BI üs im Ländle. In der Textilwerkstatt in Sonntag-Buchboden führt Roswitha Mäser in die Webkunst ein

Seidige Fasern ganz fein verwoben

Konzentriert bei der Arbeit: Beatrix Schreiber, Friederike Reichhold (Göfis) und Lucie Morla. Fotos: TMH
Konzentriert bei der Arbeit: Beatrix Schreiber, Friederike Reichhold (Göfis) und Lucie Morla. Fotos: TMH

In Sonntag-Buchboden wird eine alte Handwerkskunst wieder­belebt.

sonntag. (VN-tmh) Sie sind konzentriert bei der Arbeit und sehen dabei glücklich aus, sichtlich stolz auf das, was in ihren Händen entsteht. In Sonntag-Buchboden übten sich vergangene Woche sechs Frauen in der ­Handwerkskunst des Webens.

In der alten Volksschule entstehen aus Seide, Wolle, Leinen und Baumwolle Textilien von höchster Qualität. Über Stunden lassen die Frauen die Schiffchen von einer Seite zur anderen gleiten, bringen die Fäden mit Holzklappen oder Fußhebeln in die richtige Position, um spezielle Farbeffekte zu erzielen, kunstvolle Muster ins Gewebe zu zeichnen. Drei der sechs Frauen machen dies zum ersten Mal. Kursleiterin Roswitha Mäser hat alle Hände voll zu tun, um ihnen die Funktion des Webstuhls zu erklären und beim Spannen der Kettfäden an die Hand zu gehen.

Umfangreiche Vorbereitungen

„Wir haben fast eineinhalb Tage für die Vorbereitungen gebraucht“, berichtet Bea­trix Schreiber aus Feldkirch-Altenstadt. Als Muster und Material feststanden, rechnete sie unter Anleitung der Kursleiterin den Bedarf an seidigen Fäden genau aus, spannte diese in den Rahmen und verknüpfte sie einzeln. Doch nun wächst ihr Werkstück stetig. Ein Tischläufer für Weihnachten soll es werden, weiß und rot. Die sechs Frauen wollten einfach einmal erleben, wie so ein Stück Stoff entsteht. Im ehemaligen Textilland Vorarlberg sind zwar immer noch einige Webstühle auf den Dachböden zu finden. Doch wie sie bedient werden, weiß kaum einer mehr.

Kursleiterin Roswitha Mäser ist vor zwölf Jahren für das Weben entflammt. Die erfolgreiche Schneidermeisterin, zu der über viele Jahre modebewusste Frauen aus dem weiten Umkreis pilgerten, hatte immer schon ein Faible für besondere Textilien, seidigen Griff und hochwertige Verarbeitung. Von jeder Reise bringt sie Fasern in leuchtenden Farben, von besonderer Geschmeidigkeit und jede Menge gute Ideen mit. Auf der Suche nach der perfekten Faser für ein besonderes Projekt nutzt sie auch das Internet. Brennnesselfasern etwa hat sie online direkt aus Nepal geordert. Oft färbt sie die Fäden mühevoll von Hand, bevor sie sie weiterverarbeitet. „Vieles ist nicht genau geplant, es entsteht einfach am Webstuhl“, erklärt die pensionierte Damenkleidermacherin, deren Heim in jeder Ecke mit – überraschend modernen – textilen Meisterwerken geschmackvoll ausgestattet ist.

