„Gott ist doch kein Schlächter“

von Thomas Matt
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2,3 Milliarden Christen feiern, wenn auch zeitlich versetzt, Tod und Auferstehung Jesu.

Dornbirn. Kein Ostersonntag ohne Karfreitag. Aber warum ist das so? Wollte Gott, dass Jesus stirbt? Das Zentrum des christlichen Glaubens ist bis heute ein Skandal. Musste die Hinrichtung des eigenen Sohnes etwa den zornigen Vater besänftigen? Kirchenlieder erzählen bis heute davon. Der streitbare Basler Theologe Josef Imbach (68), den der Vatikan 2002 mit Lehrverbot belegte, legte beim Montagsforum vor über 700 Zuhörern die Rede vom Opfertod Jesu auf den Prüfstand und räumte mit mörderischen Gottesbildern auf.

Gelinde gesagt: verrückt

Die erste überlieferte Darstellung der Kreuzigung datiert etwa aus dem Jahr 123. Es ist eine Karrikatur, in die Mauer einer römischen Erziehungsanstalt geritzt. Da hängt ein Esel am Kreuz, davor ein Mann. Darunter steht: „Anexamenos betet seinen Gott an.“ So verrückt erschien dem Menschen der Antike der christliche Glaube. Die Kreuzigung als Todesstrafe bedeutete, dass der Betreffende von Gott verflucht ist. Auch deshalb waren die Jünger so schockiert. Der vermeintliche Retter der Menschheit starb derart schmachvoll! Ein römisches Kind hat es in Stein geritzt: Nichts weiter als eine Eselei.

Josef Imbach führt das Auditorium am Eingang zur Karwoche durch all die Deutungsversuche, die in den Jahrhunderten danach entstanden sind. Jesus, der das Schicksal der Propheten teilt. „Unbequeme Mahner riskieren es nun einmal, eliminiert zu werden.“ Oder der Messias, der einfach leiden „musste“. War das nicht im Alten Testament schon angekündigt? Die alten Texte wurden zu Weissagungen umgedeutet. Manche Interpreten flüchten sich quasi in die Auferstehung und versuchen, das Trauma des Karfreitags hinter sich zu lassen. Oder war der Tod des Mannes aus Nazareth ein notwendiges Sühneopfer? Hat Gott das Opfer erzwungen? Aus dem Mittelalter stammt die Lesart, dass Christus sterben musste, weil Gott für die Sünden der Stammeltern Genugtuung forderte. Der Karfreitag eine Frage der Ehre?

Der Liebe zum Opfer gefallen

So abwegig es klingen mag, gründet die Idee doch auf der germanischen Rechtsordnung, wonach eine ramponierte Weltordnung unter allen Umständen wieder herzustellen ist. So wendete sich jede Interpretation an die jeweiligen Zeitgenossen. Bleibt die Frage, welcher Deutung Imbach heute den Vorzug gibt. „Jesus hat uns nicht bloß durch seinen Kreuzestod erlöst, der entsprach nicht dem Willen Gottes“, sagt er. Jesus habe den Menschen vielmehr „einen Weg gezeigt, der dazu führt, dass wir im Einklang stehen mit uns selbst, mit unseren Mitmenschen und mit Gott.“ Das sei ihm letztendlich zum Verhängnis geworden. Gott habe diesen Tod nicht gewollt, „Gott ist kein Schlächter“. Jesu Tod entsprach vielmehr der Konsequenz seines Lebens. „Er ist seiner unbedingten Liebe gegenüber den Menschen zum Opfer gefallen.“

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Universitätstag im Festspielhaus

Am Montag, 28. April 2014, befasst sich der Universitätstag des Montagsforums mit der Zukunft des Alters „zwischen Muss und Muße“. Univ.-Prof. Dr. Ulrich Reinhardt, Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, hat den Tag konzipiert. Neben anderen kommt Univ.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak, Präsident der Salzburg Ethik Initiative und des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften, nach Bregenz. Er wird über das Altern in guter Gesellschaft sprechen. Weitere Gastreferenten sind u. a. der Zukunftsforscher Univ.-Prof. Dr. Reinhold Popp und Dr. Stefan Arend, der das Archiv www.goldenagers.de gegründet hat. Die Tagungsgebühr beträgt 48 Euro. Anmeldung unter www.montagsforum.at

Zur Person

Univ.-Prof. em. Dr. Josef Imbach

erhielt 2002 vom Vatikan ein generelles Lehrverbot. Beim Montagsforum ist er ein gern gesehener Gast. Heute unterrichtet er an der reformierten Fakultät in Basel katholische Theologie.

Geboren: 1945 in Zofingen

Ausbildung: studierte Theologie in Rom und Philosophie in Freiburg

Laufbahn: von 1975-2002 Professor für Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Theologischen Fakultät S. Bonaventura in Rom. Josef Imbach lebt heute nahe Basel, wo er von 2005 bis 2010 einen Lehrauftrag für Katholische Theologie an der evangelischen Theologischen Fakultät wahrnahm.

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