in Innsbruck (2000 bis 2003)

Hobbys: Joggen

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