Isegrim steht vor den Eingangstoren

von Klaus Hämmerle

Es ist nicht die Frage ob, sondern wann wir in Vorarlberg Wölfe „begrüßen“ dürfen.

Bregenz. (VN-hk) Jaqueline von Arx ist die Geschäftsführerin des Vereins „Pro Natura“ in Graubünden. Als solche weiß sie gut Bescheid darüber, was im Kanton so alles kreucht und fleucht . . . und heult. Letzteres bezieht sich auf Wölfe, die seit Mitte der 1990er-Jahre in Graubünden wieder Einzug gehalten haben. Seit einiger Zeit gibt es sie sogar im Rudel, das im Calanda-Massiv nordwestlich von Chur

sesshaft wurde und aus bis zu zehn Tieren besteht. „So genau weiß man das bei einem Rudel nicht, weil sich

Jungwölfe

immer wieder absetzen und auf Wanderschaft gehen“, erklärt von Arx.

Ausdauernde Wanderer

Experten gehen davon aus, dass dies heuer ganz bestimmt der Fall ist. Die Altwölfe vom Calanda werden nämlich auch in diesem Jahr wohl wieder Junge zur Welt bringen. Das bedeutet: Der Wurf vom Vorjahr macht sich selbstständig und geht auf Wanderschaft. Die Schweizer Wölfe sind als Einzelgänger ursprünglich aus Italien gekommen. Im Lauf der Zeit hat die Rudelbildung stattgefunden.

Jaqueline von Arx ist sich sicher: „Es wird nicht mehr lange dauern, bis Wölfe auch nach Vorarlberg wandern werden. Die Tiere können sehr weite Wege zurücklegen.“

Jungwölfe unterwegs

Dass Vorarlberg mit dem vierbeinigen Einwanderer wird rechnen können, ist auch für den Wildbiologen des Landes, Hubert Schatz (49), klar. „Ehrlich gesagt haben wir die Wölfe schon früher im Land erwartet. Aus unbekanntem Grund sind die wandernden Jungwölfe im Vorjahr jedoch in Richtung Süden und Westen gewandert. Doch die Route kann sich schnell ändern. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht auch nach Vorarlberg kommen sollen.“ Wenn sie kommen, werden die Wölfe wohl über den Nenzinger Himmel, übers Gauertal oder übers Schlappiner Joch von Graubünden nach Vorarlberg eindringen.

Herdenschutz

Was dann zu tun ist, ist besser vorher schon getan. Hubert Schatz: „Wir haben das Thema Wolf mit Landwirten und Schafzüchtern bereits diskutiert und darauf hingewiesen, dass Herden geschützt werden müssen. Es ist nicht empfehlenswert, sich in Sicherheit zu wiegen – nur weil der Wolf noch nicht gekommen ist. Die Situation kann sich schnell ändern – auch wenn man das jetzt vielleicht noch nicht wahrhaben möchte“, warnt Hubert Schatz.

In Graubünden haben sich viele Landwirte schon längst auf die Gefahr eingestellt. „Wer einen fachgerecht angelegten Zaun hat, muss sich nicht fürchten“, ist Jaqueline von Arx überzeugt. Und trotzdem: Ende März dieses Jahres drang ein Wolf in Maienfeld (zwischen Chur und Sargans) in ein Gehege mit 25 Schafen ein. Er tötete dabei vier Tiere. Ein Vorfall, der für einige Diskussionen sorgte. Ebenso der Abschuss von zwei Wölfen in Graubünden. Einer wurde versehentlich erlegt, der andere Abschuss war das Werk eines Wilderers. In Graubünden führt die Präsenz der Wölfe zu emotionalen Diskussionen. „Es gibt sehr unterschiedliche Haltungen zu den Wölfen.
Wir stehen erst am Anfang eines Prozesses“, räumt die „Pro Nautra“-Geschäftsführerin ein.

In Graubünden stehen wir am Anfang eines Prozesses.

Jaqueline von Arx
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.