„Günther Oettinger zeigt sein wahres Gesicht“

Die Haltung des EU-Kommissars für Energie, Günther Oettinger, hat Unverständnis und Betroffenheit ausgelöst.
Die Haltung des EU-Kommissars für Energie, Günther Oettinger, hat Unverständnis und Betroffenheit ausgelöst.

VN-Lesern stößt die Haltung des EU-Kommissars zu Fracking und Atomkraft sauer auf.

SCHWARZACH. (VN-hrj) Unverständnis und Empörung lösten Günther Oettingers Aussagen zum Thema Fracking und Atomkraft im am 11. April erschienenen VN-Interview aus. Der 60-jährige EU-Kommissar für Energie und CDU-Politiker vertritt nämlich die Ansicht, Europa komme um Gas, Atomkraft und auch um Kohle nicht herum, weil die erneuerbaren Energiequellen den Gesamtenergieverbrauch derzeit nicht decken könnten.

Um die garantierten Umweltschäden schert er sich nicht. Denn seiner Ansicht nach spielt sich die Zukunft unseres Planeten nicht hier, sondern in China, Indien und den USA ab.

Unglaublicher Affront

„Mit dieser knallharten Aussage hat Oettingers Pharisäertum in Energiefragen uns alle erkennen lassen, dass ihm die gesammelten Unterschriften der Vorarlberger wurscht sind“, schrieb Harold Miltner aus Wien. „Es ist ein unglaublicher Affront eines Gastes, der sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, wenigstens beschwichtigende Worte zu finden.“ Die Menschheit habe in den allerletzten Jahrhunderten den Planeten Erde in eine unbeschreibliche Müllkippe verwandelt, entrüstet sich Miltner. „Ist das immer noch nicht genug, Herr Oettinger? Was muss noch passieren, dass Sie und Ihresgleichen begreifen, was in der unendlichen Gier angerichtet wurde?“

Dem EU-Kommissar Günther Oettinger sei zu danken, meinte Markus Oeser aus Bregenz. Er zeige nämlich mit seinen Aussagen zu Atomkraft und Fracking nur ehrlich, wofür diese EU steht, „nämlich für die Interessen von internationalen Großkonzernen, vertreten durch über 15.000 Lobbyisten in Brüssel.“ Ärgerlich sei nur der „Betroffenheitskanon der etablierten, allesamt EU-hörigen Parteien, die kurz vor den EU-Wahlen noch ein paar dekorative Wortspenden gegen das System EU anbringen wollen.“ Oeser erinnert an das AKW Zwentendorf, das den Österreichern 1978 um fünf Milliarden Schilling hart erarbeiteter Steuergelder vorgesetzt worden sei. Er ist überzeugt, „diese Österreicher würden Fracking und Hormonfleisch – genau so wie die Privatisierung von Trinkwasser – niemals zulassen.“ Direkte Demokratie gegen die Interessen der Großkonzerne werde die EU aber künftig verhindern, befürchtet er.

Vor gut zehn Jahren zog der Imker Andi Jacobi aus Freiburg nach Alberschwende. Besonders habe es ihm die hier noch intakte Natur angetan, schrieb Jacobi an die VN. „In Österreich gibt es keine Atomkraft und auch gentechnisch veränderte Pflanzen sind hier (noch) nicht zugelassen. Als Imker im Bregenzerwald schätze ich das besonders.“ In Deutschland sehe das anders aus. „Da gibt es massive Probleme mit dem Bienensterben, bis zu 30 Prozent der Völker verenden jährlich aufgrund gentechnisch manipulierten Saatguts.“

Erschüttert sei er über die Aussagen des Herrn Oettinger. „Er hat keine Ahnung vom Fach, versagt im Europaparlament auf voller Linie. Mit seiner Haltung, dass Europa ohne Gas, AKW und Kohle nicht auskommen werde, verantwortet er die Zukunft der nachfolgenden Generationen.“ Landeshauptmann Wallner wird von ihm ermutigt, Mut zu haben und so weiterzumachen.

Spiel mit der Zukunft

„Kommissar Oettinger spielt mit unserer Zukunft“, mahnt der Landschaftsökologe Rudolf Alge aus Lustenau. Zugute hält er Günther Oettinger, dass dieser „Dank der präzisen Fragen der VN“ wenigstens sein wahres Gesicht gezeigt habe. „Nun wissen wir einmal mehr aus erster Hand, wie die EU-Kommissare ticken und wem sie sich verpflichtet fühlen.“

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