Gastkommentar

Marianne Mathis

Den Globus ausgeplündert

Es ist bereits fünf nach zwölf: Der Mensch hat es im auslaufenden Industrie-Zeitalter von nur wenigen Jahrzehnten zustande gebracht, was Jahrtausende die Erdenbürger nicht schafften. Diesen einzigen Globus Erde durch die Verbrennung von Erdöl, Gas und die atomare und militärische Nutzung von Kernenergie. Die Luftqualität in Ballungsgebieten weltweit ist katastrophal, Städte in China, Iran, Pakistan und Indien stehen ganz oben in der Negativ-Statistik. Rund zwei Millionen Menschen sterben jährlich an verdreckter Luft. Nach den größten, bekannt gewordenen Atomkatastrophen inklusive Langzeitfolgen in Tschernobyl und Fukushima steigt die Zahl ins Unermessliche. Auf die weltweit zuständigen Politiker ist kein Verlass.

Purer Zynismus: Während auf den Philippinen Zehntausende nach dem Taifun Haiyan buchstäblich verrecken, tagte in Warschau einmal mehr die Weltklimakonferenz. Die Erderwärmung soll begrenzt werden. Punkt. Die Konferenz der Hundertschaft an honorigen Politikern und Beamten aus 120 Ländern der Erde endete erfolglos. Nur kein Elend sehen: Statt sich ein paar Tage lang gemütlich mit Worthülsen zu begnügen, hätten sich die Teilnehmer in der völlig zerstörten philippinischen Stadt Tacloban treffen können. Bestenfalls unter einem provisorischen Zeltdach, gemeinsam mit Kindern, die ihre Eltern verloren haben, weinenden Mütter, und plündernden Banden. Sie müssten nur ihr schickes Outfit ändern, mithungern, mitdürsten und keine Medikament bekommen.

Neues aus Fukushima: Die Zahl der leukämiekranken Kinder steigt, hoch radioaktives Wasser, das ins Meer abgelassen wurde, bewegt sich tonnenweise Richtung US-Westküste. In Japan sind die Folgen bereits sichtbar: Schmetterlinge sind deformiert. Die Fischindustrie in der Region wurde heruntergefahren. Dutzende Arten sind aufgrund hoher radioaktiver Werte nicht mehr zum Verzehr geeignet. 160.000 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben und werden dorthin auch nicht mehr zurückkehren.

Musterland Vorarlberg: Durch die Umsetzung eines Teils der „101 enkeltauglichen Maßnahmen“ im Rahmen des Landesprogramms Energieautonomie soll gegenüber 2005 der Energieverbrauch um 15 Prozent und die CO2-Emissionen um 18 Prozent verringert werden. Im Gegenzug soll der Anteil der erneuerbaren Energieträger gegenüber 2009 um ca. 13 Prozent gesteigert werden. „Das sind ambitionierte, aber machbare Ziele. Wichtig ist: Energie soll erneuerbar, verfügbar und leistbar sein“, erklärt Landesrat Schwärzler. Wenn die Bevölkerung sich weiterhin so stark engagiert. Die besten Ideen werden beim VN-Klimaschutzpreis 2014 auf dem Podest landen.

office@mamkom.com
Marianne Mathis ist freie Journalistin .
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