Zehn Millionen für neue Serpentinen am Arlberg

von Tony Walser
Wird ab Ende April zur Hochgebirgsbaustelle: das Posteck oberhalb von Stuben am Arlberg. foto: vn/hofmeister
Wird ab Ende April zur Hochgebirgsbaustelle: das Posteck oberhalb von Stuben am Arlberg. foto: vn/hofmeister

Startschuss für Großbauprojekt in Sachen Neuzufahrt zum ­Arlberg steht bevor.

Stuben. Geologische Gegebenheiten können Landesstraßenbauer auf Trab halten und aufgrund ihrer Unberechenbarkeit im Hinblick auf die Sicherheit Investitionen in Millionenhöhe erfordern.

Eindrückliches Beispiel dafür liefert ein Straßenstück im Bereich der L 197 oberhalb von Stuben am Arlberg (Grafik). Dort wird nämlich die bestehende Straße nach Lech und Zürs sowie Arlberg- und Flexenpass auf einer Länge von rund einem Kilomter im Bereich des sogenannten „Postecks“ von einer offenbar in die Jahre gekommenen Mauer gestützt.

„Verformungen“ registriert

Darüber hinaus wurden in diesem Bereich, der landesweit zu den durch Naturgefahren besonders gefährdeten Straßenabschnitten gezählt wird, „Fahrbahnsenkungen und Mauerverformungen“ registriert. Über längere Zeit gewälzte Pläne, die Stützmauern einer Generalsanierung zu unterziehen, landeten beim Land als Straßenerhalter bald wieder im Papierkorb.

Die Gründe dafür: Einerseits würde gemäß geologischem Gutachten „ein Restrisiko bleiben“ und andererseits käme eine Sanierung „mindestens ebenso teuer wie eine Neutrassierung“, betonte Gerhard Schnitzer als Leiter der Abteilung Straßenbau im Landhaus im Gespräch mit den VN.

Gefahr von Felstürzen

Und Schnitzer weiß, wovon er spricht: Im April 1995 hatte in diesem Bereich „eine tiefgreifende Hangrutschung“ eingesetzt und für eine zweimonatige Sperre der L 197 gesorgt. Als Ursache für die Gefährung der Standfestigkeit der Landesstraße wird laut Schnitzer von Experten „eine labile Schicht, die ­zwischen kompakten Felspartien zutage tritt und im Bereich der Rutschung die Straße unterquert“, ins Treffen geführt. Auch die Gefahr von Felsstürzen beschäftigte den Straßenerhalter bereits mehrfach. So wurde beispielsweise zwischen September 2010 und Juni 2011 „als dringend notwendige Sofortmaßnahme ein umfangreicher Felsabtrag durchgeführt“.

Studien für Varianten

In der Folge begann man vor drei Jahren im Landesstraßenbauamt mit dem Erarbeiten von Studien „für eine technisch und geologisch machbare Variante zu einer Neutrassierung der Straße“. Auch Vor- und Nachteile im Hinblick auf zu erwartende Erhaltungskosten sowie Risiken seien in die Überlegungen miteinbezogen worden, erinnert sich Schnitzer. Mit der Neutrassierung der L 197 werde „der geologisch sensible Bereich des orographisch rechts des Rauzbaches gelegenen Hanges umgangen“.

Am 28. April fahren Bagger auf

Mit dem Neubau von insgesamt fünf Straßenkehren werde auch „die Typologie der bestehenden Trasse oberhalb von Stuben weitergeführt“, betont der oberste Straßenbauer im Land. Der Startschuss für die Bauarbeiten im hochalpinen und felsigen Gelände ist für Montag, 28. April, geplant. Rund 18 Monate später soll das erste Fahrzeug über die neue Trasse in Richtung Flexen- oder Arlbergpass rollen. Zu Straßensperren werde es aufgrund der Arbeit nicht kommen, schätzt Schnitzer. Er geht von lediglich geringen Verkehrsbehinderungen aus, möglicherweise werde der Verkehr zwischenzeitlich einspurig über eine Ampelregelung abgewickelt.

4291 Fahrzeuge in 24 Stunden

Stichwort Verkehr: Laut jüngsten Zählungen wird die L 197 im Jahresdurchschnitt innerhalb von 24 Stunden von durchschnittlich 4291 Fahrzeugen frequentiert. Der Schwerverkehrsanteil liegt bei 167 Fahrzeugen im selben Zeitraum. 2015 wird neben dem „normalen“ vor allem der Schwerverkehr auf der L 197 über den Arlbergpass deutlich zunehmen. Der Grund: die Asfinag führt, wie in den VN bereits mehrfach berichtet, im 34 Jahre alten Arlbergstraßentunnel umfassende Sanierungsarbeiten durch und verhängt sowohl 2015 als auch 2017 für jeweils mehrere Monate eine Vollsperre. Das Straßenbauvorhaben sei mit den
Verantwortlichen bei der Asfinag abgestimmt worden, meint Schnitzer. „Das Ganze dürfte ohne gegenseitige Behinderung über die Bühne gehen.“

Neue Trasse ist günstiger als eine Sanierung der Straße.

Gerhard Schnitzer

Zahlen zum Projekt

» Kostenrahmen: 9,2 Millionen Euro

» Auftraggeber: Land Vorarlberg

» Baustart: 28. April 2014

» Fertigstellung: 30. Oktober 2015

» Bauausführende Firmen: ARGE Teerag-Asdag AG, Wien, sowie Gebrüder Haider, Großraming, und Asphalt Fröschl AG, Hall

» Sicherungsarbeiten: Hoch-Tief-Bau (HTB), Nüziders

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