VN-Interview. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (48)

„Bin kein Polizist, der Raucher jagt“

von Iris Burtscher

Landesrat Bernhard fordert generelles Rauchverbot. Einen eigenen Vorstoß wagen will er aber nicht.

Bregenz. (VN-ib) Die Vorarlberger haben eine klare Meinung zum Nichtraucherschutz: 53 Prozent fordern ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie, 57 Prozent sind mit der Gesetzeslage unzufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt Meinungsforscher Edwin Berndt in der aktuellen VN-Umfrage. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard sieht es ähnlich: Er plädiert für ein allgemeines Rauchverbot in Lokalen. Mit dem geltenden Tabakgesetz, das viele Ausnahmen und keine Kontrollen vorsieht, ist auch Bernhard unzufrieden.

Rauchen Sie?

Bernhard: Nein. Als Student habe ich herumexperimentiert. Aber mittlerweile weiß ich zu viel über die gesundheitlichen Folgen und lasse es lieber sein.

Wie zufrieden sind Sie mit den aktuellen Rauchergesetzen?

Bernhard: Ich bin unzufrieden. Rauchen ist ein Killer. Man sollte mit vorsätzlichen Mördern nicht viel Gnade haben. Strikte Rauchergesetze wären wünschenswert. Das ist aber eine Gratwanderung: Nehmen wir zum Beispiel die Schweiz. Dort hat ein Volk gesagt: Nein, noch strengere Gesetze wollen wir nicht. Wahrscheinlich aus dieser Psychologie heraus, dass sich der Mensch nicht zu viel Verbote wünscht.

In der Schweiz sind zumindest Kontrollen der Gesetze vorgesehen. In Österreich gibt es das nicht. Werden die Regeln überhaupt eingehalten?

Bernhard: Nach meinem Gefühl: nein. Auch ich sehe immer wieder, dass die vorgeschriebene Trennung in Gasthäusern nicht ausgeführt wird. Die aktuelle Regelung ist zu lax. Wenn ich mir Dinge wünschen dürfte: Ich hätte gerne im öffentlichen Raum und in Gasthäusern ein striktes Rauchverbot.

Es bräuchte also mehr Kon­trollen und strengere Regeln?

Bernhard: Richtig, da müsste man nachbessern. Da müssen aber Legistiker her. Mit den jetzigen Anzeigen der Gäste funktioniert es nicht. Dass wir selbstständig Beamte beauftragen, Kontrollen durchzuführen, ist nicht möglich.

Stünde es nicht in Ihrer Macht, daran etwas zu ändern?

Bernhard: Ich bin kein Polizist, der die Raucher jagt. Mir berichten viele, dass sie die jetzige Regelung als unbefriedigend erachten. Ich glaube deshalb nicht, dass sie in Stein gemeißelt ist. Mittelfristig wird es Novellierungen geben.

Werden Sie dazu aktiv werden?

Bernhard: Einen eigenen Vorstoß habe ich vorläufig nicht geplant. Ich setze auf Prävention.

Es gibt EU-weit Pläne, Zigarettenschachteln abschreckender zu gestalten. Begrüßen Sie das?

Bernhard: Das ist ein Feigenblatt für das nicht angegangene Grundproblem. Nachdem in anderen Ländern Schachteln mit abschreckenden Fotos herausgekommen sind, gab es wenige Tage später geeignete Abdeckhüllen. Das Bild einer Krebslunge auf eine Packung zu kleben, wirkt nicht. Man spricht in der Wissenschaft von kognitiver Dissonanz: Der Mensch weiß, dass es schadet, macht es aber trotzdem.

Rauchen ist ein Killer. Man sollte mit vorsätzlichen Mördern keine Gnade haben.

Christian Bernhard
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