Damit ihr Widerstand nie vergessen wird

von Thomas Matt
Seit Schülerinnen und Schüler 2002 den Weg gegen das Vergessen eröffnet hatten, haben Ernst Volkmann, Maria Stromberger und andere wieder einen offiziellen Platz im kollektiven Gedächtnis.  Foto: VN/Matt
Seit Schülerinnen und Schüler 2002 den Weg gegen das Vergessen eröffnet hatten, haben Ernst Volkmann, Maria Stromberger und andere wieder einen offiziellen Platz im kollektiven Gedächtnis. Foto: VN/Matt

Überarbeitete Broschüren dokumentieren Bregenzer Widerstand gegen Nazi-Herrschaft.

Bregenz. Ihre Lebensgeschichten erzählen davon, dass man nicht zuschauen darf. Dass man sich nicht alles gefallen lassen soll. Und dass Widerstand auch vor dem Henker nicht brechen darf. Am Dienstag legten die Mitglieder der Gedenkgruppe Bregenz die neuen, überarbeiteten Broschüren über Bregenzer Widerständige vor, die ihren Mut während der Nazi-Herrschaft mit dem Leben bezahlten.

Erinnerungsorte

Man sieht die Orte anders an, zieht man ihre jüngste Vergangenheit in Betracht: Die Römerstraße 7 etwa, wo zwischen 1938 und 1945 im Gestapo-Hauptquartier für Vorarlberg Tausende Verhöre stattfanden. Oder das Gefangenenhaus in der Bregenzer Oberstadt, das heute hübsch renoviert das Bundesdenkmalamt beherbergt. Von 1938 bis 1945 wurden hier 6000 Personen inhaftiert. Meistens schliefen sie nur wenige Nächte in ihren Zellen, ehe Transporte sie in Arbeitserziehungslager oder Konzentrationslager brachten. Pfarrer Josef Fink aus Langen bei Bregenz saß hier wegen einer kritischen Predigt. Die 21-jährige polnische Landarbeiterin Janina Back brachte hinter feucht-kalten Wänden ihr Kind zur Welt. Der Widerstandskämpfer und Volksanwalt Johann August Malin sah hier seiner Verurteilung entgegen. In mehr als 4000 Eingaben und Anträgen an die Behörden hatte er Leute vertreten, die sich einen Rechtsbeistand nicht leisten konnten. Der „Volksgerichtshof“ in Berlin machte den Unbequemen am 9. November 1942 für immer mundtot.

Beispielloser Mut

Der Gedenkweg der Landeshauptstadt erinnert an Bregenzer Betroffene. Sie waren wie Karoline Redler denunziert worden oder hatten wie der Gitarrenbauer Ernst Volkmann den Kriegsdienst verweigert. Einzig Maria Stromberger überlebte den Krieg. Die in Bregenz aufgewachsene Krankenschwester hat sich mit beispiellosem Mut freiwillig zum Dienst im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gemeldet. Als „Engel von Auschwitz“ schmuggelte sie Lebensmittel und Medikamente ins Lager, half im Widerstand und linderte Not, wo immer es ging.

Nach dem Krieg wird Maria Stromberger mit Nazis in ein Internierungslager gesperrt. Zeitweilig lebt sie danach in Bregenz. Sie verdient sich als Näherin ein wenig Geld. Am 18. Mai 1956 stirbt Maria Stromberger. Ihr Grab wird 1977 aufgelöst. Sie hat nie eine offizielle Würdigung für ihren Einsatz erfahren.

Aber heute ist das anders. Weil die Gedenkgruppe rund um Herbert Pruner, Andreas Eder und Walter Buder sich seit zwölf Jahren ins Zeug legt, bleibt die Erinnerung wach. Schulklassen werden geführt, auch aus dem benachbarten Ausland. Wer wissen will, welche Geschichten sich hinter den einzelnen Namen des Gedenkwegs verbergen, findet in sechs ausführlichen Broschüren Auskunft.

Wer heute hinter dem Landeskrankenhaus vorbeigeht, benützt dabei, vermutlich ohne es zu wissen, den Maria-Stromberger-Weg.

Bezugsquellen

Broschüren können kostenlos bestellt werden:

Bregenz: Pfarrbüro Mariahilf (zu den Öffnungszeiten), Mariahilferstraße 59, Bregenz, Telefon: 05574/71839

Feldkirch: Diözesanhaus, Carl-Lampert-Forum, Bahnhofstraße 13, Feldkirch, Telefon: 05522/3485-203, E-Mail: bernhard .loss@kath-kirche-vorarlberg.at

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