Vorarlberger, über die man spricht. Judith Siegl (41)

Eier malen, Küken brüten

von Klaus Hämmerle
Eier anmalen mit ihren Schützlingen: Das macht auch Judith Siegl Spaß. Foto: vn/hartinger
Eier anmalen mit ihren Schützlingen: Das macht auch Judith Siegl Spaß. Foto: vn/hartinger

Judith Siegl hat als Kindergartenpädagogin vor Ostern jedes Jahr Hochbetrieb.

lustenau. (VN-hk) Was täte der Osterhase nur ohne seine Kindergartenkinder? Sie sind es, die ihn Jahr für Jahr ganz besonders hochleben lassen und sein Werk zelebrieren. Zu verdanken hat das Meister Lampe Kindergartenpädagoginnen wie Judith Siegl. Sie wissen, wie man Ostern für die Kinder so inszeniert, dass einerseits der Sinn des Festes erhalten bleibt, und andererseits die kleinen Herzen höher schlagen. „Wir malen mit den Kindern Eier“, berichtet Siegl. Dabei wird diese Routine-Aktivität am Kindergarten Rotkreuz in Lustenau noch getoppt. „Wir hatten bis vor Kurzem einen Brutkasten hier, wo wir Küken ausbrüten ließen“, verrät Siegl.

Viel verändert

Mit allen Sinnen Dinge erfahren: versehen Kindergartenpädagoginnen solche Projekte mit einer pädagogischen Formel. Diesem Anspruch für die Entwicklung der Kinder gerecht zu werden, versuchen Siegl und Kolleginnen zum Beispiel auch durch Exkursionen auf Bauernhöfe. Sich professionell mit Kindern im Kindergarten zu beschäftigen, ist überhaupt schon längst eine hochqualifizierte Facharbeit. „Trotzdem müssen wir Tag für Tag um Anerkennung kämpfen“, sagt Judith Siegl, die seit 23 Jahren diesen Job macht und weiß: „Es hat sich in dieser Zeit natürlich sehr viel verändert.“ Auch die Kinder. „Zum einen haben wir bei uns 50 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. Zum Zweiten hat die Vielfalt der elektronischen Medien auch das Verhalten der Kleinen schon massiv verändert“, weiß die Kindergartenleiterin.

Anderer Zugang

Gereut hat es die Lustenauerin nie, diesen Beruf ergriffen zu haben. Sie, die als Teenagerin Mutter wurde und zu den ersten Maturantinnen der BAKIP in Feldkirch zählte, meint auch nach all den vielen Jahren mit nüchterner Selbstverständlichkeit: „Ich wusste, was auf mich zukommt, als ich mich für diesen Weg entschied.“ Unverändert blieb ihre Zuneigung zu den ihr anvertrauten Sprösslingen. Der Zugang zu ihnen hat sich freilich verändert. Das spürt Judith Siegl vor allem auch in der Behandlung von Themen wie Ostern. „Früher war’s so, dass wir pro Gruppe ein paar wenige Migrantenkinder hatten. Die liefen dann im Rahmen der Aufarbeitung eines Themas wie zum Beispiel Ostern einfach mit. Jetzt allerdings musst du zu vielen Dingen einen interkulturellen Zugang finden“, erzählt die 41-Jährige aus der Praxis.

„Äuoli“-Exoten

Stichwort Kinder und ihr Hintergrund: Der einst so stolz gesprochene Lustenauer Dialekt als Alleinstellungsmerkmal der Marktgemeinde am Rhein ist im Kindergarten Rotkreuz zu einer Exotensprache verkommen. „Es ist schon fast etwas Außergewöhnliches, wenn wir ein Kind bei uns haben, das noch richtig ‚Äuoli‘ sagen kann“, sagt die Kindergartenpädagogin. Doch damit hat sie zu leben gelernt. Viel wichtiger ist für sie und die Kolleginnen, dass sich die Kinder bei ihnen wohlfühlen, und sie ihren Beitrag dazu leisten können, die Kleinen in ihrer Entwicklung zu fördern. „Es ist auch schön, wenn das Eltern, die unsere Arbeit zuerst geringgeschätzt haben, erkennen.“ Fast so schön wie die Ostervorbereitungen mit den Kindern, die für jeden Funken Begeisterung dankbar sind, den sie von ihren lieben Betreuerinnen erfahren.

Wir müssen täglich um Anerkennung kämpfen.

judith siegl

Zur Person

Judith Siegl

Leiterin des Kindergartens Rotkreuz Lustenau

Geboren: 26. Juli 1972

Wohnort: Lustenau

Beruf: Kindergartenpädagogin,

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Hobby: Lesen

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