Auf den Leib schneidern

Roswitha Mäser hat die ehemalige Schneiderwerkstatt in Thüringerberg für ihr Hobby umfunktioniert. Eine ganze Etage steht ihr zur Verfügung. Dort entstehen textile Bilder, Heimtextilien und hochwertige Stoffe, aus denen sie ihren Lieben Mäntel, Anzüge und Jacken auf den Leib schneidert. Damit das Wissen um die alte Handwerkskunst nicht verloren geht, hat sie gleich zugesagt, als im Heimatpflegeverein Sonntag die Idee einer Textilwerkstatt geboren wurde. Im Frühjahr und im Herbst gibt sie jeweils zwei Kurse, bei denen die sechs Webstühle stets rasch besetzt sind. Ihren Schützlingen zeigt Ros­witha Mäser Möglichkeiten auf, empfiehlt Muster, Material- oder Farbkombinationen, lässt ihnen aber viel kreative Freiheit. „Ich finde es immer wieder spannend, was am Webstuhl herauskommt“, freut sie sich, dass jeder Kursteilnehmer eine eigene Handschrift entwickelt. Ihr ist es wichtig, moderne Ideen umzusetzen. „Nur so ist sichergestellt, dass die Handweberei sich weiterentwickelt und nicht ausstirbt.“

Lucie Morla aus Fontanella hat Wolle mitgebracht, welche sie selbst gesponnen hat. Sie kombiniert diese mit Fasern aus dem Fundus der Kurs­leiterin und freut sich, wie sich ihr Werkstück Reihe um Reihe zum individuellen Schal auswächst. Die Arbeit macht ihr viel Freude, obwohl sie sich vorstellen kann, dass die Frauen früher beim Weben an Rückenschmerzen litten. „Man sitzt immer in der gleichen Stellung. Es macht nichts, wenn man mal ein Wochenende so zubringt. Aber ich möchte nicht jeden Tag am Webstuhl sitzen.“

Roswitha Mäser rät jedem Einsteiger, sich ganz auf das Weben einzulassen, bevor er oder sie einen Webstuhl für zu Hause anschafft. Die sind recht sperrig, mindestens 80 Zentimeter breit. Man braucht Platz für das textile Hobby. Wunderschöne Schals, Kissen, Taschen oder Läufer sind das Ergebnis von rund 24 Stunden Arbeit, größere Teile benötigen mehr Zeit. „Weben ist aber nicht nur ein Hobby, das Frauen fasziniert“, erklärt Roswitha Mäser. Zu ihrem nächsten Kurs sind auch zwei Männer angemeldet.

Helga Metzler (Dornbirn) lernt, wie die Kettfäden gespannt werden.
Helga Metzler (Dornbirn) lernt, wie die Kettfäden gespannt werden.
Roswitha Mäser experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien.
Roswitha Mäser experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien.
Brunhilde Sutter aus Nenzing verknüpft die Kettfäden.
Brunhilde Sutter aus Nenzing verknüpft die Kettfäden.
Beatrix Schreiber wickelt Garn auf die Spule für das Weberschiffchen.
Beatrix Schreiber wickelt Garn auf die Spule für das Weberschiffchen.
Es braucht etwas mehr Erfahrung, um Biesen direkt einzuweben.
Es braucht etwas mehr Erfahrung, um Biesen direkt einzuweben.
Luise Sutter aus Ludesch arbeitet an einem filigranen Vorhang.
Luise Sutter aus Ludesch arbeitet an einem filigranen Vorhang.
Die Kursleiterin verarbeitet selbst gewebte Stoffe zu Kleidung.
Die Kursleiterin verarbeitet selbst gewebte Stoffe zu Kleidung.
Auch aus Papiergarn entstehen am Webstuhl kunstvolle Dekos.
Auch aus Papiergarn entstehen am Webstuhl kunstvolle Dekos.

Handweberei

Eines der ältesten Handwerke

Weben gehört zu den ältesten Handwerkstechniken. In Vorarlberg wurde früher in vielen Haushalten die Aussteuer selbst gewebt. Die senkrechten Kettfäden werden in den Webstuhl gespannt, dann können die Querfäden (Schuss) Reihe für Reihe eingewoben werden. Mit Holzklappen oder Fußpedalen werden einzelne Fäden angehoben, um Muster zu gestalten.

Textilwerkstatt

Sonntag-BuchbodenWer sich für einen Webkurs in der Textilwerkstatt interessiert, kann sich direkt mit Rositha Mäser in Verbindung setzen: Tel: 05550/2110,

E-Mail: roswitha.maeser@gmx.at

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