Strom für 25.000 Haushalte

von Thomas Matt

Kavernenkraftwerk im Pfänder wird immer wahrscheinlicher. Experten prüfen bis 2014.

Lochau. Alles hängt an einer Boje. Sie dümpelt etwa 600 Meter vor der Mündung der Bregenzerach im See. Bis auf 30 Meter Tiefe hinab messen sensible Geräte Strömungsverhältnisse und Einschichtung, Temperaturwechsel und Trübungen. Die Kardinalsfrage lautet: Sollten die Illwerke VKW der Bregenzerach beim Speicher Bozenau zur Stromerzeugung Wasser entnehmen, in einer Druckrohrleitung durch den Pfänder pressen und es nach der Kraftwerkskaverne bei Lochau dann in den See führen, welche Folgen hätte das? Es geht immerhin um Strom für 25.000 Haushalte.

Messungen bis Ende Jahr

Bis Ende 2013 wird ein Stuttgarter Ingenieurbüro die Werte messen, „dann erstellen wir ein hydrodynamisches Modell“, erklärt Dietmar Buhmann vom Umweltinstitut. Diese Berechnungen werden bis weit ins Jahr 2014 hinein andauern. Sollte das Achwasser die Bregenzer Bucht beeinträchtigen, möchten die Planer die Fracht durch eine Leitung am Seegrund bis zur Achmündung führen und erst dort in den See entlassen. Die Abteilung Wasserwirtschaft des Landes untersucht laut Vorstand Thomas Blank derweil den Grundwasserkörper: Der reicht im Großraum Bregenz auf erstaunliche 200 Meter Tiefe hinab. Ein Schatz, den es zu hüten gilt: Die Haushalte von Bregenz, Hard, Lauterach und Wolfurt schöpfen ihr Wasser aus diesem Reservoir. Bis Anfang 2013 will Blank im Detail bestätigt wissen, was er im Groben heute schon sagen kann: „Der Ach für ein weiteres Kraftwerk Wasser zu entnehmen, gefährdet das Grundwasser nicht.“

Bleibt die Frage, wo das Krafthaus mit Turbine errichtet werden soll: Nahe der Mündung der Ach? Das wird immer unwahrscheinlicher, weil der Naturschutz hier Grenzen setzt. Im Bregenzer Weidach? Da schwindet die Energieausbeute auf beinah die Hälfte. Oder im Pfänder? Ingenieure müssten eine Kaverne in den Fels sprengen, etwa 60 Meter lang, 24 Meter breit und 40 Meter hoch – doppelt so groß wie der Feldkircher Dom. Peter Matt, Chefingenieur der Illwerke VKW, umreißt lediglich „ungefähre Größenordnungen“.

Immerhin: Während die K.-o.-Kriterien wie Grundwasser und Seeeintrübung geprüft werden, haben die Illwerke VKW schon einmal ein Grundstück auserkoren, auf dem die Baustelle eingerichtet würde. Die rund 4,5 Hektar gehören zur Hälfte der Creditanstalt und zwei privaten Besitzern. Auch in Aussicht gestellt haben die Illwerke VKW, dass der gigantische Ausbruch des Unterfangens als weitere Verbreiterung der Pipeline aufgeschüttet werden könnte.

„Das würde die Copacabana des Bodensees“, gehen Lochaus Bürgermeister Xaver Sinz die Gäule durch. Er hat mit Teilen der Gemeindevertretung bereits im Sommer die Kaverne von Kops II besichtigt. Beeindruckt zeigt er sich von den Dimensionen der Ingenieursleistung, aber auch vom Umstand, dass nach außen nichts weiter als ein Tor und etwas Belüftung sichtbar bleiben. Illwerke VKW wollen frühestens 2014 einen Sondierstollen für den Pfänder beantragen. „Dazu brauchen wir ein wasserrechtliches, Natur- und Landschaftsschutzverfahren“, sagt Peter Matt.

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