Skigebiete legen Maßband an

von Geraldine Reiner

Pistenkilometer-Schwindel: Viele Destinationen haben nachgemessen und ihre Angaben korrigiert.

Schwarzach. (VN-ger) Die Pisten in der Silvretta Montafon sind über den Sommer um 15 Kilometer kürzer geworden. Einen Zuwachs verzeichnet man indes in Warth-Schröcken. Mitverantwortlich dafür ist ein deutscher Reisejournalist und Kartograf, der im Februar mit einer Studie für mächtig Wirbel in den Skigebieten gesorgt hatte.

Rückblick: ­Christoph Schrahe nahm mittels Pistenplänen, Google Earth oder GPS-Gerät die Pistenkilometerangaben von rund 80 Skigebieten weltweit unter die Lupe. Das Ergebnis: Die Destinationen machen sich oft größer, als sie sind. Auch in vier Vorarlberg Skigebieten setzte Schrahe das Maßband an und entdeckte dabei zwei „Mogelpackungen“.

Der Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ­reagierte auf die Diskussionen mit einer Empfehlung zur Ermittlung der Pistenkilometer. Demnach sollten die Pisten in der Falllinie, also dem kürzesten Weg zwischen Berg und Tal, vermessen werden. „Ein guter Ansatz“, findet Projektleiter Martin Oberhammer von der Silvretta Montafon (SIMO). „Allerdings halten sich nicht alle daran. Wir hoffen, dass wir Vorreiter sind.“

140 Kilometer bestätigt

Wie zahlreiche andere österreichische Skigebiete hat auch die Silvretta Montafon mittlerweile ihre Pistenkilometer überprüft. Der Kartograf kam dort auf lediglich 116 anstatt der versprochenen 155 Kilometer an Pisten und Skirouten. „Wir haben uns umgehend an eine Zertifizierungsstelle gewandt und unsere Pistenkilometer entsprechend der WKO-Richtlinien ermitteln lassen“, führt Oberhammer aus. Das Planungs- und Beratungsbüro AEP bestätigt der Silvretta Montafon für die kommende Wintersaison nunmehr 140 Pistenkilometer. Eine einzige Wahrheit gibt es für den SIMO-Projektleiter dabei allerdings nicht: „Es kommt immer auf die Messmethode an.“ Um eine entsprechende Transparenz zu schaffen und den Kunden einen Vergleich zu ermöglichen, werden in der Silvretta Montafon derzeit nach Ischgler Vorbild zwei weitere Zahlen ausgewertet (siehe Grafik). „Unsere 140 Pistenkilometer entsprechen der Kategorie B“, erläutert Oberhammer.

Abweichungen hatte der Studienautor auch in Warth-Schröcken festgestellt und anstelle der angepriesenen 58 nur 53 Kilometer gezählt. „Wir haben im Sommer die Pisten mit einem GPS komplett neu vermessen“, erläutert Günter Oberhauser, Geschäftsführer der Skilifte Warth. Dass es in dieser Saison plötzlich 66 Pistenkilometer sind, führt er auf die nicht aktuellen Zahlen von Schrahe zurück. „Es kommen jedes Jahr neue Pisten dazu. Wir haben jedenfalls nichts doppelt erfasst“, versichert Oberhauser. Noch nicht angeschlossen sind die Messungen laut Geschäftsführer und Seilbahnsprecher Wolfgang Beck in Mellau-Damüls: „Wir sind gerade dabei, die Daten zu überprüfen.“

Einige Skigebiete haben ihre Pistenkilometerangaben bereits korrigiert. Foto: L. Berchtold
Einige Skigebiete haben ihre Pistenkilometerangaben bereits korrigiert. Foto: L. Berchtold

Saisonstart

Als erstes Skigebiet Vorarlbergs startet die Silvretta Montafon dieses Wochenende (16. und 17. November) in die Wintersaison. Skibegeisterte haben die Möglichkeit, in Schruns per Zamang- und Seebliga-Bahn auf über 2000 Meter zu gelangen und dort die ersten Schwünge der Saison in den Schnee zu ziehen. Eine Tageskarte kostet bis zum 20. Dezember nur 20 Euro. Die meisten anderen Skigebiete eröffnen zum Nikolaustag.

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