Spitalskosten tun den Gemeinden ziemlich weh

von thomas hechenberger
Die Gemeinden werden für die Investitionen und Umstrukturierungen des LKH Bludenz zur Kasse gebeten. Foto: vol.at
Die Gemeinden werden für die Investitionen und Umstrukturierungen des LKH Bludenz zur Kasse gebeten. Foto: vol.at

Ungerechte Verteilung: Gemeinden im Süden des Landes müssen mehr bezahlen.

Bludenz. Nicht schlecht staunten die Bürgermeister im Einzugsgebiet des Bludenzer Landeskrankenhauses, als ihnen jüngst per Post die Vorschreibungen für die Spitalsgebühren zugestellt wurden. Für die Investitionen und Umstrukturierungen im Krankenhaus wurden ihnen saftige Rechnungen präsentiert.

„Wir Gemeinden haben keinen finanziellen Spielraum mehr und drehen in allen Bereichen jeden Euro um“, bestätigt Willi Müller, Bürgermeister in Thüringerberg. „Da tun solche Nachrichten natürlich schon weh“, klagt der Gemeindechef über die neue Quartalsabrechnung der Vorarlberger Krankenhaus­betriebsgesellschaft (KHBG). Die weist nämlich um über 16 Prozent gestiegene Kosten für das Spital Bludenz aus. Bei durchschnittlich 400 „Besuchstagen“ von Thüringerbergern ebendort eine Steigerung von 5864 Euro.

Immer mehr Aufgaben

„Diese Kostensteigerungen sind betrüblich, weil den Gemeinden auch sonst immer mehr Aufgaben aufgebürdet werden“, stellt Willi Müller fest. Ähnlich sieht man das in Bludesch, wo Bürgermeister Michael Tinkhauser und die Gemeinderäte durch eine freiwillige Gehaltsreduktion ab 2013 mit jährlich 10.900 Euro zur Sanierung des Gemeindebudgets beitragen wollen. Die Mehrkosten allein aus dem Titel Spitalskosten machen diesen edlen Verzicht allerdings schon wieder wett. In Nenzing musste gar ein Nachtragsvoranschlag genehmigt werden, weil die für heuer prognostizierten Mehrkosten für Spitalsaufenthalte 89.000 Euro ausmachen.

Diese Mehrkosten sind maßgeblich auf die Taggelder im Spital Bludenz zurückzuführen – welches für die Bevölkerung im Vorarlberger Süden im Notfall natürlich erste Anlaufstelle ist. Das LKH Bludenz ist nämlich mit Abstand das teuerste Landesspital. Für jeden Bürger, der hier verarztet wird, muss die Hauptwohnsitzgemeinde ein Taggeld von 105,53 Euro überweisen. Gegenüber dem bestens ausgestatteten LKH Feldkirch (91,04 Euro) betragen die Mehrkosten 16 Prozent, im Vergleich zum LKH Hohenems (73,12 Euro) kostet eine Nacht in Bludenz satte 44 Prozent mehr.

Hohe Investitionskosten

Begründet werden die hohen Taggelder in Bludenz einerseits mit den dort laufenden Investitionskosten. Nach derzeitigem Stand sind es 33,5 Millionen Euro, die bis zur Fertigstellung von Neubau und Altbausanierung bis Ende 2014 verbaut werden. Für die hohen Taggelder sind die Investitionen, die ja auf einen langen Zeitraum abgeschrieben werden, aber nur zu einem Teil verantwortlich: Sonst müssten auch die Taggelder in Hohenems viel höher sein, schließlich wurden auch dort zuletzt rund 30 Millionen Euro investiert.

Ganz wesentlich werden die Kosten in den Spitälern durch die dort angesiedelten Abteilungen bestimmt. Für jede medizinische „Dienstleistung“ gibt es eine bestimmte Punkteanzahl und entsprechende Geldmittel aus dem Versicherungstopf. „Die ,schneidenden‘ Disziplinen sind im Vorteil“, erklärt Gerd Platzer vom Gesundheitsressort im Amt der Landesregierung: Chirurgische Eingriffe werden besser vergütet als etwa die Versorgung von einfachen Frakturen mit Gipsverbänden.

Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard kennt die Problematik und verweist darauf, dass das Land mit Bedarfszuweisungen finanzschwächere Gemeinden besonders fördert. Trotzdem, so räumt er ein, besteht eine gewisse Schieflage, was die „Zuteilung“ der Spitalskosten anlangt. „Es gibt Überlegungen, die Gemeindebeiträge zu den Spitalskosten am Durchschnitt der Gesamtkosten zu orientieren“, sagt Bernhard. Der liegt bei den vier allgemeinen Krankenhäusern des Landes in Bregenz, Hohen­ems, Feldkirch und Bludenz bei 89,64 Euro.

Für Thüringerberg würde diese gerechtere Aufteilung eine Ersparnis – allein aus den Taggeldern des Spitals Bludenz – von 6356 Euro ausmachen. Die Stadt Bludenz müsste heuer 179.906 Euro weniger bezahlen als im derzeitigen System. Andererseits würden andere Gemeinden in der Nähe der kostengünstigeren Spitäler mehr bezahlen: Dies den betroffenen Gemeinden beizubringen, ist eine Herausforderung. Im VN-Gespräch bekräftigt Landesrat Christian Bernhard, dass er diese annehmen wird.

Wir Gemeinden haben keinen finanziellen Spielraum mehr.

willi müller

Taggelder

LKH Bludenz: 105,53 Euro

LKH Feldkirch: 91,04 Euro

LKH Bregenz 85,81 Euro

LKH Hohenems: 73,12 Euro

Höhe der Taggelder

Vom laufenden Defizit der einzelnen Spitäler zahlt das Land 60 Prozent, die restlichen 40 Prozent teilen sich die Gemeinden je nach Anzahl der Spitalsaufenthalte ihrer Gemeindebürger. Für jedes Spital werden dabei separate Defizitrechnungen angestellt. Die Höhe der Taggelder hängt maßgeblich davon ab, welche medizinischen Abteilungen im jeweiligen Spital untergebracht sind.

Das Taggeld muss von den Hauptwohnsitzgemeinden der Patienten an die Spitäler bezahlt werden. Berechnungsgrundlage ist der Jahresabschluss 2011.

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