Gedanken zum Sonntag. Von Rudolf Bischof, Bischofsvikar, Feldkirch

Ich bin da


               
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Es ist schön, wenn uns jemand sagt: Ich bin da.

Wie sehr haben wir doch gerade in den vergangen Wochen erfahren, wie schön es ist, wenn jemand für uns da war, ob es die Eltern waren, die den Kindern bei den Aufgaben geholfen haben, ob es die Mütter und Väter waren, die das Familienleben freudvoll gestaltet haben, ob es Kinder waren, die ihre alten Eltern versorgt haben, ob es Arbeitgeber waren, die nicht gleich gekündigt haben, ob es Helfer beim Einkaufen waren oder die vielen medizinische Helfer, die sich selbst in Gefahr brachten. Wie erlösend ist es, wenn jemand zu uns sagt ich bin da, besonders dann, wenn wir in Not sind oder einsam sind.

Eine Mutter erzählte bei einem Fernsehgottesdienst ein wunderschönes Erlebnis vom vergangenen Sommer. Die Familie war in Italien. Da gab es auch einen anspruchsvollen Erlebnispark für Kinder, so auch eine kleine Hochbahn, mit der sogar die Kinder fahren konnten. Mutig absolvierte der Fünfjährige sicher angeschnallt aber mit angstvollem Gesicht die Fahrt. Dann fragte die Mutter die Dreijährige, ob sie auch fahren wolle. Kleinlaut sagte sie Ja. Da setzte sich die Mutter mit ihr in den Sitz und sie fuhren das Auf und Ab. Die Mutter wunderte sich, dass die Kleine so ruhig blieb und fast mit einem abschätzigen Blick nach unten schaute. Am Ende der Fahrt fragte sie das Kind: Hattest du denn keine Angst? Da meinte das Mädchen, warum denn, du warst doch bei mir. Dieses ich bin da, ich bin bei dir, nimmt uns die Angst. Wenn unser Leben zu einer Achterbahn mit einem wilden Auf und Ab wird, ist es wichtig, dass wir diese Erfahrung machen, dass uns jemand sagt: Ich bin da.

Gott nennt sich: „Ich bin der, der da ist.“

Als Moses nach einem gescheiterten Leben in Not war und einsam in der Wüste in den Sinnfragen wühlte, da sah er einen brennenden Dornbusch. Er wollte das Rätsel näher erkunden und hörte aus dem Feuer eine Stimme. Sie verlieh ihm einen Lebensauftrag, er soll helfen, sein Volk aus der Knechtschaft zu befreien. Da fragt er: Wer bist Du? Die Antwort war: Ich bin der, der da ist. Das war ihm Kraft genug, um die große Befreiungsgeschichte zu initiieren, die uns heute noch zur mutmachenden Erinnerung wird. Wenn uns jemand sagt, ich bin für dich da, dann ist das eine übergroße Kraftquelle, mit der wir Unglaubliches schaffen können. Da verlieren wir Angst und Unsicherheit. Für mich ist das einer der schönsten Bibelsätze, dass Gott sagt, ich bin da. Und wenn uns vielleicht niemand mehr dieses Wort sagt, in der Kirche brennt die kleine rote Lampe, die uns sagt: „Ich bin da“.

Wir stehen vor einem Neubeginn

Vor uns allen steht eine große Wiederaufbaugeschichte, mit der wir die Folgen der Corona Geschichte bewältigen müssen. Da wird uns noch viel abverlangt. Das kann kein Staat, keine Institution allein meistern. Da ist jeder und jede Einzelne von uns aufgerufen. Jetzt ist eine große Solidarität gefragt. In diesen letzten Wochen sahen wir im Fernsehen auch die vielen Hoffnungsgeschichten, die Menschen nach der Zerstörung des Krieges geschrieben haben. Dabei kam es meistens auch auf jeden einzelnen Menschen darauf an, dass wieder Leben, Arbeit, Zuhause wachsen konnte. Dieses Wort, das Gott zu Mose spricht, ich bin da, hat damals geholfen und kann uns auch heute helfen. Es kann uns Hoffnung schenken, wenn wir diesen verborgenen Gott im Dornbusch menschlicher Bemühung finden, es kann uns helfen, wenn wir Menschen wertschätzen, die uns weiterhelfen, es kann helfen, wenn wir selbst zu Menschen werden, die für andere da sind.

<p class="caption">Rudolf Bischof, Bischofsvikar, Feldkirch.</p>

Rudolf Bischof, Bischofsvikar, Feldkirch.

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