Barrieren auch in den Köpfen abbauen

von Heidi Rinke-Jarosch
Gemeinsam behindernde Barrieren abbauen: Inge Köchle, Michaela Wagner, Klaus Brunner, Dr. Günter Höfle. Foto: lebenshilfe
Gemeinsam behindernde Barrieren abbauen: Inge Köchle, Michaela Wagner, Klaus Brunner, Dr. Günter Höfle. Foto: lebenshilfe

Tag der Inklusion: Menschen mit Behinderung wollen vor allem ernst genommen werden.

Götzis. „Nur mitanand wird ma gsund“ war das Motto, mit dem die Lebenshilfe Vorarlberg anlässlich des gestrigen Tages der Inklusion auf die vielen Barrieren hinwies, mit denen Menschen mit Behinderung im Alltag konfrontiert werden. Vor allem im Gesundheitswesen.

„Das betrifft sowohl bauliche Hindernisse in Arztpraxen oder Krankenhäusern als auch in den Köpfen von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften“, erklärt Michaela Wagner, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vorarlberg. „Darum ist es enorm wichtig, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen bewusst zu machen.“

Ärzte mit mehr Zeit benötigt

Der Vertreter des Selbstvertreterbeirats, Klaus Brunner, muss aufgrund seiner Behinderungen tagtäglich viele Barrieren überwinden. Dennoch machen ihm am meisten die Barrieren in den Köpfen zu schaffen: „Wir wollen nicht wie kleine Kinder behandelt werden, sondern ernst genommen werden.“ Wenn Menschen mit Behinderung etwas nicht verstehen, müsse man ihnen das eben auf verständliche Art erklären. „Außerdem wünschen wir uns Ärzte, die sich mehr Zeit nehmen und uns gegenüber aufgeschlossen sind.“ Vor allem aber, sagt Brunner, haben Menschen mit Behinderung ein Bedürfnis: „Wir möchten, dass man mit uns redet und nicht über uns.“

Dr. Günter Höfle, Primar am Landeskrankenhaus Hohenems, unterstreicht Klaus Brunners Anliegen und betont, wie wichtig eine zusätzliche Koordination bei der Aufnahme von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus ist: „Besonders dann, wenn verschiedene Untersuchungen nötig sind. Zudem ist es wichtig, auf den speziellen Betreuungsgrad der Patienten einzugehen.“

Inge Köchle, Vertreterin der Angehörigen und Mutter einer Tochter mit Behinderung, hat mit Ärzten gute Erfahrungen gemacht, aber auch eben andere, die schwerwiegende Folgen für den Zustand ihres Kindes hatten. Darum fordert sie mehr Verständnis und Rücksichtnahme: „Wir kennen das Verhalten unserer Kinder in Stresssituationen. Wir wissen worauf Rücksicht genommen werden muss.“

Um die Kommunikation zwischen Eltern, Ärzten und Pflegepersonal zu erleichtern, rät sie, bei jedem Arztbesuch eine Patienten-Mappe mitzunehmen, in der die wichtigsten Fakten und Fragen enthalten sind.

Inklusives Gesundheitswesen

Als Reaktion auf den „Nationalen Aktionsplan Behinderung und den Gesetzesentwurf zur Gesundheitsreform 2013 hat die Lebenshilfe ihre Forderungen an ein „inklusives Gesundheitswesen“ in einem 5-Punkte-Programm zusammengefasst. Dieses wurde bereits am Freitag an Gesundheitslandesrat Christian Bernhard übergeben.

Wir möchten, dass man mit uns redet und nicht über uns.

Klaus Brunner

5-Punkte-Programm

Die Forderungen der Lebenshilfe Österreich für ein „inklusives Gesundheitswesen“:

1. Ärztliche Versorgung in Reichweite

2. Barrierefreiheit auf allen Ebenen

3. Wissen über die eigene Gesundheit

4. Schulungen für medizinische Fachkräfte

5. Gesicherte Datenlage

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