VN-Serie. 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil (3 von 5)

Wie Kleidung und Kirchen neu gestaltet werden

von Thomas Matt
St. Martin bei der Seligsprechung von Provikar Lampert vor einem Jahr: Unmittelbar nach dem Konzil wurde die Kirche umgebaut. Alles schart sich nun um die Altarinsel in der Kirchenmitte. Foto: VN/Stiplovsek
St. Martin bei der Seligsprechung von Provikar Lampert vor einem Jahr: Unmittelbar nach dem Konzil wurde die Kirche umgebaut. Alles schart sich nun um die Altarinsel in der Kirchenmitte. Foto: VN/Stiplovsek

In Vorarlberg werden die Neuerungen des Konzils bald in großen Umbauten sichtbar.

Dornbirn. Der weite Platz im Herzen Dornbirns hat schon viel gesehen: Die umjubelten Aufmärsche der Nationalsozialisten; 1947 standen dann Tausende Jugendliche hier, die den katholischen Landjugendtag feierten. 20 Jahre später „fuhren die Bagger auf.“ Pfarrer Josef Schwab erinnert sich gut an den dicken Betonmischer, der mitten im Kirchenschiff quasi den Kitt erzeugte, der die neu geschaffene Altarinsel künftig verankern sollte.

„St. Martin sähe ohne Zweites Vatikanisches Konzil heute anders aus“, sagt Diözesan-administrator Benno Elbs. Als junger Theologiestudent hat er Anfang der 1980er-Jahre seine Professoren oft mit wenig Verständnis vom Konzil erzählen hören. Bis ihn einer einmal zur Seite nahm mit den Worten: „Ihr Jungen könnt euch ja gar nicht vorstellen, was das Zweite Vaticanum bedeutet hat.“

Strümpfe und Schnallen

Dem ersten Vorarlberger Bischof wurde die Bedeutung in den Jahren vor der Konzilseröffnung klar vor Augen geführt. Davon zeugt ein reger Briefwechsel zwischen dem damaligen Weihbischof Bruno Wechner und der Administration in Rom.

Wie stark die Kirche anfangs noch in alten Riten verhaftet war, beweist die ellenlange Liste an Kleidervorschriften, die den rund 2500 Bischöfen in aller Welt im August 1962 übersendet wird: Pluviale (Rauchmantel) und Mozetta (Schulterkragen mit Kapuze) sind mitzubringen, Seide und Wolle, rot, violett oder weiß, diese oder jene Strümpfe, Schuhe, Schnallen . . . Ein deutscher Bischof gewährt dem Konzilsbeobachter und Jesuiten Mario von Galli bestürzt Einblicke in seinen Kleiderschrank: „Das alles muss ich mitschleppen.“

Ihre persönlichen Themenvorschläge haben die Bischöfe bereits 1959 nach Rom geschickt. Die Kommission unter Kardinal Domenico Tardini hat im Mai 1959 3000 Schreiben an Bischöfe und Universitäten verschickt. 2000 Anworten trudeln im Laufe des Jahres ein, darunter auch Wechners Wünsche.

Der agiert vorsichtig. Er schreibt in lateinischer Sprache und wünscht sich gleich – so einer seiner Vorschläge –, dass der Vatikan Eingaben künftig auch in deutscher Sprache akzeptieren solle. Im Wesentlichen formuliert er drei Themen, die er vom Konzil behandelt sehen möchte:

» Einmal will der Weihbischof, der von 1968 bis 1989 Österreichs jüngste Diözese leiten wird, von den Konzilsvätern wissen, welche Rolle eigentlich die Muttergottes im Heilsplan spielt.

» Zweitens wünscht er sich Aufklärung über die Stellung der Bischöfe in der kirchlichen Hierarchie.

» Zum Dritten möchte er mit seinen 2500 Kollegen im Bischofsamt beim Konzil die Ämter und Rechte der Laien definieren.

Ein neuer Kalender

Schlussendlich formuliert Bruno Wechner eine ganze Reihe von Detailfragen zum Kirchenrecht, die aber mit den Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils fast alle gegenstandslos werden. Der gebürtige Götzner verrät in seinem Schreiben keinerlei reformerische Ambition.

Einen speziellen Schriftverkehr hat er dagegen in seinen Papieren aufbewahrt, der ihn bis zu Block D, Sitz 622 verfolgt, wo Wechner im Petersdom die Plenarsitzungen miterlebt. Der Pfarrer von Thüringerberg, Wilhelm Hartmann, hat nämlich ein besonderes Anliegen. In Eigenregie hat er den geltenden Kalender reformiert und ersucht nun den „hochwürdigsten Herrn Bischof“, diesen neuen Kalender am Konzil der Weltkirche zu unterbreiten.

Das tut Wechner nicht. Dennoch erhält er laufend verbesserte Varianten aus Thüringerberg direkt nach Rom geschickt. Lauter kleine, leicht skurrile Grüße aus der Heimat.

Lesen Sie morgen:
Wie die Neuerungen in Vorarlberg aufgenommen werden.

Bischof Paulus Rusch und Bruno Wechner in Rom. Foto: Diözese
Bischof Paulus Rusch und Bruno Wechner in Rom. Foto: Diözese

Ausstellungen

» Die Konzile der KircheVom 12. Oktober bis Juli 2013 in der Diözesanbibliothek im Kloster Altenstadt. Sie gibt einen Überblick über die 21 ökumenischen Konzile der Kirche.

» Neue Räumevom 19. Oktober bis 19. Dezember 2012 im Bildungshaus Batschuns; 25 Beispiele erzählen, wie sich Kirchenräume nach dem Konzil verändert haben.

» Acht Bauzäunebietet die Diözese Schulen und Pfarreien an, um einen Überblick über die Themen des Konzils zu erhalten.

» Über Johannes XXIII. hat Willibald Feinig eine Wanderausstellung gestaltet, die in der Medienstelle der Diözese entlehnt werden kann.

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