Ill-Kraftwerk im Sommer am Netz

Die letzten Betonfuhren für die Schalungen des Krafthauses werden gefahren.  Foto: G. Grabher
Die letzten Betonfuhren für die Schalungen des Krafthauses werden gefahren. Foto: G. Grabher

Hochbetrieb auf der Illspitz-Baustelle. 30-Millionen-Anlage ab August im Vollbetrieb.

Feldkirch. (gg) Fuhre um Fuhre Beton bringen Lkw derzeit an den Illspitz, die Schalungen des neuen Krafthauses verschlingen Hunderte Kubikmeter. Nachdem die drei Wehre schon seit Wochen funktionstüchtig fertiggestellt sind und damit die zurzeit der Schneeschmelze drohende Hochwassergefahr gebannt ist, muss nun das Krafthaus fertiggestellt werden, denn schon Mitte April werden die Turbinen und Generatoren angeliefert.

Das Kraftwerksgebäude fällt, wie von den Stadtwerken Feldkirch versprochen, offensichtlich niedrig aus, um nicht als „Klotz“ die sensible Erholungslandschaft an der Illmündung in den Rhein zu stören. Das Gebäude ist deshalb besonders tief gegründet, um bei Hochwasser drohenden Auftriebskräften widerstehen zu können. Gegenwärtig werden die letzten Schalungen gefüllt, dazu ist der Innenausbau mit Stahlteilen im Gange. Im Laufen sind auch die Renaturierungsarbeiten, die am linken Ill-Ufer bereits abgeschlossen sind.

„Nachdem Mitte dieses Monats die Turbinen und Generatoren angeliefert werden, beginnt dann nach der Montage des Herzstücks des Kraftwerkes die Phase der Probeläufe“, informiert DI Dr. Manfred Trefalt, Geschäftsleiter der Stadtwerke Feldkirch. „Ab August wird das neue Kraftwerk den Vollbetrieb aufnehmen“, gibt sich Trefalt zuversichtlich. Die Anlage, die insgesamt 30 Millionen kostet, soll bekanntlich 6000 Haushalte mit Strom versorgen können.

Teurer Hochwasserschaden

Nach den bei Baubeginn 2012 geäußerten Absichten sollte das Kraftwerk am Illspitz mit dem Leistungsvolumen von 6 MW bereits am Mai 2014 ans Netz gehen. Doch man hatte die Naturgewalten offensichtlich unterschätzt. Im Oktober 2012 wälzten sich gewaltige Hochwasserfluten die Ill abwärts, alles bis dahin von Menschenhand geschaffene Vorbereitungsbauwerk wurde weggerissen. „Natürlich entstand durch das Hochwasser ein empfindlicher Schaden, der mit 1,8 bis 2 Millionen Euro zu beziffern ist“, räumt Geschäftsleiter Trefalt ein. Nicht eingerechnet ist dabei der Verlust, der durch die um mehrere Monate verspätete Betriebsaufnahme entstand. „Aber weder die Stadtwerke noch die Baufirmen müssen den Schaden schlucken, der ist durch unsere Versicherung gedeckt“, kann Trefalt aufatmen.

Gearbeitet wird gegenwärtig auch noch an den drei vorgeschriebenen Fischaufstiegen, die die Wanderwege für die Fische offen halten werden. Bereits seit Langem fertig ist die durch den rechtsseitigen Auwald gegrabene „kleine Ill“, ein Umgehungsgerinne, das auch weniger „sportlichen“ Fischen den Aufstieg ermöglichen wird. Der Einlass in den Bypass für Fische an der Stauwurzel ist bis auf den Stahlbau fertig, am Auslauf unter dem Kraftwerk sind Betonarbeiten im Gange. Bereits das alte Umgehungsgerinne war vor allem von Hunderten Koppen genutzt. Diese Kleinfischart, die keine Schwimmblase hat und deshalb selbst niedrige Schwellen nicht überwinden kann, dient etwa Forellen als bevorzugte Nahrung.

Besonders für die bedrohten Seeforellen entstehen aber auch zwei weitere Fischtreppen. Die eine führt in Form eines modernen Schlitzpasses aus dem Tosbecken ins Oberwasser der Ill, die andere ermöglicht die Fischwanderung vom Turbinenauslauf in die obere Ill ebenfalls bis zu möglichen Laichgründen im Walgau. Ob die Jungfische aus der oberen Ill den Abstieg über das Kraftwerk bis in den Bodensee finden werden, ist allerdings noch offen.

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