Vorarlberger, über die man spricht. Elmar Simma (75)

Seelsorger mit aller Kraft

von Thomas Matt
Caritas-Seelsorger und Russ-Preis-Träger Elmar Simma bei der VN-Blattkritik: Seine Ehrlichkeit rang allen Respekt ab.  Foto: VN/Steurer
Caritas-Seelsorger und Russ-Preis-Träger Elmar Simma bei der VN-Blattkritik: Seine Ehrlichkeit rang allen Respekt ab. Foto: VN/Steurer

Der langjährige Caritas-Seelsorger geht in Pension. Zumindest teilweise.

Feldkirch. (VN-tm) Ein Drittel seines Bücherregals füllen unzählige Hochzeitskärtchen. Deshalb muss man künftigen Ehepaaren gleich die frohe Botschaft verkünden: Elmar Simma geht „nur“ als Caritas-Seelsorger in Pension. Bis zum Herbst soll die Nachfolge geregelt sein. Dass der 75-Jährige weiterhin Paare trauen wird und Trauernde trösten, dass der Begründer der Hospizbewegung auch künftig Sterbende begleiten wird, das alles liegt in der Natur seines Berufs. Elmar Simma ist Priester. Seelsorger von ganzem Herzen. Nicht von ungefähr sagen Brautleute, wenn man sie nach ihrem Priester fragt, triumphierend: „Mir hond dr Simma!“

Zahlreiche Verdienste

Dem hoffnungslosen Unterfangen, sein kleines Büro im dritten Stock des Caritashauses leerzuräumen, sieht er schmunzelnd mit Gleichmut entgegen. Aber das ist man gewohnt: Schon der junge Kaplan Elmar Simma, der die Herzen der Bregenzer Jungschärler mit seiner Gitarre und lässigen Sprüchen im Sturm eroberte, war nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Ein überlegter Mann, der sich Kraft bei ausgiebigen Wanderungen in den Walliser Bergen und bei Skitouren holt. Der sich, lange bevor Papst Franziskus die Richtung vorgab, den Entrechteten und Randständigen verpflichtet fühlte. Ein gefragter Buchautor und Prediger. Und der Vater der Hospizidee in Vorarlberg.

Ein Film gab damals den Ausschlag. Er heißt „Noch 16 Tage“. Der Streifen erzählt von einer Sterbeklinik in London. Simma griff das Thema auf. 1993 formierte sich durch seinen Anstoß ein Proponentenkomitee. Ein Jahr später machte sich in Götzis mit Christine Bösch die erste Hospizmitarbeiterin der Caritas an die Arbeit. Heute ist die Hospizbewegung mit rund 230 Mitarbeitern flächendeckend im ganzen Land vertreten. Als einer davon sitzt auch Elmar Simma regelmäßig an Krankenbetten und begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg. „Wir schenken ihnen Zeit“, nennt er das. So einfach und doch so wertvoll.

Würde Elmar Simma bemühter in die Vergangenheit blicken, sähe er noch zahlreiche Projekte, die er angestoßen oder zu Ende geführt hat. Aber das will er gar nicht. Er ist vielmehr bedacht, dem Besucher noch eine Schale Kaffee oder wenigstens ein Glas Wasser aufzuwarten.

Er wäre übrigens auch gerne Arzt geworden. Sicher ein sehr guter. Aber dann wäre Elmar Simma heute schon seit zehn Jahren in Pension. Und auch die Ehepaare hätten das Nachsehen.

Es geht darum zu zeigen: Du bist mir nicht gleichgültig.

Elmar Simma

Zur Person

Elmar Simma

Caritas-Seelsorger, Dr. Toni-Russ-Preis 2005

Geboren: 1938 in Rankweil

Ausbildung: Pflichtschule, bischöfliches Internat in Schwaz, Theologiestudium

Laufbahn: Ab 1964 Kaplan in Bregenz, ab 1970 Jugendseelsorger, von 1977 bis 1990 Pfarrer in Göfis, seitdem Caritas-Seelsorger in Feldkirch

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