VN-Interview. Richard Amann (55), Hohenemser Bürgermeister

„Ohne Absolute geht es besser“

Amann: „Das Klima in Hohenems ist viel konstruktiver geworden. Alle übernehmen Verantwortung.“ Foto: vn/hb
Amann: „Das Klima in Hohenems ist viel konstruktiver geworden. Alle übernehmen Verantwortung.“ Foto: vn/hb

Amann verspricht neues Betriebsgebiet. „Am Emsbach“-Lösung nach Abschluss der Bürgerbeteiligung.

Hohenems. (VN-sca/ad) Die wirtschaftliche Entwicklung soll bald rasanter werden. Der Bürgermeister glaubt an eine Lösung bei der Umwidmung der Gründe neben der Autobahn. Und die „vision­stadthohenems“ soll der große Wurf für die Stadt werden.

Herr Bürgermeister, Hohenems war immer für sein unruhiges politisches Klima bekannt. In letzter Zeit ist es ruhiger geworden. Hat Hohenems das Streiten verlernt?

Amann: Hohenems hat noch nie gestritten. Zugegeben, es war nicht immer einfach. Seit aber die Absolute der ÖVP weg ist, ist das Klima viel konstruktiver geworden. Es wird mehr diskutiert – alle übernehmen Verantwortung.

Das klingt gut, aber geht wirklich etwas weiter in der Stadt?

Amann: Hohenems hat sich die letzten Jahre sehr gut entwickelt, es sind viel Dinge passiert, die für die Stadt wichtig sind. Wir haben endlich eine neue Verkehrsführung. Der Bahnhof wird neu, der Emsbach ist besser in den Schlossplatz integriert. Die Verlegung der Straße war ein langes Anliegen. Jetzt geht es noch um Feinabstimmungen. Und wir müssen den Leuten beibringen, dass es auf der neuen Hauptachse sicherer durch die Stadt geht. Das ist eine Gratwanderung zwischen Beruhigung und „Nix mehr los“.

Das ist aber noch nicht das ganze Verkehrskonzept für Hohenems . . .

Amann: Nein, das ist eine gute Grundlage für weitergehende Untersuchungen. Das wird auch in dem Prozess „visionstadthohenems“ mitbehandelt. Jetzt geht es darum, eine für die Stadt gute Lösung zu finden. Wir haben Geschäfte da, wir haben Bewohner in der Innenstadt.

Womit will man diese Menschen in die Stadt locken?

Amann: Da sind wir dran, das alles aufzuwerten. Das ist die Sanierung des Löwen oder jetzt des Messnerhauses. Die Altstadt, die auch unter Ensembleschutz steht, wollen wir zusammen mit der Bevölkerung und mit Investoren aufwerten.

Einer der Investoren ist gerade abgesprungen . . .

Amann: Das ist ein schmerzhafter Rückschlag. Wir hatten eigentlich eine sehr gute Kooperation und waren kurz vor dem Abschluss. Und dass das jetzt durch solche Entwicklungen verhindert wird, ist sehr unangenehm.

Bürgermeister Berchtold hat im Interview mit den VN eine Änderung des Finanzierungsschlüssels zwischen Gemeinden und Land gefordert. Können Sie sich dem anschließen?

Amann: Wenn es mehr Geld gibt, sind wir immer sehr dankbar. Hohenems hat jetzt das Krankenhaus an das Land abgetreten. Wir haben dafür auch Geld bekommen. Selbst hätten wir das gar nicht stemmen können, was die Adaptierung des Krankenhauses kostet. Es ist und bleibt aber das Hohenemser Krankenhaus.

Die Gemeinden werden sukzessive neue Aufgaben übernehmen müssen, die Mittel stehen aber oft nicht zur Verfügung.

Amann: Wir haben auch die Seniorenheime privatisiert, wir haben keine finanzielle Belastung mehr. Der Betrieb kostet der Stadt nichts und wir bekommen Miete.

Sie sind also zufrieden?

Amann: Zufrieden sind wir nicht. Die Aufgaben belasten uns sehr stark. Die Errichtung und die Erhaltung der Infrastruktur bei Kindergärten und Schulen bezahlen wir selbst. Das ist nicht immer einfach.

Gemeinnütziger Wohnbau: Was tut die Stadt Hohenems in diesem Bereich?

Amann: Gemeinnütziger Wohnbau hat in der Stadt Hohenems schon eine sehr lange Tradition. Wir haben in den 60er- und 70er-Jahren große Anlagen gebaut, wie man sie heute nicht mehr baut. Die haben sich aber trotz anfänglicher Probleme sehr gut entwickelt. Wir haben 900 Wohnungen im Bestand, und es kommen ständig neue dazu. Derzeit haben wir 300 Wohnungssuchende in Hohenems.

Zur „visionstadthohenems“: Die Wirtschaft scheint eines der Themen zu sein, wo Hohen­ems Aufholbedarf hat.

Amann: Wir haben einige sehr gute Betriebe. Wir haben an Textilindustrie verloren, aber die Standorte haben sich sehr gut entwickelt, sind jetzt Gewerbeparks mit sehr innovativen, kleinen Betrieben. Was uns fehlt, sind Betriebsflächen. Fast alle bebaubaren Flächen sind in der Grünzone oder in der Blauzone. Wir arbeiten massiv darauf hin, dass die Teilflächen bei der Autobahn jetzt umgewidmet werden.

Wenn es nach Ihnen ginge, wäre die Grünzone Geschichte?

Amann: Hohenems ist dadurch extrem eingeschränkt. Wir müssen schon für künftige Generationen denken, aber die Grünzone soll nicht so starr sein, dass eine Weiterentwicklung der Kommune verhindert wird.

Hindert das Land die Stadt Hohenems am Wachsen?

Amann: Eine Verbauung darf nicht nur aus wirtschaftlichem Blickwinkel gesehen werden, das Gesamtgefüge muss passen. Wir haben jetzt 15 Jahre über die Umwidmungen geredet, jetzt sind wir einer Lösung sehr nahe.

Eine letzte Frage: Was zeichnet die Stadt Hohenems aus?

Amann: Hohenems ist eine Stadt mit sehr viel Potenzial, und ich denke, dass sich hier in den nächsten Jahren viel tun wird. Wir werden uns hier im Rheintal am stärksten entwickeln.

Bürgermeister Amann zum Thema ,,Am Emsbach“

Aktivität der Fa. Schertler-Alge in Hohenems.

Die jetzige Entwicklung am Emsbach war Ausschlag dafür, das Projekt in der Marktstraße zurückzustellen und die eigene Fläche am Emsbach zu entwickeln.

Rückkauf des Grundstücks, Gespräch mit dem Besitzer.

Anton Amann hat verkauft und hält an diesem Verkauf fest. Der Wunsch, dass die Stadt dieses Grundstück kauft, ist nicht der Wunsch der Gremien, sondern einzelner Personen und derzeit nicht vorstellbar.

1200 Unterschriften – fast alle aus dem bürgerlichen Lager.

Ich weiß nicht, ob es 1200 sind. Ich habe die Unterschriften noch nie gesehen. Die Formulierung, die zu den Unterschriften führt, ist durchaus vernünftig: Es geht um eine qualitativ hochwertige Nutzung dieses Areals. Im Moment ist man eher dabei, eine große Chance zu vertun.

Visionsprozess und „Am Emsbach“ – zwei verschiedene Dinge.

Die Vision ist ein Prozess, der weit über das Projekt „Am Emsbach“ hinausreicht, aber wir können nichts aus diesem Prozess herauslösen.

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