Die Kleinwalsertaler sagen Nein zur Panoramabahn

von Geraldine Reiner
Andreas Hehl und Fabienne Leissing kamen mit den Nichten Mila, Lia und Nika zur Stimmabgabe. Fotos: VN/Hofmeister
Andreas Hehl und Fabienne Leissing kamen mit den Nichten Mila, Lia und Nika zur Stimmabgabe. Fotos: VN/Hofmeister

Das Volk hat entschieden: 54,87 Prozent wollen die Bahn nicht. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,4 Prozent.

Riezlern. (VN-ger) Er hatte gehofft, dass er sie nicht brauchen würde. Mitgenommen hatte sie Vorstand Augustin Kröll trotzdem, „sicherheitshalber“. Die vorbereitete Presse-Information der Kleinwalsertaler Bergbahn AG (KBB) für den Fall, dass sich die Talbewohner gegen die Panoramabahn aussprechen. Kurz nach 14 Uhr stand das Ergebnis fest und Kröll kramte enttäuscht in seiner Klarsichthülle. 54,87 Prozent (1600 Bürger) kreuzten am gestrigen Sonntag „Ja“ an und stimmten somit gegen die knapp 2,5 Kilometer lange Pendelbahn über das Schwarzwassertal.

Insgesamt waren 3930 Kleinwalsertaler aufgerufen, ihre Meinung kundzutun. 2924 haben es schlussendlich getan. Die Wahlbeteiligung lag somit bei 74,4 Prozent. Noch nie zuvor hatte es in Vorarlberg zum Bau einer Seilbahn eine Volksabstimmung gegeben. Noch nie zuvor hatten sich die Vorarlberger so massiv gegen ein Seilbahn-Projekt gewehrt. Die Fronten im Tal waren lange Zeit verhärtet. Die Befürworter erhofften sich durch die Verbindungsbahn vom Ifen zum Walmendingerhorn mehr Gäste und mehr Umsatz. Die Gegner befürchteten den Einzug des Massentourismus, Verkehrslawinen sowie massive Beeinträchtigungen für die Natur.

Freud und Leid

Zwei Minuten vor 13 Uhr warf ein junger Mann im Gemeindeamt in Riezlern den letzten Stimmzettel in die Urne. Mit dem Glockenschlag der Kirchenuhr wurden die Medienvertreter schließlich vor die Tür gebeten. Nach knapp einer Stunde waren die Stimmen in den drei Wahllokalen Riezlern, Hirschegg und Mittelberg ausgezählt. Sehr zur Enttäuschung von Bergbahnen-Vorstand Augustin Kröll. „Ich bin von einem positiven Votum ausgegangen. Aber wir respektieren dieses Ergebnis. Leider hat damit das Kleinwalsertal eine große Chance vertan“, glaubt Kröll. Die Anlagen am Ifen würden nun wie bisher weiterbetrieben. „Die Betriebsgenehmigung dafür besteht noch viele Jahre.“ Die KBB hatte bereits vor der Volksabstimmung angekündigt, dass ohne die Panoramabahn auch die Modernisierung der Ifen- und Hahnenköpflebahn sowie die neue Verbindung Heuberg/Parsenn ins Wasser fallen – Maßnahmen, die allerseits begrüßt werden. Einen Verkauf des Ifens schließt der KBB-Vorstand dezidiert aus, da man die Bahnen vor drei Jahren mit der Absicht erworben habe, ein Gesamt­skigebiet Kleinwalsertal zu verwirklichen. „Wir kennen außer unserem Konzept keinen Vorschlag, der dieses Ziel erreichen würde.“

Weniger überrascht über das Ergebnis zeigten sich die Bahn-Gegner sowie Bürgermeister Andi Haid. „Ich hatte es irgendwie im Gefühl“, sagt Haid. Das Ergebnis sei ein klares, die Bahn werde in dieser Form nicht gebaut, verspricht er. Für Haid gibt es indes keinen Grund, betrübt zu sein. „Im Tourismus sind sehr viele Projekte am Laufen. Wir haben nach wie vor ein gutes bestehendes Skigebiet“, gibt sich das Gemeindeoberhaupt optimistisch. Dennoch habe die Gemeinde Interesse da­ran, dass das Ifen-Gebiet modernisiert und saniert werde. „Wir werden Gespräche mit den Bergbahnen aufnehmen“, kündigt Haid an und hofft, dass nun „Ruhe im Tal einkehrt und die Befürworter das Ergebnis akzeptieren.“

