Pflegeheim wird immer häufiger zum Sterbeort

von Marlies Mohr
Mitarbeiter in der Langzeitpflege haben oft mehr als nur Betreuungs­aufgaben zu leisten. Foto: VN/Paulitsch
Mitarbeiter in der Langzeitpflege haben oft mehr als nur Betreuungs­aufgaben zu leisten. Foto: VN/Paulitsch

Vertreter der Palliativmedizin fordern nun bessere Qualifikationen für das Personal.

Schwarzach. (VN-mm) Früher starben Menschen vornehmlich in Spitälern oder zu Hause. Jetzt werden immer öfter die Pflegeheime zu Orten des Sterbens. Darauf weist die wachsende Zahl an Sterbefällen in stationären Pflegeeinrichtungen hin. Zwischen 2004 und 2011 stiegen sie von 4 auf 19 Prozent. „Tendenz stark zunehmend“, merkt Russ-Preis-Träger Prof. Dr. Gebhard Mathis, Wegbereiter der Palliativmedizin in Vorarlberg, ergänzend an. Zur Untermauerung lässt er Zahlen sprechen: 2011 starben 479 Menschen in Pflegeheimen, 2012 waren es 539. Das entspricht einer Steigerung um 12 Prozent. „Auf diese Entwicklung muss das Personal entsprechend vorbereitet werden“, fordert er. Und zwar mindestens durch eine Basisqualifikation.

Seit 1999 führt das Bildungshaus Batschuns regelmäßig Palliativlehrgänge durch. Der 13. läuft gerade. Er ist mit 41 Teilnehmern übervoll. Bislang haben fast 500 Personen aus dem pflegerischen und medizinischen Bereich diesen Lehrgang absolviert, davon 350 aus Vorarlberg. „Früher waren es vor allem Spitalsbeschäftigte“, sagt Katharina Rizza. Inzwischen steige aber auch das Interesse der Pflegeheimmitarbeiter an dieser Weiterbildung.

Palliative Fachkompetenz

Sie würde sich zur „Erweiterung und Vertiefung der palliativen Fachkompetenz“ in Pflegeheimen allerdings eine bessere Zusammenarbeit der Anbieter wünschen. „Diese sollte koordinierter und zielorientierter erfolgen“, meint Rizza. Außerdem brauche es Grundwissen zur Palliativversorgung bei allen in einem Heim tätigen Personen. Denn jene, die über eine Ausbildung verfügten, würden sich oft alleingelassen vorkommen. Als Mitarbeiterin eines Pflegeheims weiß Katharina Rizza, wovon die Rede ist.

Kompetenz und Kontinuität

Sie und Gebhard Mathis sehen sich durch ein Grundsatzpapier der deutschen Palliativgesellschaft in ihrem Anliegen bestätigt. Darin stellte Meike Schwermann unter anderem fest, dass eine Basisqualifikation für alle Mitarbeiter zum Thema einer grundlegenden Hospizkultur und Palliativversorgung werden müsse. „Zentrale Rollenträger, insbesondere Heimleitungen, Pflegedienstleitungen, Wohnbereichsleitungen sowie weitere Pflegende sollten nach einem anerkannten Curriculum qualifiziert sein.

Hospizkultur und Palliativversorgung in Pflegeheimen erfordern Kompetenz, Kontinuität und ausreichend Vollzeitbeschäftigte“, lautet ein weiteres Fazit. Wie berechtigt das Anliegen der Palliativ­experten insgesamt ist, zeigt das Beispiel „Haus Kloster­reben“ in Rankweil. Dort ging die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,1 auf 0,3 Jahre zurück. Manche Bewohner starben schon zwei, vier oder sechs Tage nach ihrer Ankunft. Diese Tatsache stelle Personal und Heime vor Probleme, da sie „ja eigentlich gebaut und geführt werden, um in Würde leben und altern zu können“, meint Bürgermeister Martin Summer.

Soziallandesrätin Dr. ­Greti Schmid betont, dass „die Träger von Pflegeheimen laufend und in Zukunft noch stärker angehalten sind, entsprechende Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ermöglichen“. Das Land unterstütze das schon jetzt durch unterschiedliche Schulungsangebote. „Für die Weiterentwicklung der Aus- und Fortbildung in ­diesem Bereich ab 2014 werden wir demnächst zu weiteren Abstimmungsgesprächen einladen“, kündigte Schmid gegenüber den VN an.

Darauf muss das Personal entsprechend vorbereitet werden.

gebhard mathis
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