Keßler-Nachfolger wird gesucht

von Andreas Dünser
Martin Keßler
Martin Keßler

Keßler tritt ab. Wallner „mit Schlussstrich zufrieden“. Wenig Geld in Schwarzgeld-Kasse.

Bregenz. (VN-ad) Das ging schnell: Am Donnerstag, nur einen Tag nach Bekanntwerden des Schwarzgeld-Skandals, zog Ex-Ruder-Nationaltrainer Martin Keßler von sich aus die Konsequenzen und trat als Leiter des Vorarlberger Olympiamodells zurück. Dies gab das Land in einer Aussendung bekannt. Der 50-Jährige soll demnach nach Gesprächen mit den Landesverantwortlichen von sich aus gekündigt haben, um – wie es hieß – „Ruhe in das Unternehmen zu bringen“.

Keßler nimmt Stellung

„Ich trete zurück, weil ich seit einem Dreivierteljahr damit spekuliere, den Job zu beenden“, sagte Keßler auf VN-Anfrage. Er habe immer deutlicher gespürt, dass „ich mit meiner Art, wie ich arbeite und Sachen bewegen will, immer mehr an Grenzen stoße“. Zu den Anschuldigungen wollte Keßler nicht dezidiert Stellung nehmen, er sagte nur: „Der Vorfall, der nicht so war, wie er geschildert wurde, hat mich in eine Situation gebracht, in der ich sage: Es ist besser, dass ich gehe.“ Warum? Weil er der Vision, die er aufgebaut habe, und der extremen Bewegung im Vorarlberger Sport „nicht im Weg stehen“ wolle. Weiter wollte sich der 50-Jährige nicht äußern. Er sagte nur: „Ich werde zu gegebener Zeit zu dem Ganzen Stellung nehmen und sehr viel Licht ins Dunkel bringen.“

LH: „Schlussstrich ist gut“

„Er hat von sich aus einen Schlussstrich gezogen – und das ist gut so“, sagte dagegen Landeshauptmann Markus Wallner (45). Eine weitere Zusammenarbeit mit Keßler wäre für ihn nicht infrage gekommen, „nicht nach diesem Vorgang“. Und Sportlandesrat Siegi Stemer (62) ergänzte: „Ich bin persönlich sehr betroffen.“ Wie geht es weiter? Wallner und Stemer warten darauf, dass die vom Land beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG rasch die bereits begonnene Prüfung der Causa beendet und Fakten auf den Tisch legen kann. „In der Sekunde“, in der von der Schwarzgeldkasse vernommen habe, habe er die Prüfung veranlasst, sagte der Landeshauptmann. Ein Ergebnis dieser Untersuchung wird in etwa zwei Wochen erwartet. „Und wenn die Ergebnisse der Prüfung vorliegen, werden wir an die Planung eines Neustarts gehen“, sagte Stemer. Eine Ausschreibung werde folgen. „Wir werden neue Personen brauchen, damit das Sportkonzept und alle weiteren Dinge in einer guten Form weitergeführt werden können.“ Laut Wallner wird gleichzeitig

mit der Prüfung der Sache „auch die ganze Struktur angeschaut“. Stemer hofft jedenfalls darauf, dass nun, durch den Rücktritt und noch zu setzende Maßnahmen, „ein noch größerer Imageschaden für den Vorarlberger Sport verhindert werden kann“.

In der Tat sind die Vorwürfe gegen Keßler massiv. Der 50-Jährige soll ja, wie die VN exklusiv berichteten, Gelder aus den Einnahmen von Lauftests an der Buchhaltung vorbeigeschmuggelt und damit eine Schwarzgeldkassa eingerichtet haben – um Mitarbeiter zu bezahlen und gewisse Zahlungen „unbürokratisch und schnell“ abwickeln zu können.

Kaum Geld in der Kasse

Wie Insider gestern berichteten, waren die Summen aber stets recht bescheiden. Demnach waren in dieser ominösen Schwarzgeld-Kasse die ganzen zwei Jahre, in denen sie geführt wurde, im Schnitt nie mehr als 1500 Euro. Mit den Lauftests sollen in diesem Zeitraum insgesamt 5200 Euro eingenommen worden sein. Und davon sollen in diesen zwei Jahren 3900 Euro an insgesamt acht externe Helferinnen geflossen sein, die bei Feldtests ausgeholfen hatten. Jetzt waren in der Kasse noch 1300 Euro. Das Ergebnis der Prüfung wird jedenfalls mit Spannung erwartet.

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