Hinter den Kulissen

Unruhige Zeiten in der Fachhochschule

Kanzler Faymann mit ÖVP-Mitarbeitern am Warther Karhorn.
Kanzler Faymann mit ÖVP-Mitarbeitern am Warther Karhorn.

Wechsel. Der Fünfjahresvertrag der aktuellen Geschäftsführerin Hedwig Natter läuft Ende des Jahres aus – wie die VN berichteten, wird die Funktion der Geschäftsführung nun neu ausgeschrieben, Natter will sich auch wieder bewerben. „Ein Routinevorgang“ sei diese Ausschreibung, sagte Landesrätin Andrea Kaufmann am Donnerstag. Routine? Hinter den Kulissen ergibt sich ein völlig anderes Bild. Da wird berichtet, dass sich Kaufmann längere Zeit vehement gegen eine Ausschreibung gewehrt haben soll. Kaufmann wollte Natter weiterhin als Geschäftsführerin der Fachhochschule sehen, gegen intensive Widerstände mehrerer Personen im Fachhochschul-Aufsichtsrat. So wird die Tatsache, dass nun überhaupt ausgeschrieben wird, bereits als deutlicher Hinweis gewertet, dass sich die Natter-Kritiker durchgesetzt haben und sich damit auch eine personelle Veränderung in der FH-Geschäftsführung abzeichnet – wieder einmal. Markus Linhart war der erste Geschäftsführer der FH – er wechselte in die Politik, wurde Bregenzer Bürgermeister. Alle nachfolgenden Geschäftsführer gingen vorzeitig und mehr oder weniger freiwillig – auf Linhart folgte Wolfgang Kremser, ihm wiederum Kurt Koleznik, dessen Vertrag nicht verlängert wurde. Auf Koleznik folgte Vaheh Khachatouri, der überraschend zu Delunamagma wechselte. Natter, die jetzige Geschäftsführerin war bei ihrer Bestellung übrigens nur „zweite“ Wahl. Sie kam vor vier Jahren nur deshalb zum Zug, weil der erstgereihte Bewerber kurzfristig absagte. Zur Disposition steht laut Insidern allerdings nicht nur Natter, sondern auch Rektor Lars Frormann – gegen den Deutschen, der immer wieder durch recht skurrile Vorträge auffällt, gibt es offenbar vor allem Fachhochschul-interne Widerstände.

Humor. Auch in sozialen Netzwerken beschäftigte Christoph Hagens Wechsel die Politiker. Der Vorarlberger Grünen-Chef Johannes Rauch nahm es mit Humor und startete eine Umfrage: „Soll ich auch zu Stronach wechseln? Wenn ja, welches Ministeramt soll ich anstreben, wenn ER Kanzler ist?“ FPÖ-Klubchef Dieter Egger echauffierte sich derweil: „ Wenn man den Hagen kennt, wundert man sich aber nicht. Er wechselt seine Gesinnung wie seine Unterhosen und für einen politischen Posten würde er alles verkaufen.“ Hämisch kommentiert auch FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl: „Der Schlussverkauf beim BZÖ hat begonnen. Es läuft die politische Restlverwertung.“ BZÖ-Abgeordneter Stefan Petzner hatte am Donnerstag noch auf Twitter gewettet: „Niemand vom BZÖ wird morgen bei Stronach-PK präsentiert!“ Diese Wette hat er jedenfalls verloren, wie er anderntags zugab: „Wenn jemand sein Ehrenwort gibt, vertraue ich darauf. Offensichtlich ist das ein Fehler.“ Sein Bündnis reagierte jedenfalls trotzig auf Hagens Entscheidung: Über den Pressedienst wurde am Freitagvormittag erneut das VN-Interview verschickt, in dem Hagen einen Wechsel zu Stronach tags zuvor als Blödsinn bezeichnete.

Gipfeltreffen. Wie klein doch die Welt ist: Mitarbeiter der ÖVP-Landesgeschäftsstelle rund um Geschäftsführer Dietmar Wetz bestiegen vor Kurzem das Warther Karhorn (2416 m). Auf dem Gipfel angekommen, staunten die Vorarlberger nicht schlecht, trafen sie in lichter Höhe doch ausgerechnet Werner Faymann. Der Bundeskanzler hatte mit einer befreundeten Familie ebenfalls das Karhorn erklommen – es kam also, im wahrsten Sinn des Wortes, zu einem Gipfeltreffen. Mit einem Unterschied zur traditionellen Politik freilich – man habe sich zwar nur kurz, aber dennoch bestens unterhalten, wurde berichtet.

Interne Kritik. Dicke Luft herrschte in der jüngsten internen Sitzung des ÖVP-Landtagsklubs, als die Sprache nochmals auf den Fall Albert Hofer kam. Wie Teilnehmer der Sitzung später berichteten, wurden dabei vor allem die Landtagsabgeordneten Hofer und Matthias Kucera für ihre Auftritte im Landtag gerügt. Kucera – er war Hofers Anwalt bei dem umstrittenen Grundstückspreis – hatte sich im Plenum zum Ärger einiger in der Tat wie Hofers Rechtsbeistand gebärdet. Verübelt wurde Kucera aber vor allem die Aussage, alle involvierten Parteien hätten den absolvierten Deal schließlich bei einem Abendessen ausgelassen gefeiert. Hofer wurde wiederum dafür kritisiert, dass er in seiner Privatsache ans Rednerpult geeilt war – und den Landtag damit quasi für eigene Zwecke missbraucht habe. In der Sitzung zeigte sich im Übrigen auch, dass die zuletzt so propagierten Bürgerräte recht umstritten sind – vor allem Bürgermeister, so heißt es, stehen dem Konstrukt eher skeptisch gegenüber.

Zitate der Woche

Der Punkt ist erreicht, an dem ich mich von der Opposition verseckelt fühle.

Roland Frühstück (54), ÖVP-Klubchef, in Sachen Akteneinsicht

Die eigenen Wurzeln zu spüren, das ist ein enormer Reichtum.

Doris Raffeiner (42), Landwirtin in Hittisau

Der Leitantrag ist unmissverständlich, dazu muss man nicht Germanistik studiert haben.

Elmar Mayer (59), SPÖ-Nationalrat

Ich habe bisher die Bremse zum Nichtstun noch nicht gefunden.

Günter Lampert (71), Alt-Landtagsvizepräsident

Die Kathi Lins hat ein enormes Wissen. Nur hält sie damit immer hinter dem Berg.

Michael Manhart (70), KMU-Preisträger 2012, bei der Preisverleihung

Was ich gerne von Michael Grabner hätte? Seinen Vertrag.

Markus Peintner (30), Eishockeycrack beim VSV, über NHL-Spieler Grabner

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