„Votum für den Ifen“

„Einen Tag des Feierns“ erlebten gestern die Antragsteller der Volksabstimmung, die Hoteliers und Gemeindevertreter Hermann Haller und Markus Fritz. „Ich war immer davon überzeugt, dass es eine klare Mehrheit gibt, die ein schlechtes Konzept nicht will“, freut sich Haller. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Betreiber ihren Plan B aus der Schublade ziehen. Als ein klares Votum „für den Ifen und gegen den Massentourismus“ sieht Karl Keßler (Verein Landschaftsschutz Kleinwalsertal) den Ausgang des Volksentscheids: „Jetzt geht es darum, gemeinsam in die Zukunft zu schauen und gemeinsam einen Weg zu finden.“

Eine „kluge und weitsichtige Entscheidung“, befindet auch Johannes Rauch, Klubobmann der Vorarlberger Grünen. „Damit wird der Weg frei gemacht für die bessere Lösung. Modernisierung muss nicht gleichgesetzt werden mit Wettrüsten,“ sagt er. Die Entscheidung habe Si­gnalcharakter. Jetzt sollten, so Rauch, rasch die Weichen gestellt werden für ein Natura-2000-Gebiet am Hohen Ifen, „damit diese einzigartige Naturlandschaft auch künftig erhalten bleibt“.

Peter Moser,
21, Riezlern
Ich bin unglücklich, dass die Panoramabahn nicht kommt. Sie wäre ein Fortschritt gewesen. Ich hoffe, dass die Kleinwalsertaler Bergbahnen ihre Drohungen nicht wahrmachen.
Peter Moser, 21, Riezlern Ich bin unglücklich, dass die Panoramabahn nicht kommt. Sie wäre ein Fortschritt gewesen. Ich hoffe, dass die Kleinwalsertaler Bergbahnen ihre Drohungen nicht wahrmachen.
Clemens Fink,
16, Riezlern
Ich finde das super. Es gehört sich nicht, die Bevölkerung so zu erpressen. Aber ich denke, dass die Panoramabahn trotzdem kommen wird – mit Geld bekommt man schließlich alles.
Clemens Fink, 16, Riezlern Ich finde das super. Es gehört sich nicht, die Bevölkerung so zu erpressen. Aber ich denke, dass die Panoramabahn trotzdem kommen wird – mit Geld bekommt man schließlich alles.
2924 Kleinwalsertaler haben bei der Volksabstimmung Stellung zur Panoramabahn bezogen.
2924 Kleinwalsertaler haben bei der Volksabstimmung Stellung zur Panoramabahn bezogen.
Sonja Koplenig,
37, Riezlern
Ich finde das Ergebnis gut. Ich arbeite am Ifen und lebe vom Tourismus. Aber man muss nicht übertreiben und so eine riesiges Ding hinstellen. Das passt nicht zum Kleinwalsertal.
Sonja Koplenig, 37, Riezlern Ich finde das Ergebnis gut. Ich arbeite am Ifen und lebe vom Tourismus. Aber man muss nicht übertreiben und so eine riesiges Ding hinstellen. Das passt nicht zum Kleinwalsertal.
Maria Monsberger,
65, Hirschegg
Man muss das Ergebnis akzeptieren, die Mehrheit hat entschieden. Es wäre jedoch an der Zeit, dass etwas gemacht wird. Das Kleinwalsertal hängt bereits jetzt anderen Regionen hinterher.
Maria Monsberger, 65, Hirschegg Man muss das Ergebnis akzeptieren, die Mehrheit hat entschieden. Es wäre jedoch an der Zeit, dass etwas gemacht wird. Das Kleinwalsertal hängt bereits jetzt anderen Regionen hinterher.
Julia Ott,
20, Baad
Ich bin froh, dass die Volksabstimmung so ausgegangen ist. Ich bin zwar dafür, dass im Kleinwalsertal etwas passiert. Aber die Vorgehensweise war für mich nicht in Ordnung.
Julia Ott, 20, Baad Ich bin froh, dass die Volksabstimmung so ausgegangen ist. Ich bin zwar dafür, dass im Kleinwalsertal etwas passiert. Aber die Vorgehensweise war für mich nicht in Ordnung.
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