Für Hunde einen Führerschein

Hundepsychologin Ruth Hochstätter mit ihren Labradors. Foto: lerch
Hundepsychologin Ruth Hochstätter mit ihren Labradors. Foto: lerch

73 Mal biss unser bester Freund im letzten Jahr zu. Wie schützt man sich davor?

schwarzach. (VN-sca) Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist eine Geschichte falscher Kommunikation. Hunde und ihre Besitzer, Hunde und Hundephobiker – sie sprechen in verschiedenen Sprachen zueinander. Sie missverstehen sich, und das führt in vielen Fällen zum finalen Biss. Der ist für den Gebissenen – besonders oft sind das Kinder – schmerzhaft und traumatisierend und kann für den beißenden Hund ganz unangenehme Folgen haben. Vom Maulkorb bis zur Tötung des Tieres. Hundebesitzer verstehen das am wenigsten, obwohl sie es sind, die in vielen Fällen, so die Erfahrungen der international bekannten Hundetrainerin Ruth Hochstätter, Verursacher des Konfliktes sind.

Für Hunde einen Führerschein

Überhaupt: Die „Hundeflüsterin“ glaubt, dass in den meisten Fällen nicht der „Hundephobiker“, sondern der Hundehalter, der mit seinem liebsten Freund einfach nicht richtig umzugehen gelernt hat, Schuld trägt. „Ich bin dafür, dass jeder Hundehalter einen Hundeführerschein machen soll. Ich kann mir vorstellen, dass es dabei eine Staffelung gibt. Für Schoßhunde könnte man eine kleinere Prüfung machen.“ Die Leute seien sich oft nicht bewusst, was sie sich mit dem Wesen Hund mit nach Hause nehmen. „Ein Hund braucht viel Zeit und Zuwendung, die Erziehung ist nur mit dem nötigen Know-how zu bewältigen“, warnt sie vor allzu naiven Vorstellungen, die oft in Enttäuschung und Ärger (vor allem mit bedrohten Menschen) endet.

Die meisten Menschen, die sich vor Hunden fürchten, haben dafür einen guten Grund. Sie sind bereits von einem Hund gebissen oder bedroht worden. Auch Erziehungsfehler in der Kindheit führen oft zur Hundephobie. All das gibt einen brisanten Cocktail – der eingeschüchterte Hund reagiert auf die Unsicherheit seines Gegenübers mit Panik. Dabei sind es ganz einfache Regeln, die eine solche Situation deeskalieren, so Ruth Hochstätter, die auch noch darauf aufmerksam macht, dass es neben den sogenannten Angstbeißern auch noch die echten Jäger gibt. „Die sind nicht aggressiv, sie verfolgen nur ihre Aufgabe.“ Beruhigend.

Für viele Menschen ein echter Horror: agressive Hunde.
Für viele Menschen ein echter Horror: agressive Hunde.

So vermeiden Sie den Hundebiss

1. Kommt ein freilaufender Hund einer ängstlichen Person zu nahe, so kann es sein, dass diese versucht, mit Schreien oder Tritten den Hund abzuschrecken. Das hat fatale Folgen, wenn der Vierbeiner ebenfalls mit Aggression reagiert.

2. Ein häufiges Missverständnis ist auch die Tatsache, dass Menschen, die sich vor Hunden fürchten, das Tier anstarren, wenn sie an ihm vorbeigehen. Die Reaktion des Vierbeiners wird zurückhaltend bis misstrauisch sein, denn er fühlt sich durch das Anstarren bedroht.

3. Verlangen Sie vom Hundebesitzer, dass er den Hund an die Leine nimmt. Fühlt man sich bedroht, sollte man auf keinen Fall eine Diskussion beginnen. Hochstätter: „Ruhig bleiben und nur den Wunsch wiederholen.“

4. Menschen, die Angst vor Hunden haben, sind oft schon beim Anblick eines Vierbeiners wie von Angst gelähmt. Vor allem freilaufende Hunde lösen Stress aus. Oft führt dieses Gefühl der Bedrohung dazu, dass ängstliche Menschen schon aus der Ferne dem Hundebesitzer zuwinken oder zurufen, um diesen darauf aufmerksam zu machen, dass sie dem Hund nicht begegnen möchten. Für den Hund ist dieses Verhalten ein Zeichen dafür, sich der winkenden Person zu nähern. Sein Interesse wird durch das Rufen geweckt.

5. Versuchen Sie nicht vor dem Hund davonzulaufen – dadurch wird das Interesse des Tieres geweckt. Er läuft eher hinterher, als dass er die Person ignoriert. Als Hundehalter sollten Sie in diesem Fall Ihren Hund zu sich rufen und vorsorglich anleinen, bevor es zu einer unangenehmen Situation kommen kann.

6. Allgemein ist es wichtig, dass Hundebesitzer, wenn sie merken, dass ihnen ängstliche Menschen begegnen, auf das richtige Verhalten hinweisen. Halten Sie den Hund besser zurück und lassen Sie es nur zu einer Begegnung kommen, wenn die Person damit einverstanden ist.

7. Hundehalter können die Situation entspannen, wenn sie selbst Ruhe ausstrahlen und Gelassenheit vermitteln. Ängstliche Personen sollten die Möglichkeit haben, ausweichen zu können. Das beste Verhalten ist ein Ignorieren des Tieres.